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URSULA SACHER HATTE DEN MUT

Ein Garten, den keiner wollte

Donnerstag, 01. Juli 2021, 10:08 Uhr
Nicht für Geld und gute Worte hätte ich diese Parzelle übernommen, meinte der Nachbar, selbst kleingärtnerisch tätig. Eine Bruchbude anstelle eines Gartenhäuschens, ein Wildwuchs statt Blumen, Obst und Gemüse. Doch Ursula Sacher wagte sich an das Abenteuer...

Ursula Sacher trug Steine zusammen, formte ein Rondell, bestückte es mit verschiedenen Kräutern. Aus der einstigen Wüstenei wurde unter ihren Händen ein ansehnlicher Garten. Ihr ständige Begleiterin: Moni, die kleine Bulldogge. (Foto: kunk) Ursula Sacher trug Steine zusammen, formte ein Rondell, bestückte es mit verschiedenen Kräutern. Aus der einstigen Wüstenei wurde unter ihren Händen ein ansehnlicher Garten. Ihr ständige Begleiterin: Moni, die kleine Bulldogge. (Foto: kunk)
Nordhausen. Die Frau wohnt in der Hesseröder Straße. Mit Moni, ihrer sieben Monate alten kleinen Französischen Bulldogge, unternahm sie gern Spaziergänge. Diese führten sie eines Tages auch entlang der HSB-Bahnlinie zur Kleingartenanlage „An der Blumensiedlung“. Dort bemerkte sie die Garten-„Wüstenei“. Sie fragte einen Mann, der gerade aus seiner Parzelle kam, was es damit auf sich habe.

Diesen Garten wolle kein Mensch mehr! Zuviel Dreck, zuviel Arbeit! Schon jüngere Leute hätten sich versucht, über kurz oder lang den Spaten aber wieder hingeschmissen, meinte ihr Gesprächspartner. Und fügte an: Jüngeren fehle dafür einfach die Zeit, Ältere wollen diese Last nicht mehr auf sich nehmen. Der Kleingärtner schüttelte nur ungläubig mit dem Kopf, als er das Ansinnen der Frau vernahm, einen Versuch zu wagen. Der Mann riet ihr ab, sich das nicht anzutun. Doch Ursula Sacher wollte. Dann solle sie sich doch mal mit dem Vorsitzenden der Gartenanlage sprechen.

Dr. Jürgen Buchham war sehr erfreut, hatte er doch wohl selbst nicht mehr mit jemanden gerechnet, der sich für die 300-Quadratmer-Fläche begeistern könnte. Eine kleine Kaution war zu entrichten, und Ursula Sacher machte sich ans Werk. Das war im März des Jahres. Zunächst entrümpelte sie die Bude: Eine verschlissene Couch, in der Motten hausten. Klapprige Türen, die aus den Angeln fielen. Glasscherben einstiger Fenster. Den Fußbodenbelag konnte man nur noch erahnen. Einigen Schrott packte sie auf den Handwagen und brachte ihn eigenhändig zu den Stadtwerken.

Der Vorstand wirbt für Arbeitseinsätze in verwilderten Gärten. Hilfreich wäre für Neu-Gärtnerin Ursula Sacher ein Container, um weiteren Unrat, der sich in den Jahren anhäufte und den sie allein nicht wegschaffen kann, zu entsorgen. (Foto: kunk) Der Vorstand wirbt für Arbeitseinsätze in verwilderten Gärten. Hilfreich wäre für Neu-Gärtnerin Ursula Sacher ein Container, um weiteren Unrat, der sich in den Jahren anhäufte und den sie allein nicht wegschaffen kann, zu entsorgen. (Foto: kunk)
Mittlerweile sind die Wände der Datsche tapeziert. Neuer Belag ist aufgebracht, aller Unrat aber noch nicht vollständig beseitigt. Ursula Sacher - sie hat die 60 längst hinter sich und die Rente vor sich – ist alleinstehend. Die Tochter wohne im Saarland. Dankbar wäre sie dem Vorstand, sie mit einem Container bei all ihren Bemühungen zu unterstützen. Es wäre auch im Interesse umliegender Gartenliebhaber als Mitnutzer, zumal der Vorstand (siehe Bild) um Mitmacher für Entrümpelungsaktionen wirbt.

Unter den unermüdlichen Händen der Ursula Sacher verwandelt sich die einstige „Wüstung“ in eine Parzelle, die sich heute schon sehen lassen kann. Kartoffeln, Zucchini, Tomaten, Bohnen, Erbsen, Zwiebeln, Salate gedeihen prächtig. Die tüchtige Gärtnerin trug Steine für ein Rondell zusammen, das sie mit verschiedenen Kräutern bepflanzte. Sie wisse die eigene Ernte zu schätzen und was sie esse. Sie pflanzte Obstbäume, verflocht die Zweige zu einem Spalier.

Im Herbst will sie für den Wasseranschluss sorgen, der das kostbare Nass auch bis in die Küche des Häuschens leitet. Ein Nachbar habe Hilfe zugesagt. Vorher sei noch der Graben für die Leitung auszuschachten. Jetzt habe sie auch Licht im Gartenhäuschen, freut sie sich, war doch teilweise das marode gewordene Elektrokabel plus Zähler zu erneuern. Das allein habe sie 190 Euro gekostet. Nächste Aktion: die Rasenfläche. Die sei verquickt. Unter den Spaten soll sie kommen. Alles Unkraut will sie auslesen, die Fläche auf eine Aussaat mit neuem Grassamen vorbereiten.

 Auf der Stirnseite des Gartenhäuschens findet sich diese lustige Zeichnung. Gemeint ist ihre vierbeinige Freundin Moni, die lieber schlafe als einem Vogel etwas anzutun. (Foto: kunk) Auf der Stirnseite des Gartenhäuschens findet sich diese lustige Zeichnung. Gemeint ist ihre vierbeinige Freundin Moni, die lieber schlafe als einem Vogel etwas anzutun. (Foto: kunk)
Warum sie sich so schinde? Für sie sei es keine Schinderei. Mehr Hobby und Fitness für die Gesundheit sei die Arbeit im Garten. Auf dem Lande sei sie aufgewachsen, habe schon als Kind gegärtnert. Außerdem könnte es ihr als Rentnerin zu langweilig werden. Noch ist der Garten mehr Arbeit als Erholung. In den Liegestuhl – ein Lächeln huscht über ihr Gesicht - werde sie sich erst dann legen, wenn alles nach ihren Vorstellungen geschafft sei.
Kurt Frank
Autor: psg

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