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„Kleines“ Experiment am Kiessschacht

Arbeiten mit Seeblick

Mittwoch, 30. Juni 2021, 14:00 Uhr
E-Mails schreiben, Videokonferenz und dann ein kurzer Sprung ins kühle Nass - am Kiesschacht wird das ab morgen für einen Monat möglich sein. Auf dem Gelände wurde ein „tiny office“, ein kleines Büro aufgestellt, dass kostenlos gebucht werden kann…

"Tiny office" - kleines Büro am Kiesschacht (Foto: agl) "Tiny office" - kleines Büro am Kiesschacht (Foto: agl)

Arbeit im Grünen statt Großraumbüro oder, mit den Erfahrungen des Corona-Jahres im Rücken, Seeblick statt Küchentisch - es gibt viele Berufe die unter den richtigen Vorraussetzungen nicht zwingend auf ein klassisches Arbeitsumfeld angewiesen sind. Das Endgerät, ob nun Laptop oder Tablet, ist für viele zum eigentlichen Büro geworden. Der Trend zum „co-working space“, also einem praktikablen Arbeitsraum für unterschiedlichste Klientel, hat in den Metropolen schon lange Einzug gehalten. In Nordhausen wird die Idee ab morgen mit einem weiteren Trend dieser Tage verbunden, dem „tiny house“ oder „tiny office“. Minimalismus ist hier das Credo, klein, günstig und auch ein wenig ausgefallen darf es sein.

Die Symbiose der beiden Ansätze steht seit gestern auf dem Gelände des Kiesschachtes in Nordhausen. Das „kleine Büro“ wurde auf einem Anhänger aufgebaut und umfasst zwei Arbeitsplätze mitsamt Drucker, WLAN-Zugang und einem großen Bildschirm. Hinzu kommen drei weitere Arbeitsplätze die, weniger spektakulär, in einem Pavillon-Zelt eingerichtet wurden. Vor dem Fenster warten einfache aber gemütliche Sitzgelegenheiten und auch an Kaffee für den Büroalltag im Grünen soll es nicht fehlen. Und das alles kann, bis auf den Kaffee, kostenlos gebucht werden.

Insgesamt fünf Arbeitsplätze bietet das "co-working" Angebot, zwei davon mit direktem Seeblick (Foto: agl) Insgesamt fünf Arbeitsplätze bietet das "co-working" Angebot, zwei davon mit direktem Seeblick (Foto: agl)


Gedacht ist das Angebot als eine Art Sommerexperiment, dass vom „Regionalmanagement Nordthüringen“ ins Leben gerufen wurde. Das Nordthüringer Trio aus den Kreisen Nordhausen, Unstrut-Hainich und Kyffhäuser soll Ressourcen bündeln um die Region als ganzes zu denken und voranzubringen. Und manchmal bleibt da auch Raum für ausgefallenere Ideen.

„Wir haben so auch einmal die Möglichkeit Dinge auszuprobieren die im normalen Verwaltungshandeln aus Geld und Personalgründen nicht laufen würden“, erklärte Landrat Matthias Jendricke heute am Kiesteich. Er selbst sei zunächst skeptisch gewesen, sei nicht der Typ für das „Home Office“, man sehe aber auch, das dass arbeiten von zu Hause aus durch die Corona-Krise einen anderen Stellenwert bekommen habe.

Ob dem tatsächlich so ist, dass soll das „tiny office“ am See ergründen. Denn anders als am Kyffhäuser und im Unstrut-Hainich-Kreis hat man vor Ort schon Erfahrungen mit einem „co-working space“ gemacht. Der privaten Initiative, die im Obergeschoss des Postgebäudes Gemeinschaftsarbeitsplätze angeboten hatte, war vor gut sechs Jahren ein stilles Ende beschieden. Aber die Zeiten ändern sich und vielleicht, so die Überlegung im Regionalmanagement, lässt sich aus dem „Home office“ - Trend der Pandemie doch noch etwas für den ländlichen Raum herausschlagen. Warum nach Erfurt, Göttingen oder Leipzig pendeln wenn es auch von zu Hause aus geht?

„Wir wollen erst einmal sehen wie das ankommt und den Bedarf ermitteln. Im besten Fall findet sich jemand, der die Idee aufgreift “, sagt Julia Pietsch, die Nordhausen im Regionalmanagement zusammen mit Claudia Rheinländer vertritt. Betreut wird das Experiment von einem „Community Manager“ der die tagtägliche Logistik organisieren und mit den Leuten ins Gespräch kommen soll, um den Finger am Puls zu haben und Erfahrungen und Beweggründe zusammentragen kann.

Auch mal etwas ausprobieren: das Team des Regionalmanagements Nordthüringen, Ricardo Droescher aus dem Bereich Kreisentwicklung und Landrat Jendricke am "tiny office" (Foto: agl) Auch mal etwas ausprobieren: das Team des Regionalmanagements Nordthüringen, Ricardo Droescher aus dem Bereich Kreisentwicklung und Landrat Jendricke am "tiny office" (Foto: agl)


Die Entscheidung den mobilen Bürowagen am Wasser aufzustellen fiel derweil in der Chefetage. „Wenn wir das schon machen, dann sollte es auch etwas „cooles“ sein“, sagt Jendricke. Ursprünglich war ein Standort in der Gemeinde Harztor angedacht. Grundsätzlich sei die Anhänger-Variante am Kiesteich nur eine von vielen Möglichkeiten und Formen der „kleinen Büros“, erklärt die Dritte im Bunde der Regionalmanagerinnen, Rebecca Vangangelt. In Greußen nutzt man etwa die großen, leerstehenden Räume einer Grundschule, in Bad Tennstedt hat man einer Art Containerlösung gefunden. Ganz im Alleingang hat man das alles nicht auf die Beine gestellt. Die nötige Expertise konnte man sich über die Kooperation mit der „Co-Working- Genossenschaft“ ins Haus holen, die Deutschlandweit eine ganze Reihe ausgefallener Büroalternativen anbietet, von naturnah bis pragmatisch-praktisch.

Einen Monat lang soll das „tiny office“ in Nordhausen auf dem Rasen geparkt werden. Und während das Experiment zumindest im Unstrut-Hainich-Kreis bisher eher schleppend angelaufen ist, liegen für das Büro am See ohne viel Öffentlichkeitsarbeit schon jetzt 20 Anfragen vor, darunter auch der einer Firma, die gleich ein größeres Meeting unter freiem Himmel abhalten möchte.

Gut möglich also, dass die Idee fünf Jahre nach dem Aus des letzten „Co-Working“ Experiments doch noch im ländlichen Raum Schule macht. Wer selber einmal weg will von Küchentisch und Büroalltag, der findet unter www.coworkland.de alle nötigen Informationen zum Arbeitsplatz mit Seeblick.
Angelo Glashagel
Autor: red

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