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Spurensuche: Gartenschläfer in Nordthüringen

Sonntag, 27. Juni 2021, 14:09 Uhr
Derzeit ist unbekannt, wann der Gartenschläfer aus dem Norden Thüringens verschwand. Aber noch besteht die Hoffnung, dass sich der kleine Bilch nach wie vor in den Wäldern des Südharzes oder des Ohmgebirges versteckt. Deswegen haben sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Ehrenamtliche auf die „Spurensuche Gartenschläfer“ begeben...

Der Gartenschläfer ist dem Siebenschläfer ähnlich, aber nicht identisch mit ihm (Foto: Sven Büchner ) Der Gartenschläfer ist dem Siebenschläfer ähnlich, aber nicht identisch mit ihm (Foto: Sven Büchner )

Einst war der zu den Schlafmäusen gehörende Gartenschläfer flächendeckend in Europa von Südfinnland bis Portugal verbreitet. Doch bereits im Jahr 2015 hatte er im Vergleich zu 1978 bereits 49 Prozent seines ursprünglichen Verbreitungsraumes verloren. In Deutschland sind die Bestände vor allem im Osten und in Mitteldeutschland massiv zurückgegangen. Das rätselhafte Verschwinden der Art in weiten Teilen Europas und Deutschlands war ausschlaggebend für das bundesweite Projekt „Spurensuche Gartenschläfer“, in welchem die möglichen Rückgangsursachen erforscht und Schutzmaßnahmen entwickelt werden.

Im Verbundprojekt von BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland), der Justus-Liebig-Universität Gießen und der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung arbeiten die Partner zusammen mit der intensiven Unterstützung ehrenamtlicher Spurensuchender, um dem Bilch auf die Spur zu kommen. Gefördert wird das Projekt im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit und in Thüringen mit Mitteln der Stiftung Naturschutz Thüringen.

Seit gut zwei Jahren wird die Verbreitungskarte der Art neu gezeichnet, indem Nachweise des Gartenschläfers zusammengetragen und erhoben werden. Über eine Online-Meldestelle auf der Projekt-Homepage werden Hinweise auf und Nachweise von Bilchen gesammelt und auf einer Karte dargestellt. Leider entfallen nur wenige Nachweise auf Thüringen, diese konzentrieren sich auf das Thüringer Schiefergebirge mit einigen Ausläufern.

Altnachweise belegen jedoch, dass die Art im Norden Thüringens heimisch war. Daher wird im dritten Jahr der Erfassung noch einmal intensiv Nordthüringen beprobt. Zusammen mit Freiwilligen des BUND sowie dem Naturpark Südharz, ThüringenForst und Waldbesitzenden wurden diverse Spurtunnelstrecken und Kameras aufgestellt, die nun regelmäßig kontrolliert werden. Auch der NABU Eichsfeld unterstützt die Spurensuche.

Die Erfassung von Bilchen über Spurtunnel ist eine erprobte und zuverlässige Methode. Hierbei wird die Neugier der Tiere genutzt, die freiwillig eine Kunststoffröhre durchlaufen. Dabei treten sie in ein Kohle-Öl-Gemisch, stempeln ihre Sohlenabdrücke auf ein Blatt Papier und liefern so sichere Nachweise.

Da Gartenschläfer an den verschiedensten Orten vorkommen, stehen die Tunnel und Wildkameras in ganz unterschiedlichen Lebensräumen. Auf einer Streuobstwiese bei Nordhausen, dem Gipskarst im Südharz, einer Blockschutthalde bei Netzkater, Kleingärten am Ortsrand von Ilfeld und Leinefelde oder in Wäldern im Ohmgebirge, bei Neustadt und am Alten Stolberg. Dort wird nun bis in den späten Herbst, wenn die Gartenschläfer in den Winterschlaf gehen, untersucht, ob es die Art im Norden des Freistaates noch gibt.

Aber nicht nur die Information, wo die Art heute noch vorkommt, ist interessant für die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Ebenso wichtig sind Informationen dazu, wann der Gartenschläfer in bestimmten Regionen verschwunden ist. Gerade für den Norden Thüringens fehlen im Projekt Informationen zum Alter der letzten Nachweise im Südharz oder dem Eichsfeld. Solche Hinweise können ebenso wie sichere Nachweise über die Website des Projektes www.gartenschlaefer.de gemeldet werden.
Autor: red

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