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IMMER AUFFÄLLIGER DIE BRAUNEN FLECKEN IN GRÜNEN LUNGEN

Bloß nicht wieder diese Albträume!

Mittwoch, 23. Juni 2021, 11:30 Uhr
Albtraum der Förster: Bloß keine Wiederholung der Hitzeperioden vergangener Jahre. Keine brennenden Wälder, absterbende Bäume und zunichte gemachte mühevolle Aufforstungen mehr. Doch die Realität ist bitter! Das Frühjahr offenbarte, was Forstwirte befürchteten...

Noch im Vorjahr erweckte sie Hoffnung auf ein Weiterleben. Doch auch diese Blutbuche, zu Lebzeiten eine prägende Erscheinung, stirbt. (Foto: kunk) Noch im Vorjahr erweckte sie Hoffnung auf ein Weiterleben. Doch auch diese Blutbuche, zu Lebzeiten eine prägende Erscheinung, stirbt. (Foto: kunk)
Nordhausen. Viele weitere Bäume überleben das Jahr 2021 nicht. In ungeahnter Anzahl. Schon ein Spaziergang durch Stadtpark und Gehege in heimischen Gefilden verdeutlicht das anschaulich. Allein im Stadtpark fallen zwischen 25 und 30 Baumleichen an. Markant die im Tiergehege. Ohne Saft und Kraft stehen sie da. Der Blick fällt unter anderem auf die verdorrten Nadelbäume, die sich einst kraftvoll in den Himmel streckten.

Selbst eine ausladende mächtige Blutbuche, die man noch im Vorjahr ob ihrer Größe und Schönheit bewundern konnte und die auch auf ein Weiterleben hoffen ließ, ist jetzt dem Tod geweiht. Ein Exemplar dieser Größe war bereits im Vorjahr abgestorben und gefällt worden. Im Gehege heben sich die Buchenleichen sichtbar braun vom Grün der Lebenden ab. In einer weitaus höheren Anzahl als vermutet.

Extreme Hitze. Temperaturen bis 37 Grad. Der Niederschlag in der Nacht zu Sonntag wirkte erlösend. Im Schnitt 19 Liter auf den Quadratmeter. Die Erholung für den Baumbestand könnte aber nur von kurzer Dauer sein. Der Sommer hingegen, der erst am Montag kalendarisch einsetzte, erneut zur Hochform mit brütender Hitze auflaufen. Während sich das Gehege durch Naturverjüngung selbst nachpflanzt, ist im Park Nachhilfe erforderlich.

Vor zwei Jahren: Stadtförster Axel Axt im Stadtpark. Noch kann er sich der stattlichen Erlen, Ulmen, Eschen und alten Pappeln erfreuen. Ihm schmerzt der Verlust einstiger belaubter und benadelter Riesen, die der Trockenheit zum Opfer fielen. Die ehemals beeindruckende Blutbuche rechts im Bild steht heute nicht mehr (Foto: kunk) Vor zwei Jahren: Stadtförster Axel Axt im Stadtpark. Noch kann er sich der stattlichen Erlen, Ulmen, Eschen und alten Pappeln erfreuen. Ihm schmerzt der Verlust einstiger belaubter und benadelter Riesen, die der Trockenheit zum Opfer fielen. Die ehemals beeindruckende Blutbuche rechts im Bild steht heute nicht mehr (Foto: kunk)
Ein mögliches Hitze-Szenario 2021 würde die Sorgenfalten auf der Stirn des Stadtförsters Axel Axt nur noch vertiefen. Man werde die abgestorbenen Blutbuchen, die das Bild des Parks prägten, durch Neuanpflanzungen ersetzen, versichert er. Wenn möglich schon mit größeren Exemplaren. In die Erde sollen hitzeresistentere Arten kommen. Zum Nulltarif sind die nicht zu haben. Der Förster weiß um die Anziehungskraft des Areals mit dem Kinderspielplatz und der Wasserfontäne. Neue Bänke (nnz berichtete) laden zusätzlich zum Verweilen ein.

Ein Park gewinnt seinen Glanz dank guter Pflege. Der Bauhof war gestern zugange. Da ist eine tadellos gemähte Fläche. Ein anderer Bereich mit blühendem Steinklee. Labsal für Bienen. Man sollte ihn belassen. Doch daneben finden sich Stellen hohen Grases am Wegesrand, das immer trockener wird. Auch Wildkräuter. Auf Wiesen und Feldern in der Landschaft Nahrung für Hasen und Rebhühner. Im Stadtpark ein Kontrast zwischen Schön und Unschön. Diese Kombination mag so gewollt sein und ist nicht mit Kritik verbunden.

Da weder Hirsch, Esel noch Damwild Brenneseln fressen, vereinen sich diese zu immer größer Nestern. Da fragt sich der Betrachter, ob sich dieses Gewächs unbedingt so ausbreiten soll? Das soll es nicht: „Die Brenneselnester werden gemäht!“, lautet die Antwort aus dem Rathaus.

Mit reichlich Wasser fließt der durch den Park führende Bach dahin. Brenneselnester zieren seinen Verlauf.  An ihm liegt es nicht, wenn das Biotop außen vor bleibt. (Foto: kunk) Mit reichlich Wasser fließt der durch den Park führende Bach dahin. Brenneselnester zieren seinen Verlauf. An ihm liegt es nicht, wenn das Biotop außen vor bleibt. (Foto: kunk)
Ein leidiges Thema: Vor Jahren hatte ein für den Park zuständiger Mitarbeiter eine lobenswerte Idee. Uwe Patzig hieß der Mann. Ein Paradies für Amphibien wollte er schaffen. Zu diesem Zweck legte er ein Feuchtbiotop an. In der Mitte ein kleiner integrierter Steinhügel. Wohl als Sonnenterasse für die Quaker gedacht.

Es lief alles gut an. Auch Teichhühnchen siedelten sich an. Hin und wieder sollen Frösche gesichtet worden sein. Sie vertieften die Hoffnung auf das gute Gelingen des Vorhabens. Heute dominiert – leider - nur: eine „grüne Wüste“. Warum? Die Antwort aus dem Rathaus liest sich so:

Das Feuchtbiotop wird extensiv gepflegt, daher nur einmal im Jahr gemäht. Es ist in der Funktion abhängig vom Wasserzufluss des Mühlgrabens. Dieser führt den Stadtpark in den letzten zwei Jahren zunehmend weniger Wasser zu, da auch in der Zorge wegen der Trockenheit immer weniger Wasser fließt. In dieser begrenzten Fläche sollen sich Pflanzen und Tiere natürlich entwickeln. Größere Eingriffe sind daher nicht zu erwarten.

Mir ist nicht bekannt, welcher Mitarbeiter oder welche Mitarbeiterin vom Sachgebiet Park und Grünanlagen besagte Antwort dem Stadtsprecher Lutz Fischer hat zukommen lassen. Leiter Steffen Meyer kann es doch nicht gewesen sein. Ich schätze ihn als engagierten Mann, der sich mit seinem Team um das Grün der Stadt sehr bemüht, der sich aber auch jede Antwort an die Öffentlichkeit wohlüberlegt, bevor er sie absetzt.

Neben gepflegten Bereich finden sich andere mit Gräsern und  Kräutern. Man mag diese Kombination als  Schön und Unschön sehen, ist wohl für Insekten gedacht. Auch das Grün am Bachlauf fällt nicht unter das Schneidwerk, weil es Sinn macht (Foto: kunk) Neben gepflegten Bereich finden sich andere mit Gräsern und Kräutern. Man mag diese Kombination als Schön und Unschön sehen, ist wohl für Insekten gedacht. Auch das Grün am Bachlauf fällt nicht unter das Schneidwerk, weil es Sinn macht (Foto: kunk)
Bei einer näheren Betrachtung und Visite vor Ort habe ich mit dieser Aussage meine Zweifel. Der Bach, der, vom Tiergehege kommend, durch den Park fließt, führt reichlich Wasser. Das Frühjahr verlief relativ feucht. Im Biotop ist das Wasser an manchen Stellen bis zu 13 Zentimeter tief. Feucht ist es überall, wenngleich nicht überall bewässert. Aber: Den Zulauf säubern, freie Wasserstellen schaffen, den „Sonnenhügel“ freilegen – schon würde das Areal seinen Zweck erfüllen. Das macht wohl Arbeit. Frosch wie Kröte würden sich in dem derzeitigen grünen Wirrwarr nur verheddern. Es mangelt an freiem Raum.
Mit dem Fällen der vertrockneten Bäume, blickt Förster Axt voraus, will man nach der Brutperiode der Vögel im August beginnen. Das erfolge für große Exemplare in Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde. Man will sehen, ob sich nicht etwa in den Stämmen Brutmöglichkeiten für Vögel befinden. Sagt Ornithologe Rolf Schiffler von der Behörde. Für tote Kleinbäume bedürfe es keiner Genehmigung.

Trotz aller Bemühungen wird es nicht gelingen, die wie Tumore wirkenden brauen Flecken aus grünen Lungen bis Jahresende aus unseren Naherholungsbereichen zu entfernen. Da reicht es nicht an Kapazitäten.
Kurt Frank
Autor: psg

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