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nnz-Rückspiegel: 3. November 2000

Samstag, 03. November 2001, 09:01 Uhr
Nordhausen (nnz). Können Sie sich noch erinnern, was vor einem Jahr im Landkreis Nordhausen los war? Die nnz hat im Archiv gesucht und folgende Meldungen gefunden.


Gemeinde- und Städtebund: Verbale Rundumschläge nicht förderlich

Der Kreisverband Nordhausen des Städte- und Gemeindebundes fordert vom Landkreis eine konstruktivere Zusammenarbeit mit den Kommunen, vor allem aber mit der Stadt Nordhausen. Als einen ersten möglichen Schritt sollen nach Ansicht des kommunalen Verbandes Beratungen mit dem Landrat zu dringlichen Problemen durchgeführt werden. So soll Landrat Joachim Claus (CDU) im Dezember zu einer Kreisvorstandssitzung eingeladen werden. Dabei werde es sich allerdings um keine Stammtischrunde handeln, so Jürgen Hohberg gegenüber der nnz.

Zu dieser Sitzung erwarten die neun Mitglieder des Kreisvorstandes auch eine Erklärung vom Landrat zu seinen Äußerungen bezüglich der Effektivität der Abwasserverbände. Die Vorwürfe, die Claus zum zurückliegenden Kreistag indirekt in Richtung ehemaliger Bürgermeister erhob, sollen richtiggestellt werden. „Er sollte erläutern, was die Struktur der Abwasserverbände nach seiner Ansicht mit (zweifellos vorhandenen) Einsparpotentialen im Landkreis zu tun hat, wie er die seit Jahren vom Landesverwaltungsamt geforderten Einsparungen angehen und umsetzen will und wann mit entsprechenden Ergebnissen gerechnet werden kann“, heißt es in einer Erklärung des Gemeinde- und Städtebundes.


Stadtverwaltung: Harte Gangart gegen illegale Baumaßnahmen angekündigt

Das Nordhäuser Bauordnungsamt befaßt sich seit geraumer Zeit mit illegal errichteten Bauten. So sei mit diesen Bauten das Stadt- und Landschaftsbild beeinträchtigt und der Naturschutz verletzt worden. Der Leiter des städtischen Bauordnungsamtes, Andreas Johannes Czwak, sprach gegenüber nnz von Außenbereichen, wie zum Beispiel der Gumpe, dem Hofberg oder Krimderode. Hier seien insbesondere Eigenheimbauer betroffen, die ihre Häuser zum Teil erst in diesem Jahr gebaut haben sollen.

In diesem Zusammenhang soll es bereits intensive Beratungen mit anderen Behörden des Landes Thüringen und dem Verwaltungsgericht Weimar gegeben haben. Im Ergebnis dieser Beratungen wurde der Entschluß gefaßt, gegen die baulichen Mißstände konsequent vorzugehen. Für die betroffenen Bauherren bedeute dies unter Umständen einen tiefen Einschnitt in die privaten und persönlichen Belange, trotzdem werde man dem „Auswuchs“ begegnen, hieß es aus der Stadtverwaltung.


Ausbau der B 243: Kranke Kinder kontra Feuchtbiotop und Fledermäuse

Irgendwo in der Nähe von Bad Lauterberg im Landkreis Osterode am Harz gibt es ein Feuchtbiotop. Da wachsen Erlen, seltene Gräser, da flattern in der Nacht Fledermäuse über die Wiesen. Nebenan, einige hundert Meter entfernt von dieser Idylle, wohnen Menschen in Barbis oder Osterhagen. Die Menschen haben es wie ihre Nachbarn in Hesserode, Mackenrode oder Kleinwechsungen satt, täglich im Lärm und Gestank der Trucks auf der B 243 zu ersticken.

Abhilfe soll hier der vierspurige Ausbau der Bundesstraße mit Ortsumgehungen schaffen. Die Planungen könnten jetzt forciert werden, die Linienbestimmung könnte beginnen. Könnte! Wenn da nicht der halbe Hektar FFH-Gebiet entlang der Zorge wäre. Wenn die Trasse nicht dieses Feuchtbiotop durchschneidet, dann gibt es die Bundesstraße nicht vierspurig, dann gibt es keine Ortsumgehungen, dann bleiben Lärm und Gestank für die Menschen in Günzerode und Barbis. Die komplizierte Geographie gibt keine Alternative her. Das ist der Sachstand, der als Ergebnis der Beratungen des Regionalbündnisses B 243 zwischen den beiden Landkreisen heute vorgestellt wurde. Die Landräte Claus und Reuter wollen jedoch in ihrem Druck nicht nachlassen, haben Landtags- und Bundestagsabgeordnete an ihrer Seite. Bereits jetzt wird die Aufnahme des Ausbaus der Bundesstraße in den vordringlichen Bedarf des neuen Bundesverkehrswegeplanes ab 2003 gefordert. Dabei wollen die Parlamentarier als operatives „Frühwarnsystem“ fungieren. Schnelle Informationen aus Hannover, Erfurt oder Berlin sind oftmals Gold wert.


Nordbrand: Austritt aus Monopolverband bringt Vorteile

Die Nordbrand Nordhausen GmbH erwartet für dieses Jahr eine weitere Umsatz- und Ergebnissteigerung. Knapp 60 Millionen Flaschen Spirituosen werden den Betrieb verlassen. Im letzten Jahr waren es nur 53 Millionen Flaschen. Das Unternehmen ist nicht nur in der Sparte Korn seit 1993 deutscher Marktführer, seit letztem Jahr mischt es auch im Eierlikörmarkt mit und konnte auch hier die deutsche Marktführerschaft erreichen. Gute Nachrichten, denn der gesamtdeutsche Spirituosenmarkt ist seit Jahren rückläufig. Während der Durchschnitts-Ossi vor neun Jahren noch elf Liter Spirituosen pro Jahr wegschluckte, sind es jetzt nur noch sechs.

Auch kommendes Jahr will das Unternehmen die Produktion weiter steigern, nicht zuletzt durch den Austritt der Mutter Eckes AG aus dem Deutschen Branntweinmonopolverband in diesem Oktober. Damit ist der Weg frei zur Produktion eigener Rohstoffe, die bisher nur limitiert hergestellt werden konnten. Auch können jetzt Alkohole für andere Mitbewerber produziert werden. Der Austritt aus dem Monopolverband bedeutet für Eckes und Tochter Nordbrand zwar, daß es keine staatlichen Zuschüsse mehr geben wird. Andererseits fallen aber auch Produktionsbeschränkungen weg, die mit der Mitgliedschaft im Monopolverband verbunden sind. Bis Anfang 2000 war die Mitgliedschaft in jenem Verband für alle Spirituosenfirmen Pflicht, ein neues Gesetz hob diese Pflicht auf. Bis 2006 sollen sogar alle Mitglieder aus dem Verband ausgetreten sein, so will es die Bundesregierung. Der Austritt wird den Unternehmen mit einem Ausgleichsbeitrag versüßt, der den betroffenen Firmen helfen soll, fit für den freien Markt zu werden. Nordbrand wird die Summe in bisher unbekannter Höhe nächstes Jahr erhalten. Hinsichtlich der Produktpalette will Nordbrand vor allem an Neuerungen arbeiten, die einen Zusatznutzen für den Kunden bieten. In diesem Bereich gibt es schon Geschenkpackungen, Setzkästen und Weihnachtskalender, aber auch Miniaturtrucks. Hier fällt viel Handarbeit an, die schon jetzt mit rund 30 Leiharbeitern erledigt wird. Trotz der guten Aussichten will Nordbrand auf absehbare Zeit keine neuen Mitarbeiter einstellen, teilte Geschäftsführer Hans-Joachim Junker mit.
Autor: nnz

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