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RESPEKT: EINE KARRIERE OHNEGLEICHEN

Wird Egon Primas zur Legende?

Donnerstag, 03. Juni 2021, 07:29 Uhr
Eigentlich wollte ich erst über ein politisches Urgestein etwas schreiben, wenn es endgültig Abschied von einer Bühne nimmt, die Lebensinhalt und Berufung bedeutet. Da dieser Zeitpunkt auch nach 31 Jahren nicht absehbar ist und in weiter Ferne angesiedelt sein könnte, wage ich den Schritt. Die Rede ist von Egon Primas...


Vor 31 Jahren wurde er Fraktionsvorsitzender der CDU im Kreistag. Man sah ihn ihm seinerzeit eine DDR-Blockflöte, einen Steigbügelhalter eines untergegangenen Regimes. Ein politischer Kontrahent kreidete ihm das auch in einer öffentlichen Wortmeldung an. Doch Primas blieb cool.

Jetzt, mit 69 Jahren, legte er den Fraktionsvorstand in jüngere Hände. Stellvertreter bleibt er. Damals hatte die CDU im Kreistag die Mehrheit, was die Arbeit erleichterte. Wie ein Gebirge bauten sich die Probleme auf, die vor den Abgeordneten standen. In einem Interview berichtete nnz: Strukturwandel, Infrastruktur, Arbeitslosigkeit, Alten- und Pflegeheime, Industrie, Krankenhaus.

Nach seinem politischen Wirken soll man ihn bewerten. Man mag zu Egon Primas stehen wie man will, zweifellos aber hat er an den Ergebnissen, die seitdem auf der Habenseite im Landkreis stehen, einen gewichtigen Anteil. Gemessen am Eichsfeld mit seinem Landrat Werner Henning, ebenfalls politisches Urgestein, könnten sie noch besser sein, aber immerhin.

Wenn von der CDU im Landkreis die Rede ist, dann fällt immer und immer wieder der Name Egon Primas. Was hatte er nicht alles an Funktionen inne: 1990 bis 2019 durchgängig Mitglied des Thüringer Landtages. Forstausschussvorsitzender im Landtag war er. Und stellvertretender Chef der CDU im Land. Niederlagen knickten ihn nicht ein. Bei der Landratswahl für den Kreis Nordhausen unterlag er 2012 Birgit Keller von den Linken. Das hatte die CDU nicht für möglich gehalten.

Ich lernte Primas als einen umgänglichen Menschen kennen, der als Abgeordneter das Miteinander bevorzugt und kompromissbereit im Sinne der Sache ist. Austeilen kann er aber auch. Ich erlebte es bei einer Veranstaltung der Christdemokraten in der Friedenseiche mit dem damaligen Landesvorsitzenden Mike Mohring. Heftig die Attacke, die er gegen den politischen Gegner ritt, damals die Linke.

Nachtragend aber ist er nicht. Auch nicht gegen die nnz. So bekam er wiederholt in dieser Zeitung sein Fett weg. Doch niemals wies er uns danach die Tür, war stets zu einem Gespräch bereit. Primas könnte zur Legende werden: Während er Landräte, Oberbürgermeister und Ministerpräsidenten kommen und gehen sah, hielt das körperliche Schwergewicht durch. Seiner Partei treu ergeben, wenngleich er nicht immer die Meinung seiner obersten Chefin teilte, sie aber lieber für sich behielt.

Ich zolle Egon Primas Respekt. Für eine bemerkenswerte Karriere, die ihresgleichen sucht: Vom Kreissekretär bzw. Kreisgeschäftsführer des Kreisverbandes Nordhausen der CDU der DDR bis in politische Höhen. Die damit zwangsläufig verbundenen persönlichen und kommerziellen Erfolge gönne ich ihm. Ich halte ihm auch zugute, sich mir gegenüber niemals gerühmt zu haben, die Größen der Politik dieses Landes persönlich zu kennen und der Bundeskanzlerin kräftig die Hände geschüttelt zu haben.

Der Politbühne bleibt er treu. Auch der Tätigkeit in ehrenamtlichen Funktionen. So als Vorsitzender des Landschaftspflegeverbandes Südharz-Kyffhäuser. Ich müsste womöglich noch Jahre für eine Betrachtung, die ich zu schreiben gedachte, warten, bis er endgültig adieu sagt. Obwohl ich ihm, der die 70 entgegenblickt, einen wohlverdienten Ruhestand wünsche. Vielleicht als Jäger mit seinem Dackel an der Seite. Auch im grünen Rock machte er von sich reden. Auf einer Trophäenschau im ehemaligen Hotel Werther entdeckte ich vor Jahren die eines Sechzehnender. Schütze: Egon Primas.
Kurt Frank
Autor: psg

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