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Humboldt ehrt Musiktalent

Solo für Klarinette

Freitag, 28. Mai 2021, 18:30 Uhr
2200 Teilnehmer zählte der Wettbewerb Jugend musiziert zuletzt. Ein Nordhäuser Nachwuchstalent stach dabei heraus, wieder einmal. Die Zeit auf der Schulbank geht für Lyuta Kobayashi nun bald zu Ende. Anlass für das Humboldt-Gymnasium das Ausnahmetalent aus den eigenen Reihen zu würdigen…

Ehrung für ein Ausnahmetalent: das Humboldt-Gymnasium gratuliert Lyuta Kobayashi für seine herausragenden Leistungen (Foto: agl) Ehrung für ein Ausnahmetalent: das Humboldt-Gymnasium gratuliert Lyuta Kobayashi für seine herausragenden Leistungen (Foto: agl)


Es ist Prüfungszeit am Humboldt-Gymnasium. Aufreibend genug für die meisten, Lyuta Kobayashi hat nebenher noch ein paar andere Eisen im Feuer. Mit elf Jahren stand er das erste mal auf der Bühne, seine Familie, Vater und Mutter sind ebenfalls Musiker, beteiligte sich anno 2011 an einem Benefiz-Konzert im Nordhäuser Theater zu Gunsten ihrer alten Heimat Japan, das damals gerade von der Fukushima-Katastrophe heimgesucht worden war.

Seitdem gehören Bühne und Orchestergraben für den jungen Mann gewissermaßen zum Alltag. Drei mal wurde ihm beim Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ die höchste Punktzahl verliehen, er war mit dem Bundesjugendorchester und den Göttinger Symphonieorchester unterwegs, hat auf der Bühne der Elbphilharmonie vor ausverkauftem Haus gespielt und studiert seit drei Jahren neben dem regulären Schulunterricht an der IFF Musikhochschule Hannover. Lampenfieber habe er trotz aller Erfahrung immer noch, erzählt Lyuta, aber nicht immer. Geübt wird täglich, eine Stunde nach den Hausaufgaben, dann ein wenig Freizeit und noch einmal eine Stunde nach dem Abendbrot. Meistens zumindest. Samstags geht es dann nach Hannover zum „Frühstudium“. Die sechs Semester kommen auch gerade an ihr Ende, also auch hier: Prüfungen.

Gestresst wirkt der junge Mann, der gerade eben noch im Mathe-Abi saß, trotz des vollen Terminkalenders nicht, er weiß was er will. Nach Stuttgart soll es gehen, an die Hochschule für Musik und darstellende Kunst, danach hoffentlich an eines der renommierten Orchester. Der Traum wäre ein Platz bei den Berliner Philharmonikern, erzählt Lyuta, aber dahin zu gelangen sei verdammt schwer. Schon seine Eltern hatte die deutsche Kulturlandschaft nach Europa gelockt. Der Vater war in jungen Jahren nach Deutschland gekommen, seine Mutter kam später zum Studium, er selbst ist hier geboren. „In den USA zum Beispiel haben sie eine Hand voll gute Orchester, in Deutschland sind es gut und gerne fünfzig an der Zahl. Hier kommen die großen Komponisten her und das Niveau ist sehr hoch, das lockt viele Musiker, gerade aus dem asiatischem Raum“, erzählt das Nachwuchstalent. Beste Vorraussetzungen also auf dem eingeschlagenen Weg weiter zu gehen.

Man habe viele gute Musiker in den eigenen Reihen, sagt Schulleiter Volker Vogt, aber so ein Talent, das sei selten. Der erste Platz im Solo für Klarinette sei eine Art „Ritterschlag“, den auch die Schule würdigen will. Denn trotz allem, den Reisen und Auftritten allein und im Orchester, war der junge Mann immer bereit, auch für seine Schule zum Instrument zu greifen ohne mit der Wimper zu zucken. Lyutas Beispiel belege die enorme Leistungsbereitschaft der Humboldt-Schüler, trotz der Pandemiephase und man wolle ihm herzlich für seine erbrachte Leistung gratulieren, sagt Vogt.

Aber erst einmal muss das Abi noch durchgestanden werden. Die Chemie-Prüfung könnte knifflig werden, erzählt Lyuta am Rande. Dafür dürfte er dem mündlichen Teil gelassen entgegen sehen denn da wird es um Musik gehen. In Anbetracht seiner sonstigen Leistungen darf man wohl davon ausgehen, das der junge Musiker auch diese Hürde meistern wird und man vielleicht auch danach noch von dem Nordhäuser Nachwuchsmusiker hören wird.
Angelo Glashagel
Autor: red

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