Inzidenz:
Das Problem mit den Meldungen
Dienstag, 25. Mai 2021, 17:03 Uhr
Seit mehr als einem Jahr hat die Corona-Pandemie uns alle fest im Griff. Dabei haben die politisch Verantwortlichen vor allem eine Zahl für uns zu bieten - die der Inzidenz. Doch spielt ab und zu etwas verrückt...
Mal abgesehen davon, dass es schwer verständlich ist, sich unter der Zahl der Infizierten pro 100.000 Einwohner in den zurückliegenden sieben Tagen wirklich was vorzustellen, kann mit dieser Zahl natürlich gespielt werden. Vor allem von den Politikern.
Und vor allem mit unser aller Angst. Denn je nach - vermutlich Lust, Laune, Belieben und/oder politischer Absichten - werden aus der Inzidenz irgendwelche Grenzwerte abgeleitet. In den zurückliegenden Wochen waren das 165, 150, 100, 50, 35, 0. Je höher, desto dramatischer die Situation und vermutlich müssten bei 500 oder 600 schon alle Menschen tot sein. Doch komisch: selbst dort in Thüringen, wo der einstige Verfassungsschutzchef für die CDU in den Bundestagswahlkampf zieht, dort gibt es noch Leben.
Welche Kapriolen das Hantieren mit der Zahl der Zahlen für den aufmerksamen Betrachter bereit hält, soll an einem aktuellen Beispiel gezeigt werden. Über eine Internetseite namens Covid 19 - Landkreis Nordhausen -Analytisches Monitoring wurde am zurückliegenden Freitag eine Inzidenz von 153,5 gemeldet, weil 24 Neuinfektionen gemeldet wurden. Einen Tag später - am Samstag - sank die Zahl der Zahl auf 127,1. Und das, obwohl es 60 neu übermittelte Fälle gab.
Wie kam das zustande? Das war die Frage, die der nnz viele Leser stellten. Seitens des Landkreises Nordhausen gab es dazu heute folgende Erklärung: "Bei den 60 Fällen handelt es sich um Schnelltests, die in der Statistik des RKI nicht vollständig erfasst worden sind. Da die Infektionen zeitlich verteilt bis Februar zurückreichen, haben sich die Fälle nicht in der aktuellen Inzidenz niedergeschlagen. Die Fälle wurden vom Landkreis im System gemeldet, aber offenbar in der Landesmeldung ans RKI nicht berücksichtigt." Wobei hier eingeschoben werden muss, dass der Landkreis nicht direkt an das RKI meldet, sondern an das Gesundheitsministerium in Erfurt.
Dennoch: So einfach kann es zugehen, wenn abstrakte Zahlen im Spiel sind, mit denen aber Öffnungen oder Schließungen des Einzelhandels verbunden sind. Mit denen über einigermaßen normalen oder chaotischen Schulbetrieb entschieden werden muss. Mit denen bestimmt wird, ob wir im Freien ein Radler trinken dürfen oder nicht. Ob Kinder schwimmen lernen können oder nicht.
Der Redaktion sind mehrere Fälle bekannt, bei denen eine infizierte Person mit leichtem Verlauf mehrfach zum Test ging. Sie wollte einfach wissen, wann sie das Virus überstanden hat. Es gab mindestens fünf positive Tests. Die Person war sich nicht sicher, ob sie während der zwei Wochen als eine Infektion "gezählt" wurde oder für insgesamt fünf Neuinfektionen herhalten durfte.
"Trau' keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast", lautet eine uralte Weisheit. In diesen Tagen, Wochen und Monaten scheint sie sich mehr als zu bewahrheiten. Wenn alles nicht so bitter wäre, man könnte darüber zumindest schmunzeln. Dann bitte aber mit Mund-Nasen-Schutz...
Peter-Stefan Greiner
Autor: psgMal abgesehen davon, dass es schwer verständlich ist, sich unter der Zahl der Infizierten pro 100.000 Einwohner in den zurückliegenden sieben Tagen wirklich was vorzustellen, kann mit dieser Zahl natürlich gespielt werden. Vor allem von den Politikern.
Und vor allem mit unser aller Angst. Denn je nach - vermutlich Lust, Laune, Belieben und/oder politischer Absichten - werden aus der Inzidenz irgendwelche Grenzwerte abgeleitet. In den zurückliegenden Wochen waren das 165, 150, 100, 50, 35, 0. Je höher, desto dramatischer die Situation und vermutlich müssten bei 500 oder 600 schon alle Menschen tot sein. Doch komisch: selbst dort in Thüringen, wo der einstige Verfassungsschutzchef für die CDU in den Bundestagswahlkampf zieht, dort gibt es noch Leben.
Welche Kapriolen das Hantieren mit der Zahl der Zahlen für den aufmerksamen Betrachter bereit hält, soll an einem aktuellen Beispiel gezeigt werden. Über eine Internetseite namens Covid 19 - Landkreis Nordhausen -Analytisches Monitoring wurde am zurückliegenden Freitag eine Inzidenz von 153,5 gemeldet, weil 24 Neuinfektionen gemeldet wurden. Einen Tag später - am Samstag - sank die Zahl der Zahl auf 127,1. Und das, obwohl es 60 neu übermittelte Fälle gab.
Wie kam das zustande? Das war die Frage, die der nnz viele Leser stellten. Seitens des Landkreises Nordhausen gab es dazu heute folgende Erklärung: "Bei den 60 Fällen handelt es sich um Schnelltests, die in der Statistik des RKI nicht vollständig erfasst worden sind. Da die Infektionen zeitlich verteilt bis Februar zurückreichen, haben sich die Fälle nicht in der aktuellen Inzidenz niedergeschlagen. Die Fälle wurden vom Landkreis im System gemeldet, aber offenbar in der Landesmeldung ans RKI nicht berücksichtigt." Wobei hier eingeschoben werden muss, dass der Landkreis nicht direkt an das RKI meldet, sondern an das Gesundheitsministerium in Erfurt.
Dennoch: So einfach kann es zugehen, wenn abstrakte Zahlen im Spiel sind, mit denen aber Öffnungen oder Schließungen des Einzelhandels verbunden sind. Mit denen über einigermaßen normalen oder chaotischen Schulbetrieb entschieden werden muss. Mit denen bestimmt wird, ob wir im Freien ein Radler trinken dürfen oder nicht. Ob Kinder schwimmen lernen können oder nicht.
Der Redaktion sind mehrere Fälle bekannt, bei denen eine infizierte Person mit leichtem Verlauf mehrfach zum Test ging. Sie wollte einfach wissen, wann sie das Virus überstanden hat. Es gab mindestens fünf positive Tests. Die Person war sich nicht sicher, ob sie während der zwei Wochen als eine Infektion "gezählt" wurde oder für insgesamt fünf Neuinfektionen herhalten durfte.
"Trau' keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast", lautet eine uralte Weisheit. In diesen Tagen, Wochen und Monaten scheint sie sich mehr als zu bewahrheiten. Wenn alles nicht so bitter wäre, man könnte darüber zumindest schmunzeln. Dann bitte aber mit Mund-Nasen-Schutz...
Peter-Stefan Greiner
