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nnz-On Tour: Alpen Spezial (7)

Sonntag, 04. September 2005, 18:10 Uhr
Nordhausen/Italien (nnz). Die sechste und letzte Etappe unserer Alpenüberquerung begann wie fast alle Etappen gegen 9.00 Uhr. Ziel war Trento. Doch es sollte eine der größten Herausforderungen der Tour werden und uns an unsere Grenzen bringen.


Unsere Befürchtungen bezüglich nasser, schlammiger Wege, aufgrund des gestrigen Gewitters, erwiesen sich zu Beginn größtenteils als unbegründet. Bis zur Malga Sadole auf 1.600 m Höhe war auch alles noch recht angenehm. Doch dann nahm das Schicksal seinen Lauf. Nach wenigen Kilometern war an fahren nicht mehr zu denken. So verbrachten wir die nächsten 300 Höhenmeter mit schieben.

nnz-On Tour: Alpen Spezial (7) (Foto: nnz) nnz-On Tour: Alpen Spezial (7) (Foto: nnz) Und als ob wir es geahnt hätten, konnten wir die andere Seite des Passes auch nicht befahren. Also noch mal 300 Höhenmeter schieben, nur diesmal bergab auf 1.544 m. In diesem Zusammenhang gehen einem langsam die Steigerungsformen von eng, steil und steinig aus. Vor der nächsten Auffahrt gab es, wenn auch viel zu spät, 13.30 Uhr Mittagessen.

Scheinbar endlos aber endlich fahrbar schlängelte sich ein Schotterweg zum Passo Cinque Croci in 2.066 m. Punkt 16.20 Uhr überquerten wir die letzte Bergkuppe unserer Tour. Im Tourplan stand nun etwas von „ausrollen“ nach Trento. Es fehlten aber noch über 60 km und auf denen ging nicht alles, aber vieles schief.

Zuerst einmal war die Straße nass und wir wurden es auch (ein Mountainbike hat keine Schutzbleche). So erhielt das gestern diskutierte Bremsverhalten bei trockenen Abfahrten eine ganz neue Dimension. Irgendwann, hatten wir den Regen, der die Straße nass gemacht hatte, eingeholt und das Wasser kam jetzt für 20 Minuten auch von oben. Damit nicht genug. 25 km vor Trento konnte Karsten plötzlich sein linkes Bein nicht mehr bewegen, vermutlich etwas mit der Sehne. René hatte wieder Schmerzen im Knie, und es war schon 19.00 Uhr. Das Chaos war perfekt. Jetzt war guter Rat teuer.
Eine golden Regel besagt: Trenne niemals die Gruppe! Trotz besseren Wissens taten wir es, was ein Fehler war.



René sollte trotz seiner Beschwerden vorfahren und im Hotel Bescheid sagen, dass wir später kommen. Karsten hielt sich die nächsten 20 km abwechselnd am Rucksack von Mike bzw. Volker fest. Zum Glück lagen die schlimmen Steigungen bereits hinter uns und es ging in weiten Teilen nur gerade oder bergab.
Langsam wurde es dunkel und alle Wegweiser nach Trento führten uns immer wieder auf die für Fahrräder gesperrte Schnellstraße. Die Situation spitzte sich zu. Bis auf ein Katzenauge an Volkers Fahrrad und die Helmlampe von Mike hatten wir kein Licht dabei – viel zu schwer für die Berge. Viel Angst fuhr nun mit und wir hatten Mühe, uns zu orientieren. Hinter uns im Tal zuckten die Blitze eines aufziehenden Gewitters und es wurde immer dunkler.

Volker und Karsten, der Dank einsetzender Wirkung des Aspirins wieder selbst fahren konnte, fuhren auf den letzten Kilometer so gut es ging dicht hinter Mike, im Schatten der Helmlampe.

Etwa gegen 21.10 Uhr erreichten wir dankbar das Hotel in Trento. Aber wo war René? Der hatte sich 7 km vor Trento so hoffnungslos verfahren, dass er erst eine Stunde nach uns ankam, genau 5 Minuten vor dem Gewitter. Insgesamt kein Tourende, wie wir es uns vorgestellt hatten.

Ein kleines Bier gab es dann gegen 23.00 Uhr aber doch noch.


Daten des Tages

Distanz: 98 km (118 km René)

Höchster Punkt: 2.066 m

Höhe
nach oben: 2.115 m (2.420 m René)
nach unten: 2.903 m

Steigung
durchschnittliche: 9%
maximal: 25%

Gefälle
durchschnittliche: 11%
maximal: 35%
Autor: nnz

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