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Landkreis Nordhausen bereitet das Modellprojekt vor

Kommt nach Ostern die Öffnung?

Dienstag, 30. März 2021, 17:00 Uhr
Wenn die Thüringer Regierung am 1. April grünes Licht gibt, können im Landkreis Nordhausen ab kommendem Dienstag die Einzelhändler und Fitness
-Center unter Auflagen wieder öffnen. Damit es kein Aprilscherz wird, bereitet sich die Kreisverwaltung intensiv vor

Daniel Kunze, Matthias Jendricke und Gunnar Reuter auf der Pressekonferenz im Landratsamt (Foto: oas) Daniel Kunze, Matthias Jendricke und Gunnar Reuter auf der Pressekonferenz im Landratsamt (Foto: oas)

Nachdem die Stadt Weimar seit gestern als Modellregion eingestuft wurde, will der Kreis Nordhausen mit seinem ambitionierten Landrat gleich nach Ostern nachziehen. Mehrere seiner lautstarken Auftritte in der Öffentlichkeit rückten den Landkreis mit den dauerhaft besten Inzidenzzahlen des Freistaates in den Fokus der Politik. Noch am Freitag hatte Matthias Jendricke mit dem Thüringer Ministerpräsidenten telefoniert, der angesichts der schlechten Zahlen für sein Bundesland Bedenken äußerte, aber letztlich den Vorstoß des Nordhäuser Verwaltungschefs absegnete. „Nach dem Interview mit Frau Merkel am Sonntagabend hatte ich dann Bedenken“, sagte Landrat Jendricke heute in der Pressekonferenz, „aber nach einem weiteren Telefonat mit Bodo Ramelow stand der Entschluss fest, einen Antrag beim Freistaat Thüringen einzureichen.“

Hauptknackpunkt für die Durchsetzung der „Modellregion“, die der Landrat realistisch als „noch nicht der große Wurf“ bezeichnet, sind die Testkapazitäten.

Hier sei der Landkreis weit fortgeschritten, betonte Jendricke, aber die Umsetzung bleibe eine Riesenherausforderung. Letzte Woche ließen sich im Testzentrum in der Zorgestraße 700 Personen testen; der von den Johannitern bestückte mobile Testbus im Landkreis verzeichnete 500 Tests. Ganze sieben davon fielen positiv aus. Außerdem würde zusätzlich weiter in Heimen und Pflegeeinrichtungen getestet. Die Positivquote der Tests lag letzte Woche bei 0,57 Prozent.

Die Infektionen entstünden nach den Erfahrungen des Nordhäuser Gesusndheitsamtes nicht in den Schulen, sondern eher auf Arbeit im Kollegenkreis. Und oftmals stammten die Infektionsherde auch aus anderen Landkreisen. Um das Modellregion-Projekt absolvieren zu können muss die ganze zeit über weiter konstant eine Inzidenz von unter 100 gewährleistet sein.

Zur Verstärkung brachte sich der Landrat seinen Katastrophenschutz-Chef Daniel Kunze mit, der den Pressevertretern die Kontaktverfolgung-App Luca vorstellte, die ab sofort heruntergeladen und in Nordhausen eingesetzt werden kann.

Im Rahmen des Modellvorhabens schlägt der Landkreis Nordhausen nun folgendes vor:
  • Öffnung des bislang geschlossenen bzw. nur teilweise geöffneten Einzelhandelsgeschäften, Museen, Galerien und Gedenkstätten im Landkreis Nordhausen für den zulässigen Erprobungszeitraum von 5 Tagen vom 6. bis 10. April 2021
  • Öffnung der Fitnessstudios im Landkreis Nordhausen für den zulässigen Erprobungszeitraum von 14 Tagen vom 6. bis 19. April 2021
Der Zutritt zu den im Modellvorhaben neu geöffneten Läden, Einrichtungen und Fitnessstudios ist nur möglich mit:
  • einem maximal 24 Stunden alten negativen Antigen-Schnelltest oder einem maximal 48 Stunden alten negativen PCR-Test
  • Kinder sind bis zum vollendeten 14. Lebensjahr von der verpflichtenden Vorlage eines Testergebnisses ausgenommen
  • digitale Registrierung in den jeweiligen Einrichtungen zur Absicherung einer möglichen Konktaktnachverfolgung (z.B. Luca-App, bestehende Registrierungssysteme), hilfsweise kann dies auch manuell erfolgen (Kontaktlisten)
  • es gelten weiterhin die allgemeinen Hygiene- und Abstandsregeln sowie die Pflicht zum Tragen einer medizinischen Gesichtsmaske oder FFP2-Maske
Geschäfte und weitere Einrichtungen, die sich am Vorhaben der Modellregion beteiligen möchten, können sich kostenfrei bei der Luca-App registrieren. Für die Kunden und Gäste ist die Nutzung der sowohl für Android als auch für Apple bereitstehenden Luca-App kostenfrei möglich.
Hilfsweise ist auch eine analoge Erfassung auf einem Papierbogen möglich. Betreiber bzw. Inhaber müssen zudem über ein Hygienekonzept entsprechend den Festlegungen des Landes Thüringen sowie der Fach- und Berufsverbände etc. verfügen. Dies kann aus früheren Öffnungsphasen bereits vorliegen bzw. fortgeschrieben werden.

Schnelltest-Einrichtungen:
Zur Vorbereitung der Modellregion baut der Landkreis Nordhausen aktuell gemeinsam mit den Hilfsorganisationen ein Netz von Teststellen im gesamten Landkreisgebiet auf, die kostenfreie Schnelltests mit und ohne vorherige Terminvereinbarung anbieten. Teststellen sind in der Kreisstadt in der Zorgestraße, im Harzquerbahnhof, in der ehemaligen Bäckerei der Kreissparkasse am Kornmarkt und im Autodrom auf der Darre für Autofahrer installiert.

Auch in Sollstedt, Heringen, Bleicherode, Wolkramshausen, Ilfeld und Ellrich sollen stationäre Teststellen vom DRK oder den Johanniter eingerichtet werden. Begleitend fährt das Testmobil durch die kleineren Ortschaften des Landkreises.

Die so installierten Standorte möchte die Verwaltung nach der Modellzeit gern alle beibehalten, weil man in der Grimmelallee hofft, dass sich an die Modellwoche (immer weiterhin niedrige Inzidenzwerte vorausgesetzt) gleich ab 12. April das so genannte click&meet anschließen kann, bei dem die Kunden im Vorfeld einen Termin im jeweiligen Geschäft vereinbaren.

Ostern sieht Matthias Jendricke noch einmal als eine ähnlich gefährliche Drohkulisse an wie es Weihnachten war, weil es zu vielen Familienbegegnungen kommen wird. Da sei es gut, viele Testmöglichkeiten parat zu haben. Außer im Testzentrum in der Zorgestraße müssen keine Termine vorab vereinbart werden, allerdings kann man hier inzwischen auch online und über einen längeren Zeitraum Vereinbarungen treffen.

Die Fach- und Hausärzte sind inzwischen ebenfalls mit Testskits versorgt und beteiligen sich mit der fachgerechten Testung ihre Patienten. Im Handel erhältliche Selbsttests werden dagegen nicht als Zertifizierung für Termine zugelassen. Die Apotheken bieten den Test-Service weiterhin nicht an.

Bewohner anderer Kreise werden an den Teststationen nicht abgewiesen, wenn sie sich einem Test unterziehen wollen. Schließlich sei der Nordhäuser Verwaltung auch daran gelegen, dass sich das Infektionsgeschehen in den Nachbarkreisen beruhigt und kontrolliert werden kann.

Wie die Bestimmungen für die Modellregion im Einzelnen aussehen werden und welche Einrichtungen implementiert werden, entscheidet sich erst mit der Inkraftsetzung der neuen Landesverordnung, die am Donnerstag die bisher gültige ersetzt. Ziel des Modellprojektes sei es laut Jendricke auch, die technischen Applikationen ins Laufen zu bekommen, um dauerhaft wieder mehr Normalität ins Alltagsleben zu bringen.

Die Nordhäuser Händler, deren Vertreter heute ebenfalls in den Plenarsaal des Landratsamts kamen, sind sehr froh, dass sich ihnen wieder eine Perspektive bietet. Auch wenn die Kurzfristigkeit der Erlaubnis bei dem einen oder anderen noch zu Problemen mit der Warenbestellung führen könnte, blicken sie optimistisch in die Zukunft, hoffen auf das „click&meet“-Prinzip und eine verlässliche Kontaktverfolgung-App.

Abschließend lobte der Landrat sein Gesundheitsamt, wo mit der täglichen Auswertung am Abend schon viele Kontakte Infizierter vermieden werden können. „Wer soll sich denn in Thüringen als Modellregion eignen, wenn nicht unser Landkreis?“ fragte er selbstbewusst in die Runde.

Nicht verstehen könne er aber, dass ihn die Landtagsabgeordnete aus Nordhausen, Katja Mitteldorf (DIE LINKE), nicht bei seiner Initiative unterstütze und ganz im Gegenteil den Modellregion-Versuch ablehnt.

Wir werden Ihnen hier in der nnz alle genauen Bestimmungen und Testorte bekannt geben, sobald das Projekt (hoffentlich am Donnerstag!) bestätigt ist. Bis dahin empfehlen wir aber schon einmal einen Blick auf die Webseite des Landkreises (landratsamt-nordhausen.de), wo sich schon viele mögliche Fragen beantworten lassen.
Olaf Schulze
Autor: osch

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