Der Corona-Wochenrückblick
Corona-Zahlen steigen wieder
Freitag, 12. März 2021, 15:35 Uhr
Allein gestern wurden im Landkreis Nordhausen 20 Corona-Neuinfektionen registriert und die Zahl der Quarantäne-Fälle schnellt die zweite Woche in Folge in die Höhe. Wenn es so weiter geht könnte das Thema "Modellregion" vom Tisch sein...
SARS-Coronavirus-2 (SARS-CoV-2, Isolat SARS-CoV-2/Italy-INMI1). Elektronenmikroskopie, Negativkontrastierung (PTA). Maßstab: 100 nm (Foto: Robert-Koch-Institut)
Im Landkreis wurden gestern 20 Neuinfektionen registriert. Damit steigen die Fallzahlen auf 63 in den vergangenen sieben Tagen und auf 129 "aktive Fälle" (Vorwoche: 101) für die letzten 14 Tage. Insgesamt 29 Einwohner der Kreises werden derzeit stationär behandelt, acht davon intensivmedizinisch. Der 7-Tage-Inzidenzwert liegt aktuell bei 75,5
Mit weiteren bestätigen Infektionen an Schulen und Kindergärten steigt die Zahl der in Quarantäne befindlichen Personen auf 769 (Stand Sonderlagebericht vom 9.3.). Zum Vergleich: in der Vorwoche befanden sich 419 Personen in Quarantäne, vor zwei Wochen lag man bei 265 Personen.
In der Übersicht des Bildungsministeriums sind unter den betroffenen Einrichtungen weiterhin die Grundschule Käthe-Kollwitz, die Berufsschule und die Kindergärten Domschlösschen und "Kleine Spürnasen" in Nordhausen sowie die Kita "Zwergenland" in Uthleben gelistet. Neu hinzugekommen sind der Kindergarten "Brummkreisel" sowie der ökumenische Kindergarten in Nordhausen, die Grundschule Albert-Kuntz und die Regelschule Am Förstemannweg. Informationen des Landratsamtes zur Folge wurden Infektionen zudem in zwei Unternehmen und dem Südharz-Klinikum registriert.
Das Vorhaben "Modellregion", dass bei niedriegen Inzidenzwerten weitere Öffnungen möglich machen sollte, könnte damit auf der Kippe stehen. In der kommenden Woche soll es weitere Gespräche im Gesundheitsministerium geben, war aus dem Landratsamt zu erfahren.
Neben den Städten Erfurt und Weimar hatte auch der Landkreis Nordhausen darum geworben, den Einzelhandel und andere Bereiche teilweise demnächst wieder öffnen zu dürfen. Vorraussetzung dafür wären Inzidenzwerte, die stabil unter 100 liegen sowie die Möglichkeit Kontakte elektronisch zu erfassen und der Nachweis von negativen Schnelltests für Kunden, hatte das Gesundheitsministerium jüngst verlauten lassen.
Die nötige Infrastruktur um im Vorfeld Schnelltests anbieten zu können baue man derzeit am Autodrom auf, erklärt Landrat Matthias Jendricke. Das dortige "Testzelt" soll auch mit dem Auto angefahren werden können und wird in Absprache mit dem Katastrophenschutz von im Kreis ansässigen Hilfsorganisationen personell bestückt werden. Wer hier eine negativen Test erhalte, könne dann zum Beispiel auch in den Baumarkt fahren, so denn die Öffnungen genehmigt werden.
Kritisch sieht der Landrat die Forderung nach elektronischer Nachverfolgung. Schon rechtlich sei die Durchsetzung schwierig, da ein solches Verfahren auch im Lebensmittelhandel bisher keinen Einsatz fand und die Justiz, wie zuletzt im Saarland, die Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen hoch halten würde. Gegen die Forderung sprächen auch praktische Überlegungen. So könnten die Gesundheitsämter die gewonnen Daten aus der "Luca-App" nicht wirklich gebrauchen, da die zu erwartenden Kontaktsituationen, wie sie das RKI vorgibt (also etwa 15 Minuten Kontakt in begrenzten Räumlichkeiten), nicht die Handhabe geben würden, um Personen in Quarantäne zu setzen. Zudem müsste der Handel die nötige Infrastruktur vorhalten und am Eingang kontrollieren, ob die Kunden sich auch an die angedachten Regeln halten.
"Ich bin ja gerne dabei, wenn es um sinnvolle Maßnahmen geht, aber das muss man jetzt mal dagegen halten", sagte Jendricke der nnz, es könne nicht sein, dass man nur unter wissenschaftlicher Begleitung zurück in ein normales Leben findet. Kritisch bleibt freilich die Entwicklung der Zahlen, die zuletzt wieder deutlich nach oben ausschlugen. Man könne derzeit nicht definitv sagen, das die Infektionszahlen wieder explodieren werden, meint der Landrat, die Entwicklung bleibe variabel und eine Vorhersage gleiche einem Blick in die Glaskugel. Kleinere Cluster habe man zuletzt im Arbeitsumfeld registriert und verfolgt, die von außen in den Kreis eingetragen worden seien. Man sehe zudem, dass die Gesundheitssysteme deutschlandweit nicht überfordert seien und es mit den anziehendem Impfgeschehen eine Perspektive für die Hochrisikogruppen gebe.
Ob man das in Erfurt auch so sieht, wird sich spätestens am Montag zeigen, wenn man das Gespräch mit der Gesundheitsministerin suchen will. Wird dem Ansinnen des Landrates stattgegeben, könnte erste Öffnungen am Samstag kommender Woche oder in der darauffolgenden Woche folgen, so Jendrickes Hoffnung.
Angelo Glashagel
Autor: red
SARS-Coronavirus-2 (SARS-CoV-2, Isolat SARS-CoV-2/Italy-INMI1). Elektronenmikroskopie, Negativkontrastierung (PTA). Maßstab: 100 nm (Foto: Robert-Koch-Institut)
Im Landkreis wurden gestern 20 Neuinfektionen registriert. Damit steigen die Fallzahlen auf 63 in den vergangenen sieben Tagen und auf 129 "aktive Fälle" (Vorwoche: 101) für die letzten 14 Tage. Insgesamt 29 Einwohner der Kreises werden derzeit stationär behandelt, acht davon intensivmedizinisch. Der 7-Tage-Inzidenzwert liegt aktuell bei 75,5
Mit weiteren bestätigen Infektionen an Schulen und Kindergärten steigt die Zahl der in Quarantäne befindlichen Personen auf 769 (Stand Sonderlagebericht vom 9.3.). Zum Vergleich: in der Vorwoche befanden sich 419 Personen in Quarantäne, vor zwei Wochen lag man bei 265 Personen.
In der Übersicht des Bildungsministeriums sind unter den betroffenen Einrichtungen weiterhin die Grundschule Käthe-Kollwitz, die Berufsschule und die Kindergärten Domschlösschen und "Kleine Spürnasen" in Nordhausen sowie die Kita "Zwergenland" in Uthleben gelistet. Neu hinzugekommen sind der Kindergarten "Brummkreisel" sowie der ökumenische Kindergarten in Nordhausen, die Grundschule Albert-Kuntz und die Regelschule Am Förstemannweg. Informationen des Landratsamtes zur Folge wurden Infektionen zudem in zwei Unternehmen und dem Südharz-Klinikum registriert.
Das Vorhaben "Modellregion", dass bei niedriegen Inzidenzwerten weitere Öffnungen möglich machen sollte, könnte damit auf der Kippe stehen. In der kommenden Woche soll es weitere Gespräche im Gesundheitsministerium geben, war aus dem Landratsamt zu erfahren.
Neben den Städten Erfurt und Weimar hatte auch der Landkreis Nordhausen darum geworben, den Einzelhandel und andere Bereiche teilweise demnächst wieder öffnen zu dürfen. Vorraussetzung dafür wären Inzidenzwerte, die stabil unter 100 liegen sowie die Möglichkeit Kontakte elektronisch zu erfassen und der Nachweis von negativen Schnelltests für Kunden, hatte das Gesundheitsministerium jüngst verlauten lassen.
Die nötige Infrastruktur um im Vorfeld Schnelltests anbieten zu können baue man derzeit am Autodrom auf, erklärt Landrat Matthias Jendricke. Das dortige "Testzelt" soll auch mit dem Auto angefahren werden können und wird in Absprache mit dem Katastrophenschutz von im Kreis ansässigen Hilfsorganisationen personell bestückt werden. Wer hier eine negativen Test erhalte, könne dann zum Beispiel auch in den Baumarkt fahren, so denn die Öffnungen genehmigt werden.
Kritisch sieht der Landrat die Forderung nach elektronischer Nachverfolgung. Schon rechtlich sei die Durchsetzung schwierig, da ein solches Verfahren auch im Lebensmittelhandel bisher keinen Einsatz fand und die Justiz, wie zuletzt im Saarland, die Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen hoch halten würde. Gegen die Forderung sprächen auch praktische Überlegungen. So könnten die Gesundheitsämter die gewonnen Daten aus der "Luca-App" nicht wirklich gebrauchen, da die zu erwartenden Kontaktsituationen, wie sie das RKI vorgibt (also etwa 15 Minuten Kontakt in begrenzten Räumlichkeiten), nicht die Handhabe geben würden, um Personen in Quarantäne zu setzen. Zudem müsste der Handel die nötige Infrastruktur vorhalten und am Eingang kontrollieren, ob die Kunden sich auch an die angedachten Regeln halten.
"Ich bin ja gerne dabei, wenn es um sinnvolle Maßnahmen geht, aber das muss man jetzt mal dagegen halten", sagte Jendricke der nnz, es könne nicht sein, dass man nur unter wissenschaftlicher Begleitung zurück in ein normales Leben findet. Kritisch bleibt freilich die Entwicklung der Zahlen, die zuletzt wieder deutlich nach oben ausschlugen. Man könne derzeit nicht definitv sagen, das die Infektionszahlen wieder explodieren werden, meint der Landrat, die Entwicklung bleibe variabel und eine Vorhersage gleiche einem Blick in die Glaskugel. Kleinere Cluster habe man zuletzt im Arbeitsumfeld registriert und verfolgt, die von außen in den Kreis eingetragen worden seien. Man sehe zudem, dass die Gesundheitssysteme deutschlandweit nicht überfordert seien und es mit den anziehendem Impfgeschehen eine Perspektive für die Hochrisikogruppen gebe.
Ob man das in Erfurt auch so sieht, wird sich spätestens am Montag zeigen, wenn man das Gespräch mit der Gesundheitsministerin suchen will. Wird dem Ansinnen des Landrates stattgegeben, könnte erste Öffnungen am Samstag kommender Woche oder in der darauffolgenden Woche folgen, so Jendrickes Hoffnung.
Angelo Glashagel
