Der Ton- und Lichtverleiher Steffen Henke gibt nicht auf
Wir kämpfen weiter!
Samstag, 13. März 2021, 07:30 Uhr
In der Rubrik Menschen in Cororna-Zeiten stellen wir Ihnen heute das Schicksal eines Fachmannes vor, der vom Verleih seiner Technik lebte und am Samstag mit einer deutlich sichtbaren Aktion einen traurigen Jahrestag begeht …
Am Samstag sind wir genau ein Jahr mit Berufsverbot belegt, sagt Steffen Henke und erinnert sich noch an die letzte Veranstaltung am 13. März vergangenen Jahres, als fröhlich und ausgelassen getanzt und gefeiert wurde und er zum letzten Mal für die Bereitstellung und Bedienung seiner Technik bezahlt wurde. Seitdem ist der gestandene Veranstaltungstechniker im besten Alter praktisch zum Nichtstun verurteilt. In seinem Lager warten Geräte, Anlagen und Materialien im Wert von einer halben Million Euro auf ihren nächsten Einsatz. Dabei waren die Auftragsbücher für 2020 prall gefüllt, das Geschäft brummte wie kaum zuvor in den vielen Jahren von Henkes Berufslebens und die Firma hatte noch einmal kräftig investiert.
Im Frühjahr 2020 erhielt er eine einmalige Überbrückungshilfe von 9 000 Euro vom Bund, seitdem kam von staatlicher Seite keine finanzielle Unterstützung mehr. Wir haben nach einer effektiven Alternative zu unserer Arbeit gesucht, erzählt er der nnz, aber das stellte sich als extrem schwierig heraus. Als Subunternehmer bei Installationen von neuen System- oder Tonanlage verdiene er nicht die Butter aufs Brot. Damit würden kaum die Betriebskosten abgedeckt, geschweige denn ist ein Gewinn zu erzielen. Unterstützung erhielt er von den Nordhäuser Stadtwerken, für die er mit seinem LKW gelbe Tonnen ausfahren durfte. Aber auch das waren keine längerfristige Verpflichtungen. Letztlich hat er die Firma MST, die er eigentlich im letzten Jahr vom Besitzer übernehmen wollte und bei der er momentan angestellt ist, mit kleinen Jobs am Leben erhalten: Kurierdienste, Dienstleistungen aller Art, Umzüge fahren und ähnliches.
Immer wieder machten Veranstalter und Künstler in der Corona-Krise auf sich aufmerksam (Foto: S.Henke)
Das Dilemma steckt auch in der Tatsache, dass Henke über das ganze Jahr versuchte die Firma mit diesen Aktionen zu retten und deshalb nur wenig aus der Novemberhilfe, Dezemberhilfe - und wie all die anderen versprochenen Hilfen noch heißen mögen - beziehen würde, weil er ja Einnahmen hatte.
Jetzt ist das früher einmal Angesparte aber verbraucht, konstatiert er und fragt sich, wie es nun weitergehen soll. Auch seine Lebensgefährtin, die regional bekannte Entertainerin Susi Platte, kann ihm nicht helfen, ganz im Gegenteil verdient sie in partylosen Zeiten ebenfalls nichts. Selbst um seine vormals besten Arbeitgeber wie Hotels und Festivalveranstalter muss sich Steffen Henke inzwischen Sorgen machen. Er glaubt auch nicht, dass alle seine einstigen Kunden ohne weitere, massive Hilfen die Corona-Zeit geschäftlich überleben werden.
Um nicht nur auf seine, sondern auch die Situation vieler soloselbständiger Künstler, Veranstalter, Gastronomen, technischer Zuarbeiter und Helfer wie auch die der Beschäftigten in der Tourismus- und Veranstaltungsbranche aufmerksam zu machen, plant er für den ersten Jahrestag eine besondere Aktion. Wenn das Tageslicht sich Richtung Westen zurückzieht, illuminiert Steffen Henke sein Wohnhaus und sein Lager mit seinen Scheinwerfern. Er wird beide Gebäude in ein weithin leuchtendes Rot tauchen.
Wer also am Samstagabend von Nordhausen auf der B80 in Richtung Werther die Stadt verlässt, der wird schon von weitem auf der rechten Straßenseite dieses rote Licht strahlen sehen. Es ist ein Fanal in der grellsten Alarmfarbe und ein optischer Hilferuf für eine von der Politik fast vergessene Branche.
Doch Aufgeben ist für Steffen Henke keine Option und Trübsal blasen ebenso wenig. Gemeinsam mit Susi Platte gestaltet er, der früher als DJ Steve unterwegs war, jeden Samstagabend um 20 Uhr eine eigene Radioshow im Internet auf Radio FunSunday. Die soll die Zuhörer nicht nur unterhalten, sondern ihnen auch Mut machen, in dieser schweren Zeit nicht den Humor und die Lebensfreude zu verlieren.
Olaf Schulze
Autor: oschAm Samstag sind wir genau ein Jahr mit Berufsverbot belegt, sagt Steffen Henke und erinnert sich noch an die letzte Veranstaltung am 13. März vergangenen Jahres, als fröhlich und ausgelassen getanzt und gefeiert wurde und er zum letzten Mal für die Bereitstellung und Bedienung seiner Technik bezahlt wurde. Seitdem ist der gestandene Veranstaltungstechniker im besten Alter praktisch zum Nichtstun verurteilt. In seinem Lager warten Geräte, Anlagen und Materialien im Wert von einer halben Million Euro auf ihren nächsten Einsatz. Dabei waren die Auftragsbücher für 2020 prall gefüllt, das Geschäft brummte wie kaum zuvor in den vielen Jahren von Henkes Berufslebens und die Firma hatte noch einmal kräftig investiert.
Im Frühjahr 2020 erhielt er eine einmalige Überbrückungshilfe von 9 000 Euro vom Bund, seitdem kam von staatlicher Seite keine finanzielle Unterstützung mehr. Wir haben nach einer effektiven Alternative zu unserer Arbeit gesucht, erzählt er der nnz, aber das stellte sich als extrem schwierig heraus. Als Subunternehmer bei Installationen von neuen System- oder Tonanlage verdiene er nicht die Butter aufs Brot. Damit würden kaum die Betriebskosten abgedeckt, geschweige denn ist ein Gewinn zu erzielen. Unterstützung erhielt er von den Nordhäuser Stadtwerken, für die er mit seinem LKW gelbe Tonnen ausfahren durfte. Aber auch das waren keine längerfristige Verpflichtungen. Letztlich hat er die Firma MST, die er eigentlich im letzten Jahr vom Besitzer übernehmen wollte und bei der er momentan angestellt ist, mit kleinen Jobs am Leben erhalten: Kurierdienste, Dienstleistungen aller Art, Umzüge fahren und ähnliches.
Immer wieder machten Veranstalter und Künstler in der Corona-Krise auf sich aufmerksam (Foto: S.Henke)
Das Dilemma steckt auch in der Tatsache, dass Henke über das ganze Jahr versuchte die Firma mit diesen Aktionen zu retten und deshalb nur wenig aus der Novemberhilfe, Dezemberhilfe - und wie all die anderen versprochenen Hilfen noch heißen mögen - beziehen würde, weil er ja Einnahmen hatte.
Jetzt ist das früher einmal Angesparte aber verbraucht, konstatiert er und fragt sich, wie es nun weitergehen soll. Auch seine Lebensgefährtin, die regional bekannte Entertainerin Susi Platte, kann ihm nicht helfen, ganz im Gegenteil verdient sie in partylosen Zeiten ebenfalls nichts. Selbst um seine vormals besten Arbeitgeber wie Hotels und Festivalveranstalter muss sich Steffen Henke inzwischen Sorgen machen. Er glaubt auch nicht, dass alle seine einstigen Kunden ohne weitere, massive Hilfen die Corona-Zeit geschäftlich überleben werden.
Um nicht nur auf seine, sondern auch die Situation vieler soloselbständiger Künstler, Veranstalter, Gastronomen, technischer Zuarbeiter und Helfer wie auch die der Beschäftigten in der Tourismus- und Veranstaltungsbranche aufmerksam zu machen, plant er für den ersten Jahrestag eine besondere Aktion. Wenn das Tageslicht sich Richtung Westen zurückzieht, illuminiert Steffen Henke sein Wohnhaus und sein Lager mit seinen Scheinwerfern. Er wird beide Gebäude in ein weithin leuchtendes Rot tauchen.
Wer also am Samstagabend von Nordhausen auf der B80 in Richtung Werther die Stadt verlässt, der wird schon von weitem auf der rechten Straßenseite dieses rote Licht strahlen sehen. Es ist ein Fanal in der grellsten Alarmfarbe und ein optischer Hilferuf für eine von der Politik fast vergessene Branche.
Doch Aufgeben ist für Steffen Henke keine Option und Trübsal blasen ebenso wenig. Gemeinsam mit Susi Platte gestaltet er, der früher als DJ Steve unterwegs war, jeden Samstagabend um 20 Uhr eine eigene Radioshow im Internet auf Radio FunSunday. Die soll die Zuhörer nicht nur unterhalten, sondern ihnen auch Mut machen, in dieser schweren Zeit nicht den Humor und die Lebensfreude zu verlieren.
Olaf Schulze


