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Samstag, 27. August 2005, 19:49 Uhr
Nordhausen (nnz). „Ich werde Feuerwehrmann“, das steht für viele kleine Jungs schon fest. Den anstrengenden und strengen Einstellungstest kennen sie da noch nicht. Wie sich zukünftige Feuerwehrleute heute abschinden mußten, sehen und lesen Sie hier.

Siebzig junge Männer wollten ihren Traum von der Arbeit als Feuerwehrmann verwirklichen und bewarben sich bei der Stadt Nordhausen. 24 von ihnen bekamen immerhin die Chance zum Eignungstest. Der fand heute statt und hatte es wirklich in sich.

Los ging’s um 8.00 Uhr mit einem theoretischen Teil bei der Freiwilligen Feuerwehr Nordhausen Mitte. Neben Kenntnissen in Mathe, Deutsch und Physik wurde auch das Allgemeinwissen geprüft. Je Thema waren 15 bis 20 Fragen zu beantworten. Dazu blieben 80 Minuten Zeit. Dann wurden die Bewerber in drei Gruppen zu je acht Mann aufgeteilt. Die erste Gruppe mußte gleich rauf auf die Drehleiter. Wer das nicht schaffte, war gleich raus. Höhentauglichkeit ist eine wichtige Voraussetzung für die Arbeit als Feuerwehrmann.

Auf dem Hof der Berufsfeuerwehr wurden die praktischen Fähigkeiten der Bewerber getestet. Aus einem Draht war eine Acht zu biegen. Nicht alle verfügten über das nötige Geschick im Umgang mit Zange, Hammer und Amboß. Beim Radwechsel an einem ausrangierten PKW ging es um Zeit. Mit Kraft konnten die Bewerber beim Heben von 60 Liter Fässern punkten.

Doch das war noch nicht alles. Ein unsportlicher Feuerwehrmann ist undenkbar, also hieß es, sich in der Turnhalle und auf dem Hohe-Kreuz-Sportplatz zu schinden. Mindestens 12 Liegestütze waren zu schaffen, ein Bewerber schaffte 80. Eine Hindernisstrecke mit Bocksprung, Rolle vorwärts und fünf Klimmzügen an der Sprossenwand mußte zweimal hintereinander bewältigt werden, und das in maximal zwei Minuten. Die Klimmzüge zwangen manchen Bewerber zum Aufgeben. Aber eine verpatzte Übung beim Sporttest sei noch nicht so kritisch, meinte Helmut Nebelung, Leiter der Berufsfeuerwehr. Zum Schluß ging es auf die Laufstrecke, erst ein 50 Meter Sprint, dann der 3000 Meter Lauf in maximal 15 Minuten. Den jungen Männern standen spätestens da die Schweißperlen auf der Stirn.

Wer von den 24 Bewerbern einen der beiden begehrten Plätze erkämpft hat, weiß die nnz auch noch nicht, aber was die beiden erwartet. Zwei Jahre dauert die Ausbildung zum Feuerwehrmann. Bewerben kann sich nur, wer mindestens Realschulabschluß hat, eine handwerkliche Ausbildung und zwei Jahre Berufstätigkeit nachweisen kann.

Erst ist ein sechsmonatiger Grundlehrgang in einer anderen Berufsfeuerwehr in Thüringen zu besuchen. Dort bekommen die jungen Leute das Basiswissen vermittelt, was Mitglieder der freiwilligen Feuerwehren meist schon haben. Die vorherige Tätigkeit bei einer freiwilligen Wehr ist aber nicht Bedingung. Rund 70 Prozent der Bewerber bringen dennoch solche Vorkenntnisse mit.

An der Thüringer Landesfeuerwehrschule in Bad Köstritz lernen sie dann alles Theoretische, zum Beispiel über Gefahrgut und Strahlenschutz. Eine Prüfung als Rettungssanitäter ist ebenfalls vorgeschrieben. Ein dreimonatiger Laufbahnlehrgang schließt sich an. Erst dann werden die Brandmeister auf Probe in der Nordhäuser Berufsfeuerwehr tätig.

Zukünftige Bewerber sollten schon jetzt anfangen zu trainieren. Am besten auch in eine freiwillige Feuerwehr eintreten, dort Grundwissen erarbeiten und die Angst vor der Drehleiter überwinden. Auf Grund der Altersstruktur der Nordhäuser Berufsfeuerwehr ist es möglich, daß auch in Zukunft junge Männer eingestellt werden. Feuerwehrfrauen gibt es in Nordhausen nicht.
Autor: wf

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