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Uwe Kramer neuer DRK Chef

Voller Einsatz in schweren Zeiten

Dienstag, 23. Februar 2021, 16:42 Uhr
Vom Rettungshubschrauber bis zur Wasserwacht, vom Kindergarten bis zum Pflegeheim - das Deutsche Rote Kreuz ist im Landkreis Nordhausen breit aufgestellt. Mit Uwe Kramer hat das DRK vor Ort im Januar einen neuen Vorsitzenden bekommen, der die Arbeit der Helfer und Retter in schwierigen Zeiten weiter stärken will...

Verstärkung für den Vorstand des DRK Kreisverbandes: Uwe Kramer und Kollegin Doreen Apel (Foto: agl) Verstärkung für den Vorstand des DRK Kreisverbandes: Uwe Kramer und Kollegin Doreen Apel (Foto: agl)

20 Jahre lang hat Uwe Kramer für die Arbeiterwohlfahrt in Erfurt Dienst getan, seit Januar ist der gebürtige Nordhäuser wieder in seiner Heimat tätig und leitet zusammen mit Vorstandskollegin Doreen Apel den Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes. Sein neues Arbeitsfeld ist kleiner, statt 100 Kollegen im Büro sind es in Nordhausen nur acht, aber auch persönlicher. 300 Hauptamtliche Mitarbeiter, 1.800 Mitglieder und gut 150 „aktive“ Ehrenamtliche zählt der Kreisverband.

Am Südharz ist man breit aufgestellt, stellt zwei Rettungsdienste am Boden und mit der Besatzung des Rettungshubschraubers „Christoph 37“ einen „in der Luft“. Hinzu kommen drei Kindergärten und drei Pflegeheime. Das ist die eine Seite, auf die Kramer mit Stolz verweisen kann. Die zweite Seite sind die ehrenamtlichen Retter und Helfer. „Wir haben viele Ehrenamtliche, die nicht nur auf dem Papier dabei sind und sich aktiv einbringen, sich stark mit dem DRK identifizieren, die nach Feierabend ihren Dienst versehen und Einsatzbereit sind. Das ist schon etwas besonderes“. Als Kramer das Ruder im Januar übernommen hat, begab sich der neue Chef erst einmal auf Rundreise, besuchte die Bergretter in Ellrich, die Wasserwacht an den Kiesteichen, den Bereitschaftszug am Holungsbügel, den Betreuungsdienst im Katastrophenschutz und die technischen Dienste. Getroffen hat er viele engagierte Menschen, die mit beiden Beinen im Leben stehen und sich in ihrer Freizeit trotzdem besonderen Herausforderungen stellen, etwa die Bürokauffrau, die lernt einen 15-Tonner samt Anhänger zu steuern um gemeinsam mit ihrem Mann Rettungskräfte und Opfer in Katastrophenlagen versorgen zu können.

Hinter derlei kleinen Anekdoten steht aber auch eine bittere Wahrheit: so engagiert die Ehrenamtler auch zu Gange sind, ihre Zahl sinkt. Der Betreuungszug, der voller Stolz festhalten kann, noch nie einen Einsatz wegen Personalmangel abgesagt zu haben, zählte früher über 30 Mitglieder. Heute halten noch elf „wackere Ehrenamtler“ die Stellung. „Die Leute kriegen das auch alles noch hin. Sie machen ihre Aus- und Fortbildungen, warten ihre Technik und rücken aus, wenn Not am Mann ist. Zuletzt waren wir bei dem Brand in Leimbach mit dabei wie auch bei dem Einsatz in der Bochumer Straße. Aber wenn mal ein paar Leute ausfallen, wird das irgendwann nicht mehr zu organisieren sein“, sagt Kramer. Eines der zwei großen Ziele, die der neue DRK-Vorstand verfolgen will, wird deswegen die Stärkung der „aktiven Dienste“ sein. „Wir müssen wieder mehr Mitstreiter finden. Gerade für jüngere Leute hat das DRK eine Menge sinnvoller Aufgaben zu bieten. Aufgaben, die es einem ermöglichen anderen Menschen zu helfen oder den Umgang mit Technik zu erlernen.“

Baustelle Nummer zwei wird der hauptamtliche Bereich sein. Langfristig geht der Blick des neuen Vorstands nach Nordhausen Nord. Für das dortige Pflegeheim des DRK muss saniert werden. Nach dem Aufbau eines Heimes im Marienweg in 2019 wird die Maßnahme das nächste Großprojekt für den Verband werden, erzählt Kramer. Erste Gespräche habe man bereits geführt, mit einer praktischen Umsetzung sei aber in diesem Jahr nicht mehr zu rechnen.

Kurzfristig muss man sich den Herausforderungen der Corona-Pandemie und der Bürokratie stellen. An Arbeit hat es den Rettungs- und Pflegediensten in den letzten Monaten nicht gemangelt. Eine Unterbrechung wie sie in anderen Branchen zu erleben war, habe es beim Roten Kreuz nicht gegeben, eher das Gegenteil, berichtet Kramer. Lediglich die Tagespflege und die wichtige Ersthelferausbildung kamen zum Stillstand. Die Tore der Kindergärten blieben zumindest für die Notbetreuung geöffnet und in den Pflegeheimen versuchte man aus einer schwierigen Situation das Beste zu machen und hygienisch sauber Besuchsmöglichkeiten einzurichten.

Für die Kindergärten muss man derzeit ein „Testkonzept“ erstellen und bis Ende der Woche dem Land vorlegen. Dass die Vorgaben dazu aus Erfurt mit knapp bemessenen Zeitrahmen daherkommen und noch die eine oder andere Unklarheit enthalten, macht die Sache nicht leichter, aber auch diese Situation werde man bewältigen, meint Kramer. Geplant ist, die eigenen „Test-Teams“, die man in der Altenpflege aufgebaut hat, nun auch in den Kindertagesstätten zum Einsatz zu bringen, wenn hier das Personal wie geplant zwei mal pro Woche getestet werden soll.
Angelo Glashagel
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