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Endlich Winter

Sonntag, 07. Februar 2021, 18:05 Uhr
Unsere Leser Manfred Kappler aus Ilfeld versteht die ganze Aufregung um die paar Schneeflocken nicht und erinnert sich an ganz andere Winter. Und er hat großen Respekt vor den Menschen, die dort draußen arbeiten müssen...

Endlich mal etwas Winter und schon geht es nicht nach den Wünschen der Menschen. Vor wenigen Wochen konnten alle nicht schnell genug in den Harz und in den Schnee kommen, Auf der B4 eine nicht abbrechende Autoschlange und heute sind kaum Fahrzeuge unterwegs. Wo sind denn nur diese vielen Schneehungrigen mit ihren SUVs? die sie eigentlich normal gar nicht brauchen.

Ich verstehe das ganze Theater wegen des bisschen Winters überhaupt nicht. Eigentlich ist es noch nicht einmal ein normaler Winter, wie wir ihn aus den 50er Jahren her kennen. Wir sind alle verwöhnt und von der Technik und unseren modernen Wohlstand abhängig und geprägt. Ich kann mich nicht erinnern, dass der Quirl (HSB) einmal nicht gefahren ist egal was für ein Wetter war. Da hat auch keiner gefragt wie der Lochführer und Heizer von Ilfeld nach Nordhausen gekommen ist. Die Straßen wurden gepflügt und dann hatte die Straße eine feste Schneedecke. Damals konnte man noch mit dem Schlitten auf der Straße fahren. Heute wollen alle nur eine stark mit Salz bestreute schwarze Straßendecke haben. Wer hat denn heute von den Autofahrern noch Schneeketten, Kies und eine Schaufel im Auto? Jeder kann nicht schnell genug vorankommen.

Zu DDR - Zeiten gab es im Oktober den Tag der Winterbereitschaft – dann kam der erste Schnee, damals oft schon Ende Oktober, aber dann bestimmt im November und dann war es sowie heute, es klappe nichts. Wir kennen das also noch aus alten Zeiten. Nur damals lag diese Aufgabe nicht nur bei den Straßenmeistereien und Verkehrsbetrieben, da mussten eben alle mit ran, wenn es notwendig war. Einer hat den anderen geholfen und jeder fegte vor seiner Tür und es lauerte kaum einer auf Hilfe von irgendwoher.

Heute sollen es die Anderen machen, wo bleibt die Eigenverantwortung gegen über unseren Mitmenschen?
An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bedanken, bei allen welche seit den Nachtstunden unterwegs sind um für uns alle die Verkehrswege frei zu halten. Diese sind auch nur Menschen und sie können nicht überall zu gleicher Zeit sein. Was ist das für ein Problem, wenn der Räumdienst nicht gleich da ist? Es ist auch möglich auf einer Schneedecke zu fahren, manchmal sogar besser als auf einer glatt geschobenen Straße. Sollte es dann glatt sein, Kofferraum auf und gestreut, wenn das jeder macht geht es gemeinsam vorwärts. Wir haben die Kies- und Splitt- Produzenten vor der Tür, warum wenden diese nicht genutzt?

Besonders für die Gehwege wäre es dringend notwendig, denn es viel zu viel Salz ausgestreut.
Dieser Winter ist keine Extremsituation, aber wir sollten uns auf weitere extreme Wetter-erscheinungen einstellen. Diese Wetterlage ist nur eine vorübergehende, denn der globale Klimawandel geht weiter. Wir sollten nicht glauben, dass wir das mit diesem normalen Winter alles überstanden und im Griff haben, dazu haben wir schon zu viel Schaden angerichtet und Natur zerstört. Ohne Grund hat der UN- Generalsekretär António Guterres die Welt aufgefordert den globalen Klima-Notstand auszurufen. Wir in den Wohlstandsländern leben über unsere Verhältnisse und verbrauchen mehr als wir dürfen.

Wir richten mehr Schaden an als Nutzen. Wir haben keinen zweiten Planeten im Keller. Mit unserer Abwendung und Naturzerstörung zerstören wir unseren Lebensraum und uns selbst. (3SAT Scobel: Die Illusion von Natur). Um noch etwas retten zu können und den Kindern dieser Welt noch eine Chance zu geben hat die weltweite Friday for Future Initiative für den 19. März zum globalen Klimastreik aufgerufen. Das gilt auch für Nordhausen mit seinem Umfeld. Wenn wir jetzt nicht handeln wann dann???

Die nächsten Pandemien und extreme Naturereignisse stehen schon in den Startlöchern. Bleiben Sie alle gesund. Mit harzlichen Grüßen
Manfred Kappler
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Autor: red

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