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Burgruine Hohnstein

Neue Wappen für ein altes Gemäuer

Sonntag, 31. Januar 2021, 11:18 Uhr
Zerlöchert und verwittert sieht es aus, das Wappen derer zu Hohnstein, welches im Gemäuer des zweiten Tores der alten Ruine eingelassen ist. Muss alt sein, mag man denken, doch man würde irren. Tatsächlich könnte es bald ein frisches Wappen für die Burg geben…

Burgruine Hohnstein (Foto: agl) Burgruine Hohnstein (Foto: agl)

Was da über dem zweiten, äußeren Tor prangt, ist eigentlich kaum noch zu erkennen, ein Wappen kann man aber wohl noch vermuten. Wer denkt das hier der Zahn der Jahrhunderte an einem alten Hoheitszeichen genagt hat, der würde aber falsch liegen. Denn der „Stein“ ist wesentlich jünger und eigentlich kein Stein.

Tatsächlich besteht das Wappen der Hohnsteiner aus Bauschaum und wurde 1994 von Martin Kopetzki an dem spätgotischen Kammertor angebracht. Die alte Burg holte man da gerade langsam aber stetig aus ihrem Dornröschenschlaf und das eine oder andere wurde improvisiert. Leicht musste der Wappenstein sein und günstig, erinnert sich Herr Kopetzki, also fiel die Wahl auf Bauschaum als Material. Ein bisschen Farbe dazu und das Schmuckstück war vom umgebenden Stein auf den ersten Blick kaum zu unterscheiden.

Nicht gerechnet hatte Herr Kopetzki mit den geflügelten Bewohner des Gemäuers: Vögel haben in den letzten Jahren und Jahrzehnten das Wappen als ergiebige Quelle für Baumaterial für sich entdeckt und tiefe Löcher in die Schaumform gehackt. Dem zweiten, modernen, Wappen des Landkreis, das Kopetzki 1998 anbrachte, erging es nicht besser.

Nun soll eine permanentere Lösung her. Zwei frische Matrizen hat Herr Kopetzki angefertigt, nur in Stein gießen kann er sie nicht. An der Jugendkunstschule hat man diese Möglichkeiten sehr wohl und so wurden die beiden Rohformen vergangene Woche an die Künstler übergeben. „Wir müssen jetzt erst einmal ausprobieren was geht und was nicht“, erzählt Cornelia Krügel, die das Projekt zusammen mit dem Keramiker Martin Jahn angehen will. „Eine Möglichkeit wäre, dass Wappen in Ton zu fertigen und zu brennen. Aber solche große Flächen können leicht brechen oder sich verziehen. Ein Steinmehl-, oder Porphyrit-Guss wäre eine Alternative“. Ist die richtige Methode gefunden, könnte es schnell gehen mit den neuen Wappen. Zunächst soll das Landkreiswappen gefertigt werden und mit eben jenem müsste man dann auch über die Anbringung sprechen.

Corinna Krügel zeigt die neuen Matrizen für die Hohnsteiner Wappen (Foto: agl) Corinna Krügel zeigt die neuen Matrizen für die Hohnsteiner Wappen (Foto: agl)

An der Jugendkunstschule freut man sich, dass Herr Kopetzki den Kontakt gesucht hat, obwohl man auch im Lockdown genug zu tun hat. Bis Mitte Dezember hatte man noch Kurse im Haus, im Lockdown versucht man nun zumindest die Angebote für Kinder und Jugendliche aufrecht zu erhalten. „Für unsere Kinder stellen wir kleine Wundertüten zusammen, die sie dann im Briefkasten finden können. Wir hätten auch digitale Angebote machen können, aber ich denke die Kinder brauchen nicht noch mehr E-Mails, noch eine Cloud, noch einen Link. Deswegen haben wir uns dafür entschieden, den Kindern etwas analoges an die Hand zu geben mit dem sie sich alleine oder mit Mama und Papa beschäftigen können.“, erzählt Martina Degenhardt, Leiterin der Jugendkunstschule.

Nebenbei bereite man diverse Projekte für die Zeit nach dem Lockdown vor, so Degenhardt weiter. Eines davon soll Martin Jahn betreuen und als „mobiler Kulturvermittler“ Kunst aufs Land bringen. Die Idee ist, kleinen Gemeinden und Dörfern in Nordthüringen einen Ansprechpartner zu bieten, wenn sie eigene Kunstprojekte anschieben wollen und Angebote zu unterbreiten. Ein größeres Unterfangen stellt ein Theaterprojekt dar, welches man derzeit in Bendeleben im Kyffhäuserkreis vorbereitet. Das Stück „Wie die Orange nach Bendeleben kam“ soll im Rahmen der Bundesgartenschau aufgeführt werden. Nur proben kann man im Moment nicht.

Gerade aus dem Kyffhäuserkreis erhalte man zuletzt viele Anfragen, sagt Degenhardt, viele könne man aber in der jetzigen Situation nicht erfüllen. Sobald es wieder geht, wolle man aber bereit stehen.
Angelo Glashagel
Autor: red

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