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Richter Kropp: Sorgen mit der Tochter

Mittwoch, 17. August 2005, 08:29 Uhr
Nordhausen/Sondershausen (nnz). Viele Eltern können ein Lied davon singen, wenn die Kinder in die Pubertät kommen. Ein neuer Freund, keine Lust auf Schule, manche verlassen auch für kurze Zeit das Elternhaus. Und dann muß sich Richter Christan Kropp um die Kids kümmern.


Die Familie Meyer (Name geändert) aus Sondershausen kann davon auch einiges erzählen. Tochter Julia (16) hat schlechte Noten in der Schule, die jetzige Klasse wird sie nicht schaffen. Ein neuer Freund und Drogenprobleme kommen dazu. Zudem ist Julia für Wochen von zu Hause abgängig, kommt nur noch zum Kleiderwechseln nach Hause und stiehlt bei den Eltern Geld und Lebensmittel.

Wie kann solchen Familien geholfen werden? Staatliche Behörden können oft nur in besonderen Lagen eingreifen, der Sondershäuser Jugendrichter Christian Kropp wählte einen neuen Weg. Er nutzte eine Straftat von Julia, um mit den Mitteln des Jugendstrafrechtes zu versuchen, der Familie zu helfen. Julia hatte am 16.02.2005 in zwölf Fällen den öffentlichen Notruf mißbrauchte, in dem sie bei einer Rettungsleitstelle in Artern anrief und gleich wieder auflegte. Immerhin eine Straftat, da in solchen Fällen wirkliche Notfälle nicht durchdringen können und Menschenleben in Gefahr geraten können.

Jedenfalls lautete das Urteil nicht auf die erwarteten Arbeitsstunden oder auf drei Wochen Dauerarrest, wie von der Staatsanwaltschaft Mühlhausen beantragt. Nach dem jetzigen Richterspruch wird Julia einer Betreuung unterstellt, damit ihr geholfen werden kann, mit ihren Problemen zu Recht zu kommen. Zudem muß sie wieder zu ihrer Mutter ziehen und die Schule besuchen. „Wenn das nicht funktioniert“, so der Richter, „gibt es für jeden Verstoß vier Wochen Arrest.“

Es liegt also an Julia, ihr Leben in den Griff zu bekommen. Das Sondershäuser Amtsgericht hat ihr den Weg dazu gewiesen. Ein kleines Hoffnungszeichen gab es dann auch im Sitzungssaal, als Julia das Urteil annahm und bekundete, gleich zu ihren Eltern wieder zu ziehen, was inzwischen auch tatsächlich geschehen ist.
Autor: nnz

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