Stand by oder stand up?
Montag, 15. August 2005, 12:54 Uhr
Nordhausen (nnz). Dass wir so schnell wieder auf großformatige Parteiplakate blicken müssen, das hätte sich noch vor einem halben Jahr wohl niemand träumen lassen. Doch nun, liebe nnz-Leser, müssen wir da durch. Ob aber jemand auf diesen Plakatwahn steht, das glauben wir eher wenig.
Stand by oder stand up? (Foto: nnz)
Der liberale Spaßgeselle Guido Westerwelle hat seit der vergangenen Woche zum Beispiel großformatig an der Nordhäuser Europakreuzung Aufstellung genommen, mit einem strahlenden Lächeln versteht sich. Er fordert Mut und natürlich die Zweitstimme für die FDP. Die ist momentan – medial gesehen - eigentlich out. Dafür ist die Union mit ihren beiden Schwestern absolut in.
Auch in Nordhausen wurden schon fleißig die großen Aufsteller entstaubt und mit frischen Plakaten versehen. Vermutlich haben sich die Christdemokraten und Sozialdemokraten einer gemeinsamen PR-Agentur bedient. In ihren zentralen Plakat-Botschaften steht nicht nur der jeweilige Parteiname drauf, sondern auch wofür die anderen stehen.
Da steht zum Beispiel auf dem CDU-Plakat: Dafür steht Rot-Grün! Und für alle potentiellen CDU-Wähler und bisherigen Nichtwähler gibt es die Antwort satt und fett: Für fünf Millionen Menschen ohne Arbeit!. Problem mit dem Erkennungswert ist, das die Antwort riesig und die Fragestellung winzig gehalten ist, wäre da nicht der Zusatz mit dem Wechsel.
Die SPD-Wahlkampfzentrale traut dem Wähler schon mehr Denkvermögen zu. Sie formuliert zwar auch stehende Fragen, doch los geht es immer mit einer Feststellung. Da steht die Sozialdemokratie mal für den Kündigungsschutz, mal für den Mut zu Reformen. Und dann kommt es in Form der Frage: Und wofür stehen die anderen? Schnell von rechts oder links in die Mitte geguckt – etwa für fünf Millionen Arbeitslose oder doch für den Wechsel? Für die Abschaffung des Kündigungsschutzes oder haben die konservativen etwas keinen Mut zu Reformen?
Dieses Hin und Her ließe sich sicherlich noch endlos fortsetzen, wenn man die liberale Mutkampagne oder die sozialistische Anti-Trübsal-Aktion mit rein zieht. Vielleicht entdeckt ja die nnz – oder Sie, liebe Leser - in Nordhausen noch eine Stelle, an der alle Parteien ihre großen Aufsteller platzieren können. Das gebe ein fröhliches Durcheinander, vor allem für die Automobilen unter den Wählern.
Hauptsache, nach dem 18. September stehen die Parteiverantwortlichen für eine schnelle Entsorgung ihrer Plakate und nehmen sich die umweltbewussten Bündnisgrünen nicht als Vorbild. Deren Plakate mit Frau Künast hängen immer noch rum. Dabei sollte Renate Künast doch schon in der vergangenen Woche kommen. Steht da jedenfalls drauf.
Autor: nnz
Stand by oder stand up? (Foto: nnz)
Der liberale Spaßgeselle Guido Westerwelle hat seit der vergangenen Woche zum Beispiel großformatig an der Nordhäuser Europakreuzung Aufstellung genommen, mit einem strahlenden Lächeln versteht sich. Er fordert Mut und natürlich die Zweitstimme für die FDP. Die ist momentan – medial gesehen - eigentlich out. Dafür ist die Union mit ihren beiden Schwestern absolut in.
Auch in Nordhausen wurden schon fleißig die großen Aufsteller entstaubt und mit frischen Plakaten versehen. Vermutlich haben sich die Christdemokraten und Sozialdemokraten einer gemeinsamen PR-Agentur bedient. In ihren zentralen Plakat-Botschaften steht nicht nur der jeweilige Parteiname drauf, sondern auch wofür die anderen stehen.
Da steht zum Beispiel auf dem CDU-Plakat: Dafür steht Rot-Grün! Und für alle potentiellen CDU-Wähler und bisherigen Nichtwähler gibt es die Antwort satt und fett: Für fünf Millionen Menschen ohne Arbeit!. Problem mit dem Erkennungswert ist, das die Antwort riesig und die Fragestellung winzig gehalten ist, wäre da nicht der Zusatz mit dem Wechsel.
Die SPD-Wahlkampfzentrale traut dem Wähler schon mehr Denkvermögen zu. Sie formuliert zwar auch stehende Fragen, doch los geht es immer mit einer Feststellung. Da steht die Sozialdemokratie mal für den Kündigungsschutz, mal für den Mut zu Reformen. Und dann kommt es in Form der Frage: Und wofür stehen die anderen? Schnell von rechts oder links in die Mitte geguckt – etwa für fünf Millionen Arbeitslose oder doch für den Wechsel? Für die Abschaffung des Kündigungsschutzes oder haben die konservativen etwas keinen Mut zu Reformen?
Dieses Hin und Her ließe sich sicherlich noch endlos fortsetzen, wenn man die liberale Mutkampagne oder die sozialistische Anti-Trübsal-Aktion mit rein zieht. Vielleicht entdeckt ja die nnz – oder Sie, liebe Leser - in Nordhausen noch eine Stelle, an der alle Parteien ihre großen Aufsteller platzieren können. Das gebe ein fröhliches Durcheinander, vor allem für die Automobilen unter den Wählern.
Hauptsache, nach dem 18. September stehen die Parteiverantwortlichen für eine schnelle Entsorgung ihrer Plakate und nehmen sich die umweltbewussten Bündnisgrünen nicht als Vorbild. Deren Plakate mit Frau Künast hängen immer noch rum. Dabei sollte Renate Künast doch schon in der vergangenen Woche kommen. Steht da jedenfalls drauf.
