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nnz-Rückspiegel: 26. Oktober 2000

Freitag, 26. Oktober 2001, 09:15 Uhr
Nordhausen (nnz). Können Sie sich noch erinnern, was vor einem Jahr im Landkreis Nordhausen los war? Die nnz hat im Archiv gesucht und folgende Meldungen gefunden.


Dagmar Becker (SPD): Landrat ist in dieser Demokratie noch nicht angekommen

Einen gemeinsamen Besuch vom ehrenamtlichen Beigeordneten Winfried Theuerkauf (SPD) und Landrat Joachim Claus (CDU) im Landesverwaltungsamt wird es wohl nicht geben. Theuerkauf hatte diesen Vorschlag im Kreistag gemacht, um beim Streitthema Beigeordnetenwahl ein Stück weiter voranzukommen. Dies geschah aus dem Hintergrund, daß es widersprüchliche Aussagen zum Vorgehen dieser Landesbehörde gibt. Während Landrat Claus an seiner Behauptung festhält, das Landesverwaltungsamt würde sich in die Angelegenheit aufgrund der Beschwerde von Frau Witzel (CDU) einmischen, habe die SPD ein Schreiben vorliegen, wonach der Landrat selbst das Handeln der Behörde einfordert. Dort soll es wörtlich heißen: "....da Sie die Beigeordnetenwahlen vom 5.9.00 für rechtswidrig halten ...", gemeint ist der Landrat selber.

Offenbar gebe es kein Interesse von Einigen in der CDU diese Aktion zu beenden, dabei scheint auch der Rückhalt in den eigenen Reihen wegzubrechen, so Dagmar Becker (SPD) gegenüber der nnz. Schließlich fand der Beschluß zur Wahlaufhebung nur bei acht CDU-Fraktionsmitgliedern seine Unterstützung, die andere Hälfte hatte sich lieber enthalten. "Ins Landesverwaltungsamt fährt der Landrat halt nur mit dem CDU-Landtagsabgeordneten Egon Primas, da läßt es sich besser Intrigen aushecken", so die Auffassung von Dagmar Becker.
Böses ahnt die SPD auch beim vom Kreistag getroffenen Beschluß, wonach der Kreistag notfalls in Klage gehen wird, falls die Wahl dennoch aufgehoben werden soll. Im Anschluß an die Beschlußfassung hatte der Landrat angekündigt, auch diesen Beschluß zu beanstanden und nicht auszuführen. "Wenn er nicht mal anerkennen will, daß es heute einen Rechtstaat gibt, dann ist er in dieser Demokratie einfach noch nicht angekommen", meinte Becker dazu.


Wacker: Zwei neue Spieler -­ mehrere Stammspieler weg?

Wacker Nordhausen hat zwei neue Spieler. Die beiden Kicker aus Sondershausen/Berka und Urbach sollen den Verein stärken und ­ so muß man es angesichts der personellen Situation formieren ­ vor dem Untergang retten. Wie die nnz erfuhr, geht der Aderlaß bei den Wacker-Urgesteinen munter weiter. Torsten Mank soll am Montag seine Kündigung auf den Tisch gelegt und bereits ein erstes Probetraining beim VfB Leipzig absolviert haben. Mit Abwanderungsgedanken tragen sich außerdem Frank Schneider und Mariusz Kurzeja, Maik Rüdiger hat Kontakte mit Walkenried aufgenommen. Torhüter Henryk Lihsa will sich zum Ende dieser Woche definitiv entscheiden, ob er dem Verein den Rücken kehren wird. Ein abschließendes Gespräch mit dem Präsidium soll es morgen geben. Auch Jens Ludwig ist am Überlegen, ob er Wacker weiter den Rücken, sprich die Abwehr organisieren wird. Frank Schneider wird am Samstag gegen Grimma noch einmal auflaufen, es könnte jedoch das letzte Mal sein. Noch heute wartet der Mittelfeldflitzer auf ein weiteres Gesprächsangebot seitens des Vorstandes.

Hintergrund sind unter anderem die finanziellen Bedingungen, unter denen die Spieler im Verein an den Ball treten müssen. So mußte das jetzige Präsidium die Aufwandsentschädigungen unter die 500-Mark-Grenze je Monat drücken. Klar ist, daß nur das ausgegeben werden kann, was in der Kasse ist. Gerüchte sagen auch, daß diese Entschädigungen bereits seit Juli überhaupt nicht gezahlt wurden. Mehr Geld können die abwanderungswilligen Spieler da bereits in der Bezirksliga oder in der Landesklasse verdienen.

Doch Geld ist aber für einige der Wacker-Spieler nicht alles. Es ist vielmehr frustrierend anzusehen, wie die Personaldecke immer dünner wird, die angekündigten Verstärkungen auf sich warten lassen, oder wenn doch erfolgt, keine wirklichen Verstärkungen, sondern nur „Auffüllmasse“ sind, wie es ein Spieler heute gegenüber nnz ausdrückte.


Aufsichtsratsvorsitz bei EGN neu besetzt ­ Theuerkauf will saubere Informationen

Winfried Theuerkauf ist der neue Aufsichtsratsvorsitzende der Entwicklungsgesellschaft des Landkreises Nordhausen (EGN). Der Sozialdemokrat und ehrenamtliche Beigeordnete der Kreisverwaltung wurde gestern während einer Sitzung des Gremiums gewählt.

Die jetzige Situation der EGN stellt sich momentan „nicht ganz unproblematisch“ dar, wie Theuerkauf es gegenüber der nnz formulierte. Vor allem soll der Informationsfluß zum Landkreis Nordhausen als Gesellschafter wieder hergestellt werden. Insbesondere sollen die Mitglieder des Kreistages mit Informationen ausgestattet werden, die ihnen dann entsprechende Beschlüsse und Entscheidungen ermöglichen. Die sind aber notwendig, da die EGN zum 31.12. abgewickelt werden soll. Noch soll es dazu keinen entsprechenden Beschluß geben, über eine im Juli eingereichte Vorlage hätten nach nnz-Informationen nur die Fraktionsvorsitzenden beraten.

Mitglieder des Kreistages hatten in der zurückliegenden Zeit immer wieder kritisiert, daß sie über die Gesellschaft und ihre Aktivitäten keine näheren, geschweige denn Hintergrundinformationen erhalten hätten. Hinter vorgehaltener Hand wird sogar über die Aufnahme staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen geredet und diskutiert. Nicht zu überblicken ist da auch das Firmengeflecht, in das die EGN, ausgegründete Unternehmen und Mitarbeiter involviert sein sollen. Dieses Geflecht soll, wie die nnz bereits im August und September berichtete, bis nach Berlin reichen, was Eintragungen in dortige Handelsregister belegen. Hinzu kommen schwere gesundheitliche Probleme mit dem EGN-Geschäftsführer selbst.

Winfried Theuerkauf steht nicht vor einem Scherbenhaufen, noch nicht. Für die Mitglieder des Kreistages und nicht zuletzt für die noch 187 Beschäftigten der EGN will er künftig saubere und klare Festlegungen und Beschlüsse, die dann konsequent umgesetzt werden müssen.


Beeindruckender Vortrag von Hermann Scheer in Nordhausen

Um es vorwegzunehmen: Jeder, der an gestern Abend den Weg in die Aula des Herder-Gymnasiums gefunden hatte, erlebt in zwei Stunden ein Feuerwerk an Erkenntnissen und Argumenten für die Nutzung alternativer Energiequellen. Der Träger des Alternativen Nobelpreises 1999, Hermann Scheer, trug auf überzeugende Weise sein Argumentation für eine alternative Energiewirtschaft in der Welt vor.

Seine fundierten Erkenntnisse ermöglichten es ihm, an zahlreichen Beispielen belegen zu können, daß die Energieversorgung mit Hilfe der fossilen Energiequellen endlich ist. Um letztlich auch den Fortbestand menschlichen Lebens zu sichern, sie es dringend notwendig auf anderen Quellen wie Wind- oder Sonnenenergie aber auch Wasserkraft und Biomasse umzusteigen. Diese Ressourcen sind unerschöpflich und stehen auf die eine oder andere Weise an jedem Ort der Welt zur Verfügung.

Hermann Scheer lobte am Schluß seines Vortrages die von der Regelschule in Sollstedt geleistete Arbeit in bezug auf die Erkundung alternativer Energiequellen und rief dazu auf, sich auf diesem Gebiet zu bilden. Nur so sei der Umschwung im Denken in der Zukunft zu ermöglichen. Zahlreiche Besucher ließen es sich nicht nehmen, sich von Scheer geschriebene Bücher signieren zu lassen.
Autor: nnz

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