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KATRIN CIESLAK ZUR SITUATION IN ÄTHIOPIEN UND DER PATENSCHULE

Es ist einfach nur schrecklich

Dienstag, 22. Dezember 2020, 17:09 Uhr
Zwischen der Nordhäuser Montessori-Schule und der Degamba-Schule in Äthiopien besteht seit Jahren eine rege schulische Patnerschaft. Die Paten aus der Rolandstadt helfen tatkräftig mit, um den Mädchen und Jungen in Degamba ein gutes Lernen zu ermöglichen. Über die Beziehungen beider Schulen schreibt für die nnz regelmäßig Katrin Cieslak. Diesmal teilt sie mit...


Nordhausen/Degamba. Liebe Äthiopienpaten- und freunde,wenn auch etwas anders,so können wir trotz Corona Weihnachten feiern. Anders sieht es in Tigray aus. Nach 5 Wochen durften durch das ICRC (International Committee of the Red Cross) endlich Hilfsgüter nach Mekelle gebracht werden. Marie, mit der ich im Oktober noch in Tigray gewandert bin und die für das IRCR arbeitet, hat bei BBC ein Video gepostet. Seit einer Woche ist der Strom zurück und ich konnte endlich mit Kiros telefonieren. Aber man muss sehr vorsichtig sein, die Telefonate werden abgehört. Über die politische Lage sollte man mit den Menschen nicht sprechen, um sie nicht in Gefahr zu bringen.

Der Krieg in Tigray geht weiter. Die Lage bleibt sehr ernst. Es gibt weiter kein Internet, kein Wasser, wenige Lebensmittel. Die Soldaten plündern Häuser, erschießen Frauen, Kinder und alte Menschen, die in Kirchen Zuflucht suchen. Es werden ganze Dörfer niedergebrannt und sind verlassen, da die Menschen fliehen. Noch ungeerntete Felder wurden in großen Flächen niedergebrannt. Viele Straßen sind unpassierbar oder werden stark bewacht. Tausende Menschen wurden bereits ermordet. Tausende unbegleitete Kinder sind in den Sudan geflohen und sitzen dort in Notcamps.Jeden Tag bekomme ich von den Menschen, mit denen ich verbunden bin und die sich für die Menschen in Tigray ebenso wie wir engagieren, neue schreckliche Berichte von geflüchteten Augenzeugen.

So entstand auch dieser Apell für Waffenstillstand und humanitäre Hilfe in Tigray, den ich euch bitte zu unterzeichnen und auch gerne weiterzuleiten. Es soll ein Zeichen setzen, dass wir nicht wegsehen und uns für die leidenden Menschen dort mit aller Macht einsetzen. Eine deutsche Übersetzung ist ebenfalls angehangen. Jeder kann diesen Apell unterschreiben.Ein erster kleiner Erfolg wurde letzte Woche bereits erzielt. Dank der Interventionen mehrerer Abgeordneter im Europäischen Parlament und in den nationalen Parlamenten hat die EU nun erste Schritte unternommen, um Druck auf die äthiopische Regierung auszuüben.Die EU verzögert die Budgethilfe für Äthiopien aufgrund des Tigray-Konflikts. Die Sprecherin der Europäischen Kommission teilte der BBC mit, dass fünf Bedingungen für die Wiederaufnahme der Hilfe gegeben seien.

Caritas International, die neben dem ICRC momentan fast die einzige Organisation ist, die vor Ort helfen darf, hat ebenfalls zur Spendenaktion aufgerufen. Auch wir wollen den Menschen vor Ort weiter helfen, sobald eine Hilfe vor Ort wieder möglich ist. Ihr könnt also gerne weiter für Degamba auf das bekannte Konto spenden. Die Menschen werden jegliche Hilfe benötigen, da die eingebrachten Ernten schon jetzt fast aufgebraucht sind.Danke schon jetzt für eure großartige Hilfe, denn ihr wisst ja: „Viele kleine Leute, die an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, können das Gesicht der Welt verändern“ (Afrikanisches Sprichwort).

Ich wünsche allen ein ruhiges und besinnliches Weihnachtsfest.
Katrin Cieslak
Autor: psg

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