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Grün schmeckt

Mittwoch, 10. August 2005, 21:42 Uhr
Nordhausen (nnz). Die Parteien rüsten zur Wahl. In Nordhausen machten die Grünen den Anfang. Sie wollten beweisen, daß Grün gesund ist und schmeckt. Eine echte Bundesministerin aß mit und stand Rede und Antwort.





Keine Ahnung, nicht bei Renate Künast. Sie will die Wahrheit sagen und sucht das Gespräch mit den Wählern. Die haben ihre örtlichen Parteifreunde mit einem gesunden Büffet gelockt. Über 100 Nordhäuser probierten die Leckereien und stellten ihre Fragen an die Ministerin für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft. Trotz Regen ließen sich die Bürger den Besuch nicht verderben. „Heute Vormittag in Erfurt waren es hundert Leute, und hier sind es auch mindestens so viele.“ Sagt nicht ohne Stolz Julian Karwath, der Direktkandidat von Bündnis 90/Die Grünen.

Bevor die Tafel eröffnet wird, gibt’s ein paar kurze Ansprachen und Beifall für die Ministerin. Männer und Kinder sollen kochen lernen, meint sie, das gefällt besonders den Frauen. An denen bleibt die Essenszubereitung meist hängen, und sie haben auch nicht immer Lust dazu. Die Ministerin spricht dieses Problem an. „Ernährung gehört an die Schulen und in die Kindertagesstätten.“ Generationsübergreifend sollte die Eßkultur gefördert werden. „Wir wollen hier gemeinsam essen, denn das müssen wir wieder lernen.“ So Renate Künast. Die gereichten Leckerbissen unterscheiden sich sehr vom üblichen Angebot, Obst und Gemüse satt, Vollkornbratlinge und Brote mit Aufstrich aus ökologischen Landbau. Vor allem die süßen Sachen sind schnell weg.

Die meisten Bürger kamen aber nicht nur zum Essen oder aus Neugier, wie so eine Bundesministerin in Natura aussieht. Die meisten wollten reden und diskutieren. Ein Landwirt meldet sich zu Wort, will seine Zukunftschancen wissen. Aber auch aufgestauter Frust wird auf die Bündnisgrüne abgeworfen. Politikergehälter sind ein Thema und Hartz IV. Manche Bürger stellen Fragen dazu, andere wollen sich nur beschweren. Hört einem ja sonst keiner zu, und hier wähnt man sich an richtiger Stelle. Doch eine Ministerin kann allein nicht alle Probleme lösen. Sie kann zuhören und Rat geben, mit Offenheit und Ehrlichkeit die Situation in Deutschland ansprechen. Dabei will Renate Künast keine Wahlversprechen machen, die sie nicht halten kann.

Nachdem sich die Ministerin die Stände vom Horizont und Lift e.V. sowie vom Eine Welt Laden angesehen hat, muß sie sich aufwärmen bei einem heißen Tee in Schenkes Stübchen. Ein Mann spricht Renate Künast an „Ich bewundere, wie Sie mit der BSE Krise umgegangen sind. Endlich hat jemand die Initiative ergriffen. Ich finde es grundsätzlich gut, daß endlich jemand den Mut zu Reformen hat.“ Aufbauende Worte für die vom Regen durchnäßte Politikerin, die auch des Volkes Zorn zu spüren bekam. Bevor Renate Künast die Heimreise antrat, nahm sie sich die Zeit, exklusiv mit nnz über ihre Eindrücke von Nordhausen und ihre Ziele nach der Wahl zu reden. Das Gespräch lesen Sie morgen früh hier in Ihrer Nordhäuser Onlinezeitung.
Autor: wf

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