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Friedenslicht für den Hauptfriedhof

Trauer braucht Nähe, Wärme, Gefühl

Freitag, 11. Dezember 2020, 08:35 Uhr
Die Übergabe des Friedenslichtes aus Bethlehem in der Weihnachtszeit ist in den letzten Jahren für viele zur festen Tradition geworden. Das Licht soll auch Trauernden Wärme und Nähe vermitteln, doch in diesem Jahr ist, wie so vieles, schwerer. Eine Möglichkeit, das Licht dennoch entgegen zu nehmen, wurde jetzt gefunden...

Wie alles begann: Friedenslicht 2013 (Foto: P. Tobias Titulaer) Wie alles begann: Friedenslicht 2013 (Foto: P. Tobias Titulaer)

Auf diesem Bild ist festgehalten, wie 2013 alles begann: Mit Blaulicht und Martinshorn fuhr die Jugendfeuerwehr Nordhausen Mitte kurz vor Weihnachten durch die Käthe-Kollwitz-Straße und hielt vor dem Bestattungshaus HÖFER, um dem dort ansässigen Verein TrauerWelten das Friedenslicht zu überbringen, um es von dort trauernden Menschen weiterzugeben, um auf den Gräbern der Verstorbenen, deren Platz an den Feiertagen schmerzlich leer bleibt, diese zu entzün­den als ein Zeichen, dass wir an sie denken, sie einen festen Platz in unseren Herzen haben und wir ihnen Frieden wünschen. Viele hat diese ungewöhnliche Aktion damals auf die Straße gelockt: „Was ist denn da los?“

In den folgenden Jahren ist die Jugendfeuerwehr auf den Hauptfriedhof an das Grabfeld der Schmetter­lingskinder gekommen, hin und wieder auch mit Blaulicht und Martinshorn, um auf diese Weise deutlich zu machen, dass Trauer nicht still sein und im verborgenen Kämmerlein stattfinden muss, sondern dass Trauer gehört und gesehen werden, eine Stimme haben sollte in unserer Gesellschaft.

Trauer braucht Nähe, Wärme, Gefühl und nicht Distanz. Deshalb ist das Trauern um einen lieben Menschen in dieser Zeit der Pandemie noch einmal wesentlich schwerer. So Vieles, was für einen gesunden Weg durch diese Zeit wichtig ist, ist nicht möglich. So Vieles muss ausfallen, kann nicht stattfinden, wird ersatzlos gestrichen.

Deshalb haben wir nach einer stimmigen Möglichkeit gesucht, dass diese Tradition der Übergabe des Friedenslichtes, die in den letzten Jahren für viele Menschen sehr wichtig und zum festen Bestandteil des Weihnachtsfestes geworden ist nicht einfach ausfällt, sondern im Rahmen des Möglichen stattfindet.

Am 4. Adventssonntag, dem 20. Dezember, in der Zeit zwischen 11.00 Uhr und 12.00 Uhr besteht vor der Trauerhalle auf dem Hauptfriedhof eine Gelegenheit, einzeln und in Stille das Friedenslicht in mitgebrach­ten Laternen entgegenzunehmen, um gerade in diesem Jahr das Dunkel in den eigenen Herzen zu erleuch­ten und den Verstorbenen das Friedenslicht zu bringen als ein Zeichen, dass sie in uns weiterleben und wir sie vermissen, nicht nur an Weihnachten.
Bitte vergessen Sie Ihren Mund-Nasenschutz nicht.

P. Tobias Titulaer
Martin Bierwirth
Autor: red

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