Advent und Weihnachtszeit um 1950
Morgen kommt der Nikolaus
Samstag, 05. Dezember 2020, 08:58 Uhr
Ganz plötzlich ist es schon wieder Nikolaustag, ganz ohne Rücksicht auf CORONA. Wie kann das gehen? Aber es geht ja alles, wenn man es möchte. Vor 70 Jahren haben wir auch unter schwierigen Bedingungen vieles schaffen müssen. Damals kam die Advent- und Weihnachtszeit auch so plötzlich wie in diesem Jahr, schreibt Manfred Kappler...
In wenigen Stunden ist wieder einmal Nikolaustag und zweiter Advent. In der heutigen Zeit ist dieses ganz anderes, als wir es aus den letzten Jahren kennen. Aber vor 70 Jahren war die Adventzeit und Nikolaus auch ganz anders, eben auch anders, als wir es so gewohnt sind. Um die Zeit in der Jahren 1950 – 51 nicht ganz, aus dem Gedächtnis zu verlieren, habe ich mal versucht aufzuschreiben wie die Advent-Zeit zur damaligen Zeit war und wie es damals bei uns und vielen anderen so war.
Damals, ging erst vor wenigen Jahren, der II. Weltkrieg zu Ende. Das ganze Land hatte noch stark unter diesen Folgen zu leiden. Es fehlte noch an allem. Gerade uns in dem östlichen Teil Deutschlands hatte es hart getroffen. Kaum Industrie im Land und von der Sowjetunion konnte man auch keine Hilfe bekommen. Die hatten selbst schwer unter den Folgen des Krieges zu leiden.
Es fehlte also noch fast an allem. Lebensmittel und vieles gab es nur auf Zuteilung und den Marken für die zugeteilte Menge. Wer selbst etwas hatte dem wurde, Das, von der Zuteilung abgerechnet. So wurde es auch wieder Weihnachtszeit, und jeder hatte versucht sich etwas abzusparen und sei es von der täglichen Nahrung. Man hatte es sich im wahrsten Sinn des Wortes, vom Munde abgespart.
Wir waren zwei Jungen gerade so im schulpflichtigen Alter. erste bzw. dritte Klasse. Im Haus wohnten meine Eltern mit meiner ganz kleinen Schwester und mir, die Eltern meines Cousins und unsere Großeltern.
Es war zwar alles sehr beengt aber es mußte nun mal so gehen. Im Stall standen zwei Ziegen und einige Hühner mit einem stolzen Hahn liefen auf dem Hof herum. Dann gab es noch für jede Familie einige Kaninchen in den entsprechenden Holzkisten auf Füßen. Den selbst gezimmerten Kaninchenställen.
So wurde es wieder einmal Dezember und es ging auf Nikolaus zu. Ständig bekamen wir Lausebengels zu hören: Wartet nur wenn der Nikolaus das sieht, wenn der dann Kommt mit der großen Rute, dann setzt, es aber was. Das hat der Nikolaus, jetzt aber gesehen, der hat gerade zum Fenster rein gesehen.
So wurden wir Bengels in Zaum gehalten. Denn sonst ging es mit uns nur über Tisch und Bänke, wie man so schön sagt. Unsere Eltern und auch die Großeltern waren von den vorweihnachtlichen Vorbereitungen arg gestreßt.
Jedoch wir Bengels wollten nicht so recht an den Nikolaus glauben, und hatten mächtig große Worte. So bekamen unsere Eltern dann von uns zu hören, wenn sie mit dem Nikolaus uns zu ermahnen versuchten. Niklaus, Niklaus an der Wand, hat den ganzen Arsch verbrannt!
Der Nikolausabend kam, wir waren einigermaßen artig, hatten aber immer noch große Worte. Je später es wurde um so ruhiger wurden wir. Wir lauerten auf den Nikolaus, und der kam und kam nicht.
Waren wir doch zu ungezogen gewesen, dass der Nikolaus nicht zu uns kam?
Wir wollten doch auch ein paar Nüsse und Äpfel, vielleicht auch noch einige Plätzchen oder Kekse, bekommen.
Doch dann kam Er. Groß und mächtig mit einer tiefen Stimme und einer riesen, großen Rute stand er dann vor uns. Wir wurden immer kleiner und ganz ruhig. Am liebsten wären wir im Boden versunken oder unsichtbar geworden. Es half nichts, wir mussten uns dem Nikolaus stellen. Wo waren unsere großen Worte geblieben?
So gingen wir in uns und wurden immer kleiner. Es gab ihn nun doch; denn der Nikolaus stand lebendig und riesengroß vor uns. Stotternd versuchten wir den Nikolaus etwas milder zu stimmen. Wir mußten uns seine Drohungen und alle unsere Straftaten von ihm anhören. Wo wusste er nur alle unsere Schandtaten her?
Schein bar war es uns doch gelungen, den Nikolaus etwas milder zu stimmen. Denn mit der Rute hatte ja bis jetzt uns nur gedroht. Nach einigen Gedichten und Gebeten, mußten wir dem Nikolaus auch noch ganz hoch und heilig versprechen in Zukunft ganz artig zu sein, immer zu Hören und fleißig in der Schule aufzupassen und zu lernen. Dann folgte noch ein ganz großes Versprechen, nämlich die Hausaufgaben immer schnell, sauber und ordentlich zu machen. Nach diesem Versprechen öffnete er auch noch den riesigen Sack.
Wir dachten schon er wollte uns in den Sack stecken und uns mitnehmen, wie es unsere Eltern immer zu uns gesagt hatten. Aber ein Trost, er suchte nur etwas in dem Sack. Dann kam für jeden von uns ein kleines Säckchen zum Vorschein
Es standen unsere Namen auf dem Säckchen. Als Inhalt waren Äpfel, Nüsse, und sogar einige Plätzchen darin. Wir freuten uns sehr über dieses Nikolausgeschenk. So hatten wir auch etwas zum Naschen vom Nikolaus bekommen, trotz unserer Unartigkeit.
Es gab Ihn ja nun doch diesen Nikolaus, er war gar nicht so streng und böse wie uns die Eltern es immer erzählt hatten.
So lernten wir den großen, aber dennoch ganz lieben, netten Nikolaus, damals ganz persönlich kennen. Diesen Nikolaus Besuch haben wir selbst nach über 70 Jahren, bis heute nicht vergessen und denken noch oft an seinen Besuch.
Ich wünsche allen Kindern so einen lieben und netten Nikolaus wie wir ihn damals vor 70 Jahren erlebt haben.
Wie schon gesagt; ist es in diesem Jahr ganz, ganz anders. Da braucht sich Niemand zu fürchten, denn auch der Nikolaus muss Abstand halten mindestens einen Meter fünfzig. Anderthalb Meter, dass ist etwa die Flügelspanne von einem erwachsenen Menschen.
Der Nikolaus sieht, in diesem Jahr auch anders aus, denn auch er muss eine Maske tragen. Auch riecht er dieses Mal nicht so ganz Lecker, wie vom Zuckerbäcker. Er muss sich ständig desinfizieren, denn auch er bekämpft die CORONA Vieren. Nur so darf er dieses Mal ins Haus.
Für ihn ist es auch ein Graus, mit Maske, Abstand und Desinfektion, er muss und ist es noch so schwer, denn die Kinder liebt er noch viel mehr.
Manfred Kappler
Autor: redIn wenigen Stunden ist wieder einmal Nikolaustag und zweiter Advent. In der heutigen Zeit ist dieses ganz anderes, als wir es aus den letzten Jahren kennen. Aber vor 70 Jahren war die Adventzeit und Nikolaus auch ganz anders, eben auch anders, als wir es so gewohnt sind. Um die Zeit in der Jahren 1950 – 51 nicht ganz, aus dem Gedächtnis zu verlieren, habe ich mal versucht aufzuschreiben wie die Advent-Zeit zur damaligen Zeit war und wie es damals bei uns und vielen anderen so war.
Nikolaus vor 70 Jahren
Damals, ging erst vor wenigen Jahren, der II. Weltkrieg zu Ende. Das ganze Land hatte noch stark unter diesen Folgen zu leiden. Es fehlte noch an allem. Gerade uns in dem östlichen Teil Deutschlands hatte es hart getroffen. Kaum Industrie im Land und von der Sowjetunion konnte man auch keine Hilfe bekommen. Die hatten selbst schwer unter den Folgen des Krieges zu leiden.
Es fehlte also noch fast an allem. Lebensmittel und vieles gab es nur auf Zuteilung und den Marken für die zugeteilte Menge. Wer selbst etwas hatte dem wurde, Das, von der Zuteilung abgerechnet. So wurde es auch wieder Weihnachtszeit, und jeder hatte versucht sich etwas abzusparen und sei es von der täglichen Nahrung. Man hatte es sich im wahrsten Sinn des Wortes, vom Munde abgespart.
Wir waren zwei Jungen gerade so im schulpflichtigen Alter. erste bzw. dritte Klasse. Im Haus wohnten meine Eltern mit meiner ganz kleinen Schwester und mir, die Eltern meines Cousins und unsere Großeltern.
Es war zwar alles sehr beengt aber es mußte nun mal so gehen. Im Stall standen zwei Ziegen und einige Hühner mit einem stolzen Hahn liefen auf dem Hof herum. Dann gab es noch für jede Familie einige Kaninchen in den entsprechenden Holzkisten auf Füßen. Den selbst gezimmerten Kaninchenställen.
So wurde es wieder einmal Dezember und es ging auf Nikolaus zu. Ständig bekamen wir Lausebengels zu hören: Wartet nur wenn der Nikolaus das sieht, wenn der dann Kommt mit der großen Rute, dann setzt, es aber was. Das hat der Nikolaus, jetzt aber gesehen, der hat gerade zum Fenster rein gesehen.
So wurden wir Bengels in Zaum gehalten. Denn sonst ging es mit uns nur über Tisch und Bänke, wie man so schön sagt. Unsere Eltern und auch die Großeltern waren von den vorweihnachtlichen Vorbereitungen arg gestreßt.
Jedoch wir Bengels wollten nicht so recht an den Nikolaus glauben, und hatten mächtig große Worte. So bekamen unsere Eltern dann von uns zu hören, wenn sie mit dem Nikolaus uns zu ermahnen versuchten. Niklaus, Niklaus an der Wand, hat den ganzen Arsch verbrannt!
Der Nikolausabend kam, wir waren einigermaßen artig, hatten aber immer noch große Worte. Je später es wurde um so ruhiger wurden wir. Wir lauerten auf den Nikolaus, und der kam und kam nicht.
Waren wir doch zu ungezogen gewesen, dass der Nikolaus nicht zu uns kam?
Wir wollten doch auch ein paar Nüsse und Äpfel, vielleicht auch noch einige Plätzchen oder Kekse, bekommen.
Doch dann kam Er. Groß und mächtig mit einer tiefen Stimme und einer riesen, großen Rute stand er dann vor uns. Wir wurden immer kleiner und ganz ruhig. Am liebsten wären wir im Boden versunken oder unsichtbar geworden. Es half nichts, wir mussten uns dem Nikolaus stellen. Wo waren unsere großen Worte geblieben?
So gingen wir in uns und wurden immer kleiner. Es gab ihn nun doch; denn der Nikolaus stand lebendig und riesengroß vor uns. Stotternd versuchten wir den Nikolaus etwas milder zu stimmen. Wir mußten uns seine Drohungen und alle unsere Straftaten von ihm anhören. Wo wusste er nur alle unsere Schandtaten her?
Schein bar war es uns doch gelungen, den Nikolaus etwas milder zu stimmen. Denn mit der Rute hatte ja bis jetzt uns nur gedroht. Nach einigen Gedichten und Gebeten, mußten wir dem Nikolaus auch noch ganz hoch und heilig versprechen in Zukunft ganz artig zu sein, immer zu Hören und fleißig in der Schule aufzupassen und zu lernen. Dann folgte noch ein ganz großes Versprechen, nämlich die Hausaufgaben immer schnell, sauber und ordentlich zu machen. Nach diesem Versprechen öffnete er auch noch den riesigen Sack.
Wir dachten schon er wollte uns in den Sack stecken und uns mitnehmen, wie es unsere Eltern immer zu uns gesagt hatten. Aber ein Trost, er suchte nur etwas in dem Sack. Dann kam für jeden von uns ein kleines Säckchen zum Vorschein
Es standen unsere Namen auf dem Säckchen. Als Inhalt waren Äpfel, Nüsse, und sogar einige Plätzchen darin. Wir freuten uns sehr über dieses Nikolausgeschenk. So hatten wir auch etwas zum Naschen vom Nikolaus bekommen, trotz unserer Unartigkeit.
Es gab Ihn ja nun doch diesen Nikolaus, er war gar nicht so streng und böse wie uns die Eltern es immer erzählt hatten.
So lernten wir den großen, aber dennoch ganz lieben, netten Nikolaus, damals ganz persönlich kennen. Diesen Nikolaus Besuch haben wir selbst nach über 70 Jahren, bis heute nicht vergessen und denken noch oft an seinen Besuch.
Ich wünsche allen Kindern so einen lieben und netten Nikolaus wie wir ihn damals vor 70 Jahren erlebt haben.
Wie schon gesagt; ist es in diesem Jahr ganz, ganz anders. Da braucht sich Niemand zu fürchten, denn auch der Nikolaus muss Abstand halten mindestens einen Meter fünfzig. Anderthalb Meter, dass ist etwa die Flügelspanne von einem erwachsenen Menschen.
Der Nikolaus sieht, in diesem Jahr auch anders aus, denn auch er muss eine Maske tragen. Auch riecht er dieses Mal nicht so ganz Lecker, wie vom Zuckerbäcker. Er muss sich ständig desinfizieren, denn auch er bekämpft die CORONA Vieren. Nur so darf er dieses Mal ins Haus.
Für ihn ist es auch ein Graus, mit Maske, Abstand und Desinfektion, er muss und ist es noch so schwer, denn die Kinder liebt er noch viel mehr.
Manfred Kappler
