Der Kämpfer aus der Ferne
Donnerstag, 25. Oktober 2001, 14:53 Uhr
Nordhausen (nnz). Die Vorsitzende des Nordhäuser SPD-Kreisverbandes, Dagmar Becker, erhielt Ende September Post aus Schlotheim. Der König der Seilerstadt, Eckhard Ohl, will seine Fühler ausstrecken, eigentlich aber in Nordthüringen bleiben.
Bislang war es für politische Insider schwer vorstellbar, dass es die SPD überhaupt versuchen würde, im Bundestagswahlkreis Nordhausen/Eichsfeld einen Kandidaten aufzustellen. Noch immer lecken sich Genossinnen und Genossen die politischen Wunden der zurückliegenden Wahlen, die mit verheerenden Niederlagen einhergingen. Selbst im Jahr 1998, als das konservative Thüringen Rot wählte, gab es eine schwarze Bastion. Der Leuchtturm im Norden hieß und heißt Manfred Grund. Nun ja, er hätte auch Max Meyer oder Frieda Müller heißen können: Hauptsache, er hat ein CDU-Mitgliedsbuch in der Tasche und kommt aus dem Eichsfeld. Grund aber kam nicht nur aus dem Obereichsfeld, er machte und macht seine Sache in Bonn oder Berlin bislang ohne Fehl und Tadel. Gerhard Jüttemann kommt auch aus dem Eichsfeld, der ist aber seit Jahren von der PDS belegt.
Wer traut sich also nach Margot Kessler als nächster Sozialdemokrat in den Ring? Es ist Eckhard Ohl aus Schlotheim. In dem oben erwähnten Brief bewarb sich Ohl für eine Direktkandidatur in diesem Wahlkreis. Seiner alter Kreis wird zerbrochen. In dieser Legislatur war sein bundespolitisches Hoheitsgebiet Mühlhausen/Eisenach, nach der Wahlkreis-Reform könnte es Eisenach/Bad Salzungen sein. In dieses wilde Revier will sich aber selbst ein Ohl nicht begeben. Im Warburgkreis haben sich leider in den letzten Jahren sehr unerfreuliche innerparteiliche Konstellationen entwickelt, die mich sehr unzufrieden machen, schreib der Schlotheimer. Ohl liefert eine zweite Begründung: Er fühle sich Nordthüringen verbunden, und das sei mit einem Neuzuschnitt der Wahlkreise nicht zu realisieren.
Eckhard Ohl will den Kampf aufnehmen, der immer noch aussichtslos erscheint wie vor vier oder acht Jahren. Doch dieser Mann ist anders als Kessler, er ist Kämpfer. In erster Linie aber kämpft der Kämpfer am liebsten für sein Lieblingskind, für sein Schlotheim. Dort ist er immer noch Bürgermeister. Die Erfolge der Kleinstadt im Unstrut-Hainich-Kreis können sich mehr als sehen lassen und sie hinterlassen seinen Stempel. Sei zweitliebstes Kinder ist der Unstrut-Hainich-Kreis. Hier hatte er nach 1990 vier Jahre Zeit seinen politischen Ziehsohn Harald Zanker aufzubauen und ihn dann endlich in den Landratssessel des vereinten Landkreises zu hieven. Und der junge Zanker hat sich des Vaters würdig erwiesen. Auch er ist Kämpfer.
Die wievielte Stelle wird also nun der Wahlkreis Nordhausen/Eichsfeld im Leben des Eckhard Ohl einnehmen? Es ist schwer vorstellbar, dass Ohl mit gleicher Intensität Kontakte für Nordhausen statt für Mühlhausen aufbaut und pflegt. Bislang nahm Ohl gern mal die neuesten touristischen Marketing-Produkte aus Mühlhausen oder Bad Langensalza mit nach Berlin und verteilte sie nicht nur unter Parlamentskollegen, sondern auch bei diversen Botschaftsempfängen. Nimmt er künftig auch Präsente aus den Landkreisen Nordhausen oder Eichsfeld mit in die Hauptstadt? Diese oder ähnliche Fragen stellen sich in Nordhausen und Umgebung kurz nach Bekanntwerden der Bewerbung einige Sozialdemokraten. Noch immer erinnern sie sich an Ohls Sympathiebekundungen für den allerletzten Kampf eines Richard Dewes. Und da wird vor allem in Nordhausen schon wieder eilig nach Mitteln gegen Sodbrennen gesucht.
Ohl wird es nicht so leicht haben in den neuen Gefilden. Der 54jährige ist ein Mann mit Leib und Seele aus und für den Unstrut-Hainich-Kreis. Dort wurde er geboren, dort ging er zur Schule, dort lebte und arbeitete er. Der gelernte Werkzeugmacher ist bodenständig, hat vor der Fremde keine Angst, bleibt aber - trotz Bundestagsmandat weiter Bürgermeister. Er hat den Krebs besiegt, ist Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr, ist der Vater des Schlotheimer Sportcenters, verrückt nach Fußball und selbstverständlich ehrenamtlicher Beigeordneter von Landrat Harald Zanker in Mühlhausen. Eckhard Ohl wird bis Ende Januar öfter nach Nordhausen oder Heiligenstadt kommen. Am 25. Januar sollen die Kandidaten der SPD nominiert werden. Gibt es eine personelle Alternative? Was bleibt ist das jämmerliches Eingeständnis der Sozialdemokratie in Nordhausen und Umgebung, die aus lauter Verzweiflung überall nach Kandidaten sucht und vor der Haustür keinen gefunden hat.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz
Bislang war es für politische Insider schwer vorstellbar, dass es die SPD überhaupt versuchen würde, im Bundestagswahlkreis Nordhausen/Eichsfeld einen Kandidaten aufzustellen. Noch immer lecken sich Genossinnen und Genossen die politischen Wunden der zurückliegenden Wahlen, die mit verheerenden Niederlagen einhergingen. Selbst im Jahr 1998, als das konservative Thüringen Rot wählte, gab es eine schwarze Bastion. Der Leuchtturm im Norden hieß und heißt Manfred Grund. Nun ja, er hätte auch Max Meyer oder Frieda Müller heißen können: Hauptsache, er hat ein CDU-Mitgliedsbuch in der Tasche und kommt aus dem Eichsfeld. Grund aber kam nicht nur aus dem Obereichsfeld, er machte und macht seine Sache in Bonn oder Berlin bislang ohne Fehl und Tadel. Gerhard Jüttemann kommt auch aus dem Eichsfeld, der ist aber seit Jahren von der PDS belegt. Wer traut sich also nach Margot Kessler als nächster Sozialdemokrat in den Ring? Es ist Eckhard Ohl aus Schlotheim. In dem oben erwähnten Brief bewarb sich Ohl für eine Direktkandidatur in diesem Wahlkreis. Seiner alter Kreis wird zerbrochen. In dieser Legislatur war sein bundespolitisches Hoheitsgebiet Mühlhausen/Eisenach, nach der Wahlkreis-Reform könnte es Eisenach/Bad Salzungen sein. In dieses wilde Revier will sich aber selbst ein Ohl nicht begeben. Im Warburgkreis haben sich leider in den letzten Jahren sehr unerfreuliche innerparteiliche Konstellationen entwickelt, die mich sehr unzufrieden machen, schreib der Schlotheimer. Ohl liefert eine zweite Begründung: Er fühle sich Nordthüringen verbunden, und das sei mit einem Neuzuschnitt der Wahlkreise nicht zu realisieren.
Eckhard Ohl will den Kampf aufnehmen, der immer noch aussichtslos erscheint wie vor vier oder acht Jahren. Doch dieser Mann ist anders als Kessler, er ist Kämpfer. In erster Linie aber kämpft der Kämpfer am liebsten für sein Lieblingskind, für sein Schlotheim. Dort ist er immer noch Bürgermeister. Die Erfolge der Kleinstadt im Unstrut-Hainich-Kreis können sich mehr als sehen lassen und sie hinterlassen seinen Stempel. Sei zweitliebstes Kinder ist der Unstrut-Hainich-Kreis. Hier hatte er nach 1990 vier Jahre Zeit seinen politischen Ziehsohn Harald Zanker aufzubauen und ihn dann endlich in den Landratssessel des vereinten Landkreises zu hieven. Und der junge Zanker hat sich des Vaters würdig erwiesen. Auch er ist Kämpfer.
Die wievielte Stelle wird also nun der Wahlkreis Nordhausen/Eichsfeld im Leben des Eckhard Ohl einnehmen? Es ist schwer vorstellbar, dass Ohl mit gleicher Intensität Kontakte für Nordhausen statt für Mühlhausen aufbaut und pflegt. Bislang nahm Ohl gern mal die neuesten touristischen Marketing-Produkte aus Mühlhausen oder Bad Langensalza mit nach Berlin und verteilte sie nicht nur unter Parlamentskollegen, sondern auch bei diversen Botschaftsempfängen. Nimmt er künftig auch Präsente aus den Landkreisen Nordhausen oder Eichsfeld mit in die Hauptstadt? Diese oder ähnliche Fragen stellen sich in Nordhausen und Umgebung kurz nach Bekanntwerden der Bewerbung einige Sozialdemokraten. Noch immer erinnern sie sich an Ohls Sympathiebekundungen für den allerletzten Kampf eines Richard Dewes. Und da wird vor allem in Nordhausen schon wieder eilig nach Mitteln gegen Sodbrennen gesucht.
Ohl wird es nicht so leicht haben in den neuen Gefilden. Der 54jährige ist ein Mann mit Leib und Seele aus und für den Unstrut-Hainich-Kreis. Dort wurde er geboren, dort ging er zur Schule, dort lebte und arbeitete er. Der gelernte Werkzeugmacher ist bodenständig, hat vor der Fremde keine Angst, bleibt aber - trotz Bundestagsmandat weiter Bürgermeister. Er hat den Krebs besiegt, ist Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr, ist der Vater des Schlotheimer Sportcenters, verrückt nach Fußball und selbstverständlich ehrenamtlicher Beigeordneter von Landrat Harald Zanker in Mühlhausen. Eckhard Ohl wird bis Ende Januar öfter nach Nordhausen oder Heiligenstadt kommen. Am 25. Januar sollen die Kandidaten der SPD nominiert werden. Gibt es eine personelle Alternative? Was bleibt ist das jämmerliches Eingeständnis der Sozialdemokratie in Nordhausen und Umgebung, die aus lauter Verzweiflung überall nach Kandidaten sucht und vor der Haustür keinen gefunden hat.
Peter-Stefan Greiner
