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Als das Wahrzeichen von Görsbach verschwand
Samstag, 28. November 2020, 09:41 Uhr
Es waren nicht immer kriegerische Auseinandersetzungen, wenn historisch wertvolle Bauwerke in sich zusammenstürzten. Gerade im 19. und frühen 20. Jahrhundert wurden viele Bauten aus praktischen Erwägungen abgebrochen. So vor genau 100 Jahren auch in Görsbach…
Das Görsbacher Obertor (Foto: privat/Eisfeld)
Das alte Obertor von Görsbach (Bild) galt noch lange – obwohl es im Oktober 1920 beim Ausbau der Bachstraße abgebrochen werden musste – als Wahrzeichen des Dorfes. Beschrieben als ein stattlicher, mit roten Sandsteinquadern gemauerter Bau, war dessen bogenförmige Durchfahrt mit Beginn des 20. Jahrhundert den größer werdenden Ladungen der Erntewagen nicht mehr gewachsen. In früherer Zeit war das Tor mit einem Spitzturm und vier Ecktürmchen versehen.
In einer alten Chronik fand der Heimatforscher Fritz Klein folgende Notiz: Auf dem Oberthurme sub Nov. 19 befindet sich die Wohnung des sogenannten Oberschützen und Nachtwächters, welcher sie frei bewohnt. Ursprünglich war dieses Thor mit einem ebenso stattlichen Thurme und vier Nebentürmchen geschmückt als die Kirche. Allein dieser Thurm gerieth am grünen Donnerstage 1769 durch Verwahrlosung des damaligen Schützen in Brand, wodurch er verloren ging.
Über dieses Ereignis berichtet der Chronist auf Seite 126 der Gemeinde-Chronik 1844: 1769, den 23. März, vormittags zwischen 8 und 9 Uhr, als am grünen Donnerstage, kam auf hiesigem Oberthore, welches von dem Schützen Anton Eberhard bewohnt wurde, Feuer auf, indem genannter Schütze 3 MdI. Schüttenstroh dort aufgespeichert hatte und beim Einheizen zu fahrlässig verfuhr, so daß jenes Stroh Feuer fing. Dabei ging nicht bloß der stattliche Oberbau des Thores verloren, sondern es sanken auch etwa 10 Wohnhäuser in Asche.
Dann zählt der Chronist die Besitzer der zerstörten Häuser auf. Die Schlußnotiz lautet: Diese Nachrichten hinterließ Christoph Gräuel, hiesiger Anspänner, und setzt nach denselben den Denkspruch: Sirach, Kap. 28, Vers 12:
Wenn des Holzes viel ist, wird das Feuer desto mehr;
und wenn die Leute gewaltig sind, wird der Zorn desto größer;
und wenn die Leute reich sind, wird der Zorn desto heftiger;
und wenn der Hader lange währet, so brennet’s desto mehr.
Vincent Eisfeld
Autor: red
Das Görsbacher Obertor (Foto: privat/Eisfeld)
Das alte Obertor von Görsbach (Bild) galt noch lange – obwohl es im Oktober 1920 beim Ausbau der Bachstraße abgebrochen werden musste – als Wahrzeichen des Dorfes. Beschrieben als ein stattlicher, mit roten Sandsteinquadern gemauerter Bau, war dessen bogenförmige Durchfahrt mit Beginn des 20. Jahrhundert den größer werdenden Ladungen der Erntewagen nicht mehr gewachsen. In früherer Zeit war das Tor mit einem Spitzturm und vier Ecktürmchen versehen.
In einer alten Chronik fand der Heimatforscher Fritz Klein folgende Notiz: Auf dem Oberthurme sub Nov. 19 befindet sich die Wohnung des sogenannten Oberschützen und Nachtwächters, welcher sie frei bewohnt. Ursprünglich war dieses Thor mit einem ebenso stattlichen Thurme und vier Nebentürmchen geschmückt als die Kirche. Allein dieser Thurm gerieth am grünen Donnerstage 1769 durch Verwahrlosung des damaligen Schützen in Brand, wodurch er verloren ging.
Über dieses Ereignis berichtet der Chronist auf Seite 126 der Gemeinde-Chronik 1844: 1769, den 23. März, vormittags zwischen 8 und 9 Uhr, als am grünen Donnerstage, kam auf hiesigem Oberthore, welches von dem Schützen Anton Eberhard bewohnt wurde, Feuer auf, indem genannter Schütze 3 MdI. Schüttenstroh dort aufgespeichert hatte und beim Einheizen zu fahrlässig verfuhr, so daß jenes Stroh Feuer fing. Dabei ging nicht bloß der stattliche Oberbau des Thores verloren, sondern es sanken auch etwa 10 Wohnhäuser in Asche.
Dann zählt der Chronist die Besitzer der zerstörten Häuser auf. Die Schlußnotiz lautet: Diese Nachrichten hinterließ Christoph Gräuel, hiesiger Anspänner, und setzt nach denselben den Denkspruch: Sirach, Kap. 28, Vers 12:
Wenn des Holzes viel ist, wird das Feuer desto mehr;
und wenn die Leute gewaltig sind, wird der Zorn desto größer;
und wenn die Leute reich sind, wird der Zorn desto heftiger;
und wenn der Hader lange währet, so brennet’s desto mehr.
Vincent Eisfeld
