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Im Gespräch

Peter Herbst: “Wir sind ‘ne richtig gute Bank!”

Mittwoch, 18. November 2020, 13:58 Uhr
Wer Peter Herbst, den Vorstand der Nordthüringer Volksbank, schon lange Jahre kennt, der kennt auch Sprüche wie: “das habe ich noch nicht erlebt”. Dabei hat der 59jährige in seiner Karriere als Banker schon nahezu alles erlebt. Dachte er - bis zum Jahr 2020…

Peter Herbst (Foto: privat) Peter Herbst (Foto: privat)
Bankenkrise, keine Zinsen auf Einlagen, immer mehr Regulierung - Peter Herbst musste sich an einiges gewöhnen, was im klassischen Bankerleben eigentlich nur schwer begreiflich sein sollte. Doch mit den Auswirkungen und bisherigen Folge der Corna-Krise wurde nahezu alles in den Schatten gestellt.

Für zwei Monate musste die Nordthüringer Volksbank in 50-Prozent-Kurzarbeit gehen, von 16 Filialen wurden 12 geschlossen. “Schon vor der Schließung gab es weniger Kundenkontakte, die Menschen hatten vor einem Kontakt einfach Angst. Hinzu kam die Situation, dass drei Viertel unserer Mitarbeiter Frauen sind und mit dem Corona-Lockdown einfach nicht wussten, wer denn ihre Kinder betreut? Schulen und Kindergärten? Fehlanzeige”, sagt Herbst und schiebt nach, dass es auch heute noch die größte Herausforderung sei, “den Laden am Laufen zu erhalten”.

Eine Corona-Arbeitsgruppe berät regelmäßig, beschäftigt sich mit der nahezu täglich wechselnden Gesetzes- oder Verordnungslage. In den Filialen im Kyffhäuserkreis sowie in den Landkreisen Nordhausen und Sömmerda waren Einzelbüros abgeschafft worden, plötzlich wurden sie zum Problem. “Herbst, der sich das Büro mit seinem Vorstandskollegen Marco Schmidt teilt, muss mit ihm und weiteren Mitarbeitern täglich Entscheidungen treffen und: die Woche teilen. Einmal ist er im Home Office, einmal Kollege Schmidt. Nur mittwochs sind beide “vor Ort”. Ähnlich geht es in den Bereichen Steuerung und IT zu. “Wenn zum Beispiel unsere beiden IT-Experten plötzlich ausfallen, dann gnade uns der Banken-Gott”. Peter Herbst ist nicht nach Lachen zumute.

Denn: Corona hat durchaus bereits Auswirkungen auf das tägliche Agieren. Das Provisionsgeschäft wird zurückgehen, im Kreditbereich werden die Parameter für eine Zu- oder Absage sich verändern und immer mehr stellt sich die Frage in der Zukunft: Wer bekommt noch einen Kredit? Hintergrund ist die sogenannte Schärfung der Früherkennungssysteme, da spielen Ratings oder Schufa plötzlich wieder eine entscheidendere Rolle. Hinzu kommt: Wer keine Zinsen für sein anzulegendes Vermögen bekommt, der flüchtet in Betongold oder richtiges Gold.

Für Peter Herbst ist klar, die Bankenwelt wird sich in den kommenden Jahren drastisch verändern, Corona wirkt da nur als Beschleuniger. “Wir werden in den nächsten Monaten wohl ernstlich über Negativzinsen, auch für Privatkunden im Neukundenbereich diskutieren müssen und ich finde: das ist furchtbar!” Und trotzdem sagt Herbst auch: “Wir sind ‘ne richtig gute Bank”, schließlich habe sich das Einlagengeschäft - trotz oder vielleicht wegen Corona? - weiterhin positiv entwickelt.

Aber: diese “richtig gute Bank” wird sich in den nächsten Jahren intensiv umschauen müssen. “Wir werden um weitere Zusammenschlüsse nicht umhin kommen und beobachten deshalb intensiv was um uns herum geschieht. Und können das von unserer Position der eigenen Stärke heraus auch tun.”
Peter-Stefan Greiner
Autor: psg

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