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16 Infektionen in Altenheim, weitere GU in Quarantäne

Dienstag, 17. November 2020, 16:00 Uhr
20 Neuinfektionen, eine weitere Gemeinschaftsunterkunft in Quarantäne, und Besucherstopp im Krankenhaus - die Lage im Landkreis Nordhausen spitzt sich zu. Statt „Grün“ zeigt die Karte nun auch den Südharz als „rote“ Region. Wie es um die Entwicklung steht hat die nnz zusammengetragen…

Rot statt Grün: im Moment gilt auch der Landkreis Nordhausen als Risikogebiet (Foto: Thüringer Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie) Rot statt Grün: im Moment gilt auch der Landkreis Nordhausen als Risikogebiet (Foto: Thüringer Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie)


Das Gesundheitsamt verzeichnete am Montag insgesamt neun Neuinfektionen. Heute sind 20 weitere Infektionen hinzugekommen, 16 davon in einem Altenpflegeheim (Stand 15 Uhr). Aufgrund der Häufung der Fälle brach das Landratsamt mit der Gepflogenheit, sich nicht näher zu Infektionen in medizinischen Einrichtungen zu äußern und teilte auch den Namen des betroffenen Altenheims mit.

Getroffen hat es das Pflegezentrum St. Josef der Caritas. Hier hatte man in der vergangenen Woche vier Fälle zu verzeichnen. In der Folge habe man seitdem „alle Register gezogen“, teilte Einrichtungsleiter Sven Gerlach der nnz am Nachmittag mit. Man habe den betroffenen Bereich separiert, Mitarbeiter dürfen sich hier nur noch in Vollschutz bewegen. Zudem wurde ein Besuchsverbot für das Haus ausgesprochen. „Das sind erschwerte Bedingungen für alle Beteiligten, sowohl für unsere Mitarbeiter wie auch für unsere Bewohner“, sagte Gerlach. Mit dem Gesundheitsamt und der Leitungsebene in Erfurt arbeite man „auf Hochtouren“ zusammen, sämtliche Bewohner und Mitarbeiter wurden gestern getestet. Zum Zeitpunkt des Gespräches waren die ersten Ergebnisse der Einrichtungsleitung nicht bekannt, die Mitteilung des Landratsamtes folgte kurze Zeit später. Noch sind nicht alle Tests abgeschlossen, es besteht die Möglichkeit das es nicht bei 16 Neuinfektionen bleibt.

Rechnerisch liegt der Landkreis damit nun deutlich über der Marke von 42 Neuinfektionen pro Woche (55.1 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner) und gilt als „rotes“ Risikogebiet. Die Zahl der Genesenen liegt, ebenfalls rein rechnerisch, bei 152 Personen. Die Daten des Landes verzeichneten gestern 10 Neuinfektionen für den Landkreis, da hier ein Fall vom Wochenende nachgetragen werden musste, der in der Statistik des Kreises bereits registriert war. In Folge der Tests am Herder-Gymnasium und an der Grundschule Heringen wurde jeweils eine Folgeinfektion bekannt.

Pläne für eine eigene Allgemeinverfügung, die über die Vorgaben des Landes hinausgehen könnte, gebe es aktuell nicht, teilt das Landratsamt weiter mit.

Krankenhaus dementiert Gerüchte

Seit gestern gilt am Südharz-Klinikum ein generelles Besuchsverbot mit wenigen Ausnahmen. Wie die nnz erfahren hat, befinden sich hier zur Zeit neun Corona-Patienen in Behandlungen, wobei drei Personen auf der Intensivstation betreut werden. Wie das Klinikum mitteilt, habe es auch personelle Ausfälle gegeben, die Betroffenen befänden sich in regulärer Quarantäne und müssen nicht im Krankenhaus behandelt werden.

Entgegen der Gerüchteküche habe es im Krankenhaus am Wochenende keine Ausfälle gegeben, alle Stationen wie auch die Notaufnahme arbeiten wie gewohnt. „Die zentrale Notaufnahme im Südharz Klinikum war auch am vergangenen Wochenende zu keinem Zeitpunkt abgemeldet bzw. nicht Einsatzfähig. Diese betrifft auch unsere Stationen im Klinikum. Alle Stationen waren jederzeit im Einsatz. Es war keine Station geschlossen und es gab bzw. gibt kein Aufnahmestopp.“, teilt die Klinikleitung mit. So Personal kurzfristig ausfällt, könne man auf entsprechende Planungen zurückgreifen und schnell reagieren.

Weitere Gemeinschaftsunterkunft unter Quarantäne

Nach der GU Sülzhayn wurde nun auch die GU in der Grimmelallee unter Quarantäne gestellt. Anders als in Sülzhayn verfügen die Bewohner der Grimmelallee nicht über abgetrennte Wohneinheiten, Küche und sanitäre Einrichtungen müssen von mehreren Familien gemeinsam genutzt werden.

Weitere Infektionsfälle innerhalb der Gemeinschaftsunterkünfte sind im Moment nicht bekannt. Allerdings werden hier noch Testergebnisse erwartet. Neben der Abschottung ganzer Einrichtungen habe man auch die Möglichkeit, infizierte Personen extern kurzfristig in Wohnungen unterzubringen und zu isolieren, so es die Situation zulasse und mögliche Infektionsketten rechtzeitig identifiziert werden können. Zudem wurde das Objekt des Landkreises bei Rothesütte als mögliche „Quarantänebehelfseinrichtung“ eingerichtet. Die ehemalige Grenzkaserne wurde während der Flüchtlingskrise zur Unterbringung von unbegleiteten Minderjährigen genutzt und jüngst als Herberge für das „Harzer Hexenreich“ eingeplant. Als Quarantäneeinrichtung könne das Gebäude nun auch Abseits des Asylbereichs genutzt werden um im Fall der Fälle größere Personengruppen isolieren zu können.


Der Blick über den Tellerrand

Laut dem „Klinik-Monitor Deutschland“ sind landesweit im Moment 3.518 oder 12 Prozent der Intensivbetten mit Coronapatienten belegt (Stand 17.11.). Weitere 65 Prozent (18.303 Betten) sind durch andere Notfälle belegt. Es verbleiben 6.516 freie Betten, also 23 Prozent der Gesamtkapazität. Rund 10 Prozent der Kliniken gelten aus ausgelastet, 39 Prozent melden erste Engpässe.

In Thüringen sind 84 Betten mit Corona-Patienten belegt, 654 mit anderen Fällen. Die freien Kapazitäten liegen laut Monitor bei 281 Betten oder rund 30 Prozent.

Für den Kreis Nordhausen verzeichnet der Freistaat 39 stationäre Einweisungen und 12 schwere Verläufe.
Angelo Glashagel

Update 16:10 Uhr: Wie das Landratsamt mitteilt wurden heute nun insgesamt 39 Neuinfektionen festgestellt, wobei 31 auf das St. Josefshaus entfallen. Bisher wurden 19 Bewohner und 12 Pflegekräfte positiv getestet. Das Landratsamt weist darauf hin, dass es sich bei den Zahlen von 15:30 Uhr um einen Zwischenstand handelt, weitere positive Testergebnisse können nicht ausgeschlossen werden.
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