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nnz-Rückspiegel: 25. Oktober 2000

Donnerstag, 25. Oktober 2001, 09:15 Uhr
Nordhausen (nnz). Können Sie sich noch erinnern, was vor einem Jahr im Landkreis Nordhausen los war? Die nnz hat im Archiv gesucht und folgende Meldungen gefunden.


Mitten im Herbst: „Frühlings Erwachen“ erneut im Theater-Spielplan

Das Nordhäuser Theater hat die Produktion des Jugendclubs „Frühlings Erwachen“ wieder in sein Programm aufgenommen. Das Stück um Lust und Leid der Pubertät wird heute um 19.30 Uhr wieder im Theater unterm Dach (TuD) gespielt. Der Schauspieler Ralph Jung leitet seit der vergangenen Spielzeit des zweiten Theaterjugendclub und hat das Stück nach Frank Wedekind inszeniert. Der Jugendclub wurde mit „Frühlings Erwachen“ zu den Thüringer Jugendtheatertagen eingeladen und spielt Ende November in der „Schotte“ in Erfurt.

Die nächste Vorstellung im TuD ist für den 8. November, um 18 Uhr vorgesehen. Karten gibt es für 8 Mark bzw. 6 Mark (ermäßigt) an der Theaterkasse oder im Internet. Hierzu einfach auf die Link-Site bei nnz-online klicken und dann weiter zum Theater.


Theuerkauf-Brief an Dietrich Beyse (CDU) blieb bis heute unbeantwortet

Die Wahl der beiden hauptamtlichen Beigeordneten der Kreisverwaltung ist gestern im Kreistag in eine neue Phase gegangen. Wie die nnz bereits gestern schon berichtete, wurde der Antrag des Landrates zur Aufhebung der Wahlbeschlüsse durch die Mehrheit von SPD und PDS abgelehnt. Bereits im Vorfeld der Kreistagssitzung unternahm die Nordhäuser SPD Versuche, einer weiteren Konfrontation zu begegnen. So schrieb der SPD-Ortsvorsitzende Winfried Theuerkauf einen Brief am 19.10.00 an den Ortsvorsitzenden der CDU, Dietrich Beyse. Eine Antwort seitens Dietrich Beyse gab es bis gestern nicht.
nnz liegt dieser Brief vor, den wir an dieser Stelle veröffentlichen:

„Sehr geehrter Dietrich Beyse,
ich wende mich heute als Ortsvorsitzender der SPD-Nordhausen und als Mitglied des Kreistages Nordhausen an Sie. Die Verhältnisse im Kreistag zwingen mich dazu, Ihnen meine Gesichtspunkte zur Situation im Landkreis Nordhausen zu erklären, da ich das demokratische Wirken unserer beiden Volksparteien gefährdet sehe. Und zudem die Gefahr besteht, daß diese Umstände auch im Nachgang den politischen Umgang in der Stadt Nordhausen verändern könnten.

Leider ist es nie gelungen, die konstruktive Streitkultur des Nordhäuser Stadtrates auch im Kreistag zu etablieren, obwohl sicher Sie und ebenso andere Nordhäuser CDU-Vertreter des Kreistages daran ein bekundetes Interesse haben. Ich möchte daran erinnern, daß Ihnen schon einmal eine entscheidende Situation auf diesem Weg entgangen ist, weil Sie auch da das Handeln anderen aus Ihrer Kreistagsfraktion überlassen haben, die bis heute nur an Streit und Machterhalt interessiert sind. Es war die Situation nach der letzten Kreistagswahl, nach der die SPD ein klares Koalitionsangebot an die Kreis-CDU abgegeben hatte, aber darauf von Ihrem Fraktionsvorsitzenden Egon Primas eine ebenso klare Absage erhielt. Sicher heute berichtet Herr Primas häufig, es habe auch ein Koalitionsangebot an die SPD gegeben, doch kam dieses praktisch viel zu spät und zudem im Nachgang an die dann vorgenommene Verständigung der beiden Oppositionsparteien des Kreistages. Heute wird dies von einigen Ihrer Fraktion immer wieder bedauert. Doch scheint mir, der gleiche Fehler wird zur Zeit noch einmal gemacht. Zwar geht es nicht um eine anstehende Koalitionsfrage, doch sogar weit wichtiger, geht es im Moment um das grundsätzliche Fundament der Zusammenarbeit aller Parteien.

Es ist nämlich nicht hinnehmbar, daß es aus Ihrer Kreistagsfraktion Stimmen gibt, die jede Form der Zusammenarbeit mit Vertretern anderer Parteien grundsätzlich ablehnen. So zeigt der Streit um die Beigeordnetenbesetzung, daß es gar nicht um Qualifikationen oder andere akzeptable Kriterien geht, sondern vielmehr nur grundsätzlich um die Verhinderung insbesondere von SPD-Personen. Auch die fortlaufende Verbindung von Einstellung der Ex-Beigeordneten Uebner und Goutier ins Landratsamt und das Angebot von Herrn Primas (zugleich ja CDU-Landtagsabgeordneter) dann die Einwände des Landesverwaltungsamtes aus dem Weg zu räumen, zeigt eine völlig undemokratische Einstellung gegenüber dem Verfassungsgut der Wahl.

Ich kann nur nachdrücklich appellieren, setzen Sie sich mit dafür ein, daß diesem Treiben ein Ende gesetzt wird. Als fair betrachte ich in diesem Zusammenhang die öffentlichen Äußerungen von Herrn Pape (zugleich stellv. Fraktionsvorsitzender der CDU im Kreistag), welcher die fachlichen Befähigungen von Matthias Jendricke außer Zweifel stellte. Zwar bekunden auch andere Vertreter der CDU aus Nordhausen diese Ansicht, doch wird dies im Handeln Ihrer Partei nicht spürbar. So hat Ihr Fraktionsvorsitzender im letzten Kreisausschuß ein Kompromißangebot meinerseits wiederum ausgeschlagen.
Insbesondere durch die bestandene Diplomprüfung von Matthias Jendricke am 6.10.00 im Studienfach der Betriebswirtschaftslehre der öffentlichen Betriebe und Verwaltungen hätte man ihn ohne Argumentationsnot ernennen können. Vor allem möchte ich noch mal feststellen, daß keiner je von der CDU aufgestellten Bewerber für solch ein Amt, bisher einen vergleichbaren Spezialabschluß einer Universität vorweisen konnte. Ich habe Ihnen das Schreiben des Professors der Universität Göttingen mitgeschickt, um vielleicht doch noch, durch Ihr Mitwirken bis zum nächsten Kreistag eine Verständigung herbeiführen zu können.
Aus Sicht der SPD ist andernfalls eine gerichtliche Klärung unabwendbar, da ein derartiges Vorgehen von uns absolut nicht hingenommen werden kann. Zumal nicht einmal bei der Neubesetzung des zweiten Beigeordneten eine neue Ausschreibung der Stelle in Sicht ist, obwohl doch hier Klaus Gorges seit geraumer Zeit freiwillig auf sein Amt verzichtet hat.
Ich denke als Ortsvorsitzender der CDU und Beigeordneter in der Stadt Nordhausen sowie CDU-Kreistagsmitglied sind Sie in der Angelegenheit der richtige Ansprechpartner. Für eine mögliche Verständigung in der Sache stehe ich Ihnen natürlich bis zum Kreistag gerne zur Verfügung, im Falle des Scheiterns behalte ich mir die Veröffentlichung dieses Schreibens ausdrücklich vor. Ich werde diesen Brief auch zur Kenntnisnahme an die anderen CDU-Kreistagsmitglieder aus Nordhausen Herrn Pape, Frau Busch, Herrn Nüßle und Frau Dr. Schröter versenden.

Nordhausen, den 19.10.2000
Mit freundlichen Grüßen
Winfried Theuerkauf
Ortsvorsitzender der SPD Nordhausen“


Kreistag beschloß Bau von Turnhallen in Bleicherode und Heringen

Der Nordhäuser Kreistag hat gestern grünes Licht für den Neubau von Schulsporthallen für das Staatliche Gymnasium in Bleicherode sowie für die Grund- und Regelschule in Heringen gegeben.

Mit dem Bau der Turnhalle in Bleicherode soll bereits im kommenden Jahr begonnen werden. Hierfür stehen mehr als zehn Millionen Mark zur Verfügung. In Übereinstimmung mit der Stadtverwaltung Bleicherode sieht die Planung auch eine Erweiterung der Räumlichkeiten vor. Danach könnten bei sportlichen und kulturellen Veranstaltungen bis zu 400 Zuschauer Platz finden. Die Stadt Bleicherode wird sich an den Kosten beteiligen.

Eine ähnliche Variante für den Bau wurde auch am Standort Heringen gefunden. Hier sieht die Planung neben der eigentlichen Schulsporthalle auch einen Fitneßraum, ein Vereinszimmer, Umkleidemöglichkeiten und zusätzliche Tribünenplätze für 162 Zuschauer vor. Mit dem Neubau, der insgesamt 7,7 Millionen Mark kosten wird, soll im Jahr 2002 begonnen werden. Mit der Fertigstellung des Vorhabens wird in Heringen im Jahr 2004 gerechnet, bereits im Jahr 2003 soll die Turnhalle in Bleicherode fertig sein.


Nutzerversammlung im Offenen Kanal

Am Montag, 30. Oktober findet um 19.30 Uhr in den Räumen des Offenen Kanals Nordhausen eine Nutzerversammlung statt. Alle eingetragenen Nutzer des Senders sind herzlich eingeladen, über die Schwerpunkte Sendezeiterweiterung und inhaltliche Projekte zu diskutieren. Alle Bürger, die Interesse am Bürgerradio haben und sich informieren möchten, sind ebenso herzlich eingeladen.


Dr. Hermann Scheer kommt heute nach Nordhausen

Heute kommt Dr. Hermann Scheer in die Rolandstadt. Das Mitglied des Deutschen Bundestages und Präsident von EUROSOLAR hält um 18.00 Uhr in der Aula des Herder-Gymnasiums Nordhausen, Wiedigsburg 7, einen Vortrag zum Thema „Solare Weltwirtschaft ­ Strategie für die Ökologische Moderne“.

Der Träger des Alternativen Nobelpreises 1999 hat sich besonders durch seine wissenschaftlichen Arbeiten zur Nutzung der Solarenergie weltweit einen Namen gemacht. Er war Schirmherr der 5. Umweltfesttage des Landkreises, die in diesem Jahr unter dem Motto standen „Unsere Energie für die Energien der Zukunft“.

Alle interessierten Bürgerinnen und Bürger, vor allem aber auch Schüler, Studenten und Lehrerschaft, sollten sich die persönliche Begegnung mit Hermann Scheer nicht entgehen lassen. Der Eintritt ist frei.


Neanderklinik für komplexe und regionale medizinische Versorgung ­ Kooperation angestrebt

Die Belegungszahlen im Reha-Bereich der Ilfelder Neanderklinik sollen in den kommenden Monaten deutlich gesteigert werden. Davon geht Geschäftsführerin Ulrike Gothe in einem Gespräch mit nnz aus. Derzeit seien die Zahlen eher stagnierend. Die rund 130 Betten sind lediglich zu 40 Prozent ausgelastet. Vor allem die Nachfrage nach Kuren sei in den zurückliegenden Jahren deutlich nach unten gegangen.

Die Klinikleitung sucht derzeit nach Alternativen, um die Auslastung wieder in eine profitable Größenordnung zu bringen. So wird eine Kooperation mit dem Nordhäuser Südharz-Krankenhaus angestrebt (nnz berichtete). Patienten, die in Nordhausen ein Akutbehandlung hinter sich gebracht haben, sollten zur Anschlußbehandlung an den Rand des Südharzes geschickt werden. Mit diesen Verhandlungen will die Klinikleitung in Ilfeld auch Stärke gegenüber den Krankenkassen zeigen und verdeutlichen, daß es weitergeht. Noch immer kommt es vor, daß Patienten aus Nordthüringer Krankenhäusern zur Rehabilitation nach Bayern geschickt werden. Hier sollte die Region doch künftig besser zusammenhalten, appelliert Gothe.

In Niedersachsen handhaben Krankenkassen dieses „Regionalprinzip“ sehr resolut. So mußten Patienten aus Niedersachsen auf Drängen der dortigen AOK ihre bereits begonnene Rehabilitation in Ilfeld abbrechen und wurden nach Bad Lauterberg gefahren.

Sorgen bereitet den Ilfeldern auch das Aufkommen an Kuren. Obwohl der Gesetzgeber einen Kuranspruch festgeschrieben hat, kommen kaum noch Gäste in den Südharz. „Zur Zeit haben wir nur noch wenige Kurgäste im Haus, vor Jahren waren es bis zu 150, aber wir sind da keine Ausnahme“, bilanziert Ulrike Gothe. Gut belegt ist dagegen der Pflegebereich der Neanderklinik. Hier seien die Plätze fast ausgebucht.


Klettenberger Domäne soll neuer Verwaltungssitz werden

Wer in der zurückliegenden Zeit durch Mackenrode gefahren ist, der bemerkt unmittelbar an der B 243 einige Veränderungen. Nicht nur private Initiative zahlt sich aus, auch die Kommune trägt ihren Teil dazu bei.

Am Sitz der Verwaltung wurde eine Schieferfassade angebracht, im Innern wird saniert. Schließlich soll das Haus in zwei oder drei Jahren zum einem dörflichen Zentrum umfunktioniert werden, erläutert Bürgermeister Martin Höche.

Der Sitz der Verwaltung inklusive Meldestelle soll dann in der „Domäne“ in Klettenberg, einem ehemaligen Rittergut etabliert werden. „Der Stil des Bauwerkes paßt einfach zu uns, zu unser ländlich dominierten Region“, meint Höche. Im kommenden Jahr soll es mit dem Um- und Ausbau des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes losgehen. Bis dahin erwartet Martin Höche auch den entsprechenden Fördermittelbescheid, denn ohne Zuschüsse kann sich die Gemeinde Hohenstein mit 3.200 Einwohnern in neun Ortsteilen das alles nicht leisten.


Anmerkung der nnz: Der Brief von Winfried Theuerkauf ist bei den Adressaten erst zum Ende der vergangenen Woche eingegangen. Wie Stefan Nüßle (CDU) der nnz sagte, habe Dietrich Beyse das Schreiben erst am Montag erhalten. Bereits am Wochenende soll es erste telefonische Kontakte zwischen Vertretern der CDU und SPD gegeben haben, jedoch ohne Ergebnis. Beide Seiten sind jedoch bestrebt, in dieser verfahrenen Situation nach Lösungen zu suchen. Nüßle kündigte gegenüber der nnz an, daß sich in den kommenden Tagen eine größere Runde von Kommunalpolitikern aus CDU und SPD treffen werde.


Bürgerinitiative: Offener Brief an Windehäuser Gemeinderäte

In einem offenen Brief wendet sich die Bürgerinitiative zur Rettung der Goldenen Aue an die Mitglieder des Gemeinderates von Windehausen. nnz veröffentlicht das Schreiben:

„Wir wenden uns heute an Sie in Ihrer Funktion als Mitglied des Gemeinderates Windehausens und somit als engagierten Bürger. Sicherlich ist Ihnen die Diskussion der letzten Wochen über das „Industriegebiet Goldene Aue“ nicht entgangen. Wir als Bürgerinitiative, in der auch viele Ihrer Mitbürger aktiv geworden sind, haben uns unter anderem zur Aufgabe gemacht, unsere Gemeindevertreter über deren Ansicht zu diesem Problem, sowie über die damals in den Gemeinderäten durchgeführten Diskussionen über eine Industrieansiedlung in der Goldenen Aue zu befragen. Für uns wäre es von großer Bedeutung zu erfahren, in wie weit Sie über die wirklichen Planungsziele und deren Auswirkung, auch auf Ihr persönliches Umfeld, umfassend informiert wurden. Da die Tragweite dieses Projektes jeden Bürger der „Goldenen Aue“ betrifft, positiv oder negativ, müssen alle Auswirkungen angesprochen und geprüft werden. Alle Gemeinderäte haben sich seinerzeit für eine Industrieansiedlung ausgesprochen.

Wir gehen davon aus, da die Planungsunterlagen jetzt öffentlich ausliegen, dass jeder, der verantwortungsbewusst mit dem Schicksal der Goldenen Aue umgeht, den genauen Inhalt kennt und sich persönlich die Planungsunterlagen angesehen hat. Sie müssen nun die heutigen Fakten mit denen vergleichen, die damals Ihre Entscheidung beeinflusst haben. Sie haben das Recht und wir denken auch die Pflicht, als von Ihren Mitbürgern gewählter Vertreter, Entscheidungen zu überprüfen und auch den Mut zu haben, diese ggf. zu revidieren, wenn Sie neue Erkenntnisse erlangen. Nur durch umfassende Information werden Sie in die Lage versetzt, sich gegenüber Ihren Mitbürgern, die in großer Anzahl gegen dieses Industriegebiet stimmen, zu rechtfertigen. Sie sind nun verantwortlich dafür, was letztlich mit der Goldenen Aue geschieht. Daher unsere eindringliche Bitte: Warten Sie mit der Abstimmung zur Änderung des Flächennutzungsplanes für dieses Gebiet, bis Sie sich über alle Auswirkungen im Klaren sind. Bitte informieren Sie sich z.B. darüber, ob eine große Zahl der angestrebten Arbeitsplätze überhaupt je erreicht werden kann, ob zehn Jahre nach der Wende noch seriöse Großindustrie, die auch hier ihre Steuern zahlt, angesiedelt werden kann, oder ob sich letztendlich nicht doch diejenigen Betriebe ansiedeln, die auch aufgrund ihrer Emissionen nur hier geduldet werden und anderswo strikt abgelehnt werden. Fragen Sie letztendlich ihr Gewissen, ob Sie später eine solche Naturzerstörung rechtfertigen können, denn Sie sind für die Folgen für Ihre Gemeinde verantwortlich. Sehen Sie sich in anderen Kommunen um, in denen die gleichen Fehler gemacht wurden und wo die Gemeinde noch heute für die Planungs-und Erschliessungskosten Schulden tilgen muß. Bitte nutzen Sie jetzt die Gelegenheit! Sehen Sie sich die Planungsunterlagen an und überdenken Sie Ihre Entscheidung auch im Hinblick darauf, dass die meisten Windehäuser Bürger gegen dieses Industriegebiet sind.

Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie uns Ihre Meinung mitteilen würden, denn letztendlich haben wir das gleiche Ziel: Auch wir wollen das Beste für die Goldene Aue, für eine lebenswerte Zukunft!

Mit freundlichen Grüssen

Im Namen der Bürgerinitiative: Reinhard Kaiser, Monika Teuber, Gerhard Lüttge, Lutz Wedekind


Der politische Schaden für den Landkreis kann noch größer werden

Die „ kommunalpolitische Welt“ im Landkreis Nordhausen ist spätestens seit dem 5. September 2000 nicht mehr in Ordnung. nnz-Leser verfolgen die Vorgänge und Entwicklungen sehr aufmerksam. An dieser Stelle nun eine Betrachtung von nnz-Leser Volker Theuerkauf:

„Wiederholt liest man in dieser Zeitung, von den Querelen um die Wahl des Beigeordneten Jendricke. Es dürfte für viele Leser unerheblich sein, wie die gewählten Beigeordneten heißen, weil auch die wenigsten die Aufgaben dieser Leute kennen. So blieb auch das bisherige Wirken der Beigeordneten Uebner und
Goutier eher unbeachtet. Allerdings stellt sich die Frage, warum eigentlich eine relativ unbedeutende Wahl von Beigeordneten für soviel Wirbel sorgt und geeignet ist, den Kreistag wochenlang zu beschäftigen und damit die Bearbeitung von Sachfragen im Sinne der Bürger des Landkreises in den Hintergrund treten läßt?

Es kann doch nicht nur Neid von einigen Abgeordneten auf einen gut bezahlten Job bei der Kreisverwaltung dahinter stehen. Das wäre wirklich zu wenig und ließe bereits hier erkennen, daß diesen Abgeordneten wohl eigene Befindlichkeiten wichtiger sind als das Gemeinwohl. Jeder sollte wissen, daß Beigeordnete, allgemein formuliert, eine unterstützende Aufgabe für den Landrat wahrnehmen und Einblicke in tiefgreifende Zusammenhänge der Verwaltung haben.

Eine entsprechende Qualifikation und das notwendige Einfühlungsvermögen in Sachzusammenhänge ist für das Amt eines Beigeordneten unerläßlich. Wer als Leser bisher aufmerksam die Artikel dieser Zeitung verfolgte, ist auch darüber informiert, daß bei der Kreisverwaltung Haushaltslöcher in nicht unbeachtlicher Größenordnung entstanden sind. Verantwortlich ist und bleibt der Chef der Kreisverwaltung, Landrat Joachim Claus, als Mitglied der CDU. Die bisherigen Beigeordneten Uebner und Goutier müssen sich die Frage stellen lassen, inwieweit sie hier ihrer Verantwortung gerecht wurden und diese Verantwortung aufgrund ihrer Qualifikation, die bei Jendricke im Zeitpunkt der Wahl ja bemängelt wurde, überhaupt gerecht werden konnten ?

Wenn zudem noch bekannt ist, daß Herr Jendricke als ordentlich
gewählter Beigeordneter der SPD, ein Studium der Betriebswirtschaft absolvierte und zukünftig die oben erwähnten Einblicke bekommen wird, welche bisher den CDU-Beigeordneten Uebner und Goutier vorbehalten waren, dann gewinnt der Widerspruch der CDU, gegen eine bisher ordentliche Wahl an Bedeutung, ja angesichts ungedeckter Haushaltslöcher sogar eine erhöhte Brisanz.

Herr Claus kann natürlich öffentlich und freimütig die Aussage machen, daß es ihm nicht um die Person des Herrn Jendricke gehe. Nein Herr Landrat, hier geht es um mehr, nämlich um eine glaubwürdige Politik der CDU im Landkreis Nordhausen, die Sie wesentlich mit gestalten können. Diese Konstellationen lassen allerdings erhebliche Zweifel aufkommen und es wäre an der Zeit, die Bürger eines Besseren zu belehren. Bleibt abzuwarten wie lange dieses Hick-Hack noch andauert und ob es im Landesverwaltungsamt auch Leute mit Rückgrat gibt, die jetzt durch entsprechenden Amtsbescheid die Wahl aufheben und somit ihrer Forderung zur Aufhebung der Wahl an den Landrat Nachdruck verleihen. Bereits heute ist sicher, sollte es sich lediglich um eine großangelegte CDU-Verschleppungstaktik handeln, um einen Amtsantritt Jendrickes zu verhindern, wird diese sich selbst entlarven und einen noch größeren politischen Schaden nach sich ziehen.

Volker Theuerkauf (parteilos).
Autor: nnz

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