Forumsbeitrag zum Wandbild in Nordhausen-Nord
Erinnern. Erhalten. Neu denken. Handeln
Sonntag, 06. September 2020, 16:10 Uhr
Das ist das Motto des diesjährigen virtuell stattfindenden Tages des offenen Denkmals. Es ist gut gewählt. Ich komme im Folgenden in diesem Zusammenhang auf ein derzeit schwelendes Problem zu sprechen, über das Frau Kneffel in der NNZ mehrfach berichtete: Das unter einer Dämmung dahindämmernde Wandbild Werner Wagners Den Kindern gewidmet...
Erinnern wir uns: Der Krieg hat das über die Jahrhunderte gewachsene Bild unserer Stadt weitestgehend zerstört. Vieles erinnert noch an das Alte: Der Roland, das Rathaus, das Kunsthaus Meyenburg, Teile der alten Stadtmauer, Dom und Blasii, bürgerliche Villen aus der Gründerzeit, der Bahnhof…und vieles mehr. Die Trümmer sind längst geräumt. In 75 Friedensjahren ist Neues entstanden. Oft sind es Kunstwerke oder besondere Bauten, die der Kultur des öffentlichen Raumes ihr besonderes Gepräge verleihen. Wir sind ästhetisch begabte Wesen! Diesem Umstand hat die Bundespolitik Rechnung getragen, indem sie einen Leitfaden verfasste, der vorgibt, dass jeder Bauherr die Investition von 1% seiner projektgebundenen Baukosten in Form von Kunst am Bau als seine selbstverständliche Verpflichtung verstehen sollte.
Auch die DDR hielt sich an diese üblichen Spielregeln. Der Leitfaden gilt ausdrücklich sowohl für die Realisierung neuer als auch für den nachhaltigen Umgang mit schon bestehender Kunst am Bau. Aus diesem Grunde hatte sich Frau Kneffel an die Geschäftsführerin der SWG, Frau Klaan, gewandt, da Frau Kneffel der Auffassung ist, dass das rege Baugeschehen in Nord der richtige Zeitpunkt für eine Wiedergutmachung am Wandbild Werner Wagners sei.
Erhalten: Vieles, was den Krieg beschädigt überstanden hatte, ist in der Folge trotz hervorragender Denkmalschutzgesetze der DDR Zeit zum Opfer gefallen. Aber immer hat man, wo Neues entstand, auch in Kunst am Bau investiert. Wer aufmerksam durch unsere Straßen flaniert, wird das bemerken. Da sind zahlreiche figürliche Kunstwerke, Häuser im Stil der jeweiligen Zeit, Sgraffitti an Hauswänden, die Zeitkolorit und damit Geschichte dokumentieren.
Die Platte kennt jeder, damals noch Arbeiterwohnregale genannt. Und doch scheint die Platte besser als ihr Ruf, wie sonst ließe sich erklären, dass Renovierungsarbeiten für Wohnungsbaugesellschaften sich durchaus zu rentieren scheinen. Rege Bautätigkeit im gut nachgefragten Quartier Nord bestätigt das. Das Viertel ist weitestgehend im letzten Jahrzehnt der DDR konzipiert worden. Es ist stark frequentiert, was vor allem auch der Existenz des dortigen Krankenhauses geschuldet ist. Kunst gibt es da ebenfalls zu sehen, hauptsächlich figürliche. Und – es gibt vor allem auch das sehr schöne Wandbild, Den Kindern Nordhausens gewidmet. Viele Eltern, die in den Achzigern mit ihren Kindern in Nordhausen Nord ihre Wohnungen bezogen haben, werden sich erinnern. Neun Jahre begrüßte es an der Wand des heutigen Begegnungszentrums die Vorüberziehenden. Ein Dokument qualitativ gelungener DDR Kunst, weit ab von politischer Infiltration.
Geschaffen von Werner Wagner, geboren 1935, damals in Weimar ansässig, heute in Neuruppin lebend.
1991 schritt man von Seiten der Stadt offensichtlich zur kulturellen Bewahrungstat, indem man das Werk verhüllte. Vielleicht ein Vorgriff nach Christo-Art? Oder wollte man es vorm sauren Regen schützen? Hatte man eventuell Angst vor Vandalismus? Der Rinderwahnsinn machte damals die Runde. (Ironie!) Eine Mundschutz - Dämmung vielleicht, in vorauseilendem Gehorsam, die neuen alten Geister zu besänftigen? Man erkennt, alles ungeklärt Rätselhafte birgt Raum für Verschwörungstheorien. Das Naheliegende, eine Wärmedämmung etwa? Diese hätte man doch wohl gewiss im Bewusstsein des erhaltenswerten Kunstwerkes von innen vorgenommen. Man stelle sich doch nur mal vor, in Mailand wäre jemand auf die absurde Idee verfallen, Leonardos Abendmahl a. G. der durchfeuchteten Wand mit einer Dämmung zu verhüllen. Unvorstellbar. Das hat etwas mit dem respektvollen Umgang mit Kunst zu tun und natürlich auch mit der Würdigung menschlichen Schöpfertums.
Zum Glück aber besteht ja eine Dokumentationspflicht, so dass das momentan kulturell zuständige Stadtbeamtentum die Intention seiner Vorgänger, die damals ressourcenaufwendige Verhüllungsaktion betreffend, den Nordhäuser Bürgern, heute sinnfällig offenbaren kann.
Nach langem Schweigen erhielt Frau Kneffel dann, in gutem Amtsdeutsch verfasst, eine kurze Antwort. Das derzeit technisch nicht notwendige Abnehmen der Dämmschicht hätte in jedem Fall eine kostenintensivere bautechnische Maßnahme an der Wand auf der Innenseite des Gebäudes zur Folge, um den technischen Normen Rechnung zu tragen. … Wir bitten um Verständnis, dass wir uns zu einer ressourcenschonenden Umsetzung entschieden haben und die Fassade nur reinigen werden. Diese Aussage finde ich auch aus einem anderen Grund ausgesprochen lehrreich. Hinter der Wand des Begegnungszentrums gibt es nämlich keine Wohnungen, die winters täglich auf Temperatur gehalten werden müssen wie im nebenstehenden Wohnblock der SWG. Dieser erhält keine Dämmung, da dafür keinerlei Grund bestünde. Das hat Frau Klaan auf Nachfrage einer Bewohnerin der Stolberger Straße 133 dieser persönlich anlässlich einer Anwohnerversammlung geantwortet. Jetzt frage ich mich natürlich, ich wohne ebenfalls in der nebenstehenden 133, ob der SWG nur die eigenen Ressourcen am Herzen liegen – weil - im großen Miethaus nebenan sind ja die Mieter für die Nebenkosten zuständig. Gelten denn die angeführten heutigen technischen Normen für diese nicht?
Die beim Verkauf bereits vorhandene Schutzdämmung am Begegnungszentrum soll also ressourcenschonend sein und wird von der SWG als eine Maßnahme zur besonderen Bewahrung heute geltender technischer Normen geführt. Das tapfere Schneiderlein, alles auf einen Streich: ressourcenschonend, nachhaltig, bewahrend – technisch und ideell! Ideell betrachtet kann es von öffentlichem Interesse sein, … (Klaan) Für spätere Generationen quasi, den Kindern Nordhausens, damit die auch noch was Schönes entdecken können. Hoffentlich hält die Platte durch! Denn, wie Frau Klaan Frau Kneffel schriftlich weiter darstellte, könne das Gemälde auch für die nächsten Generationen erhalten bleiben. Natürlich unter der Voraussetzung, man habe technisch alles richtig verhüllt - damals.
Wir bitten um Verständnis… Nein, ich habe dafür kein Verständnis. Was du heute kannst besorgen…
Neu denken.: Die neue Zeit braucht das Tradierte. Wenn künstliche Intelligenz allein regierte, gäbe es nur zwei Zustände, Null und Eins, könnte man nur noch Quantitäten, niemals jedoch Qualitäten erfassen, so dass die Dinge ausschließlich gezählt werden müssten, selbst aber nichts mehr zu erzählen hätten. Das ist im Hinblick auf das Begriffsverständnis Ressource von Bedeutung.
Was ist eine Ressource und wie gehe ich mit ihr um? Eine Ressource ist ein Gut, das der Mensch zum Leben braucht und auf das er jederzeit zurückgreifen kann: Rohstoffe, Baustoffe, Arbeitskräfte, Geld, Nahrung, … All das ist zählbar, weil materiell begründbar. Wenn wir aber unsere Geschichte befragen, dann wollen wir von Geschichten hören, von dem, was den Menschen über das Maß der Befriedigung seiner materiellen Bedürfnisse hinaus erst zum Menschen hat werden lassen.
Kunst und Kultur ist Menschwerdung, ist eine der wichtigsten Ressourcen der Menschheit, weil sie DAS Alleinstellungsmerkmal ist, das sie vor allen anderen Wesen in hervorragendem Maße auszeichnet. Davon erzählt Wagners Wandbild und deswegen hat er es den Kleinen gewidmet, den Kindern. Die formale Ästhetik seiner qualitätsvollen künstlerischen Arbeit lässt ihre Zeit erkennen. Das ist aber mitnichten schlecht, vielmehr ist es gerade ein Qualitätsmerkmal von Kunst, denn sie muss in ihrer Zeit wirken, nur so entstehen jene Geschichten, die uns etwas über unsere Herkunft erzählen können. Und deswegen begehen wir jedes Jahr im September den Tag des offenen Denkmals.
Denk mal – ein ästhetischer Imperativ zur Standortbestimmung. Wie man ja auch nicht zuletzt durch den Gebrauch moderner Navigationstechnik weiß, ist diese für die Zielorientierung ein Muss. Insofern ist Kunst eine Ressource, die nicht geschont zu werden braucht. Ein respektvoller Umgang mit ihr reicht aus. Das bedeutet, dass jede Investition in gute zeitgenössische Kunst auch eine Investition in die Zukunft ist. Da aber Morgen die Zukunft von heute schon Vergangenheit ist, bedeutet das, dass wir heute gegenüber den schon bestehenden Kunstwerken des öffentlichen Raumes zu deren Erhalt verpflichtet sind. Solches bezeichnet man dann als respektvollen Umgang mit Kulturgütern, denn diese prägen Räume, verleihen ihnen Individualität und menschliche Wärme. Die Dämmung der Wand am Begegnungszentrum hatte vormals nach Lage aller Fakten offenbar keine Ressourcen schonende Intention.
Handeln: Ich appelliere an alle Nordhäuser, dass sie sich für die Enthüllung des Wandbildes Den Kindern Nordhausens gewidmet einsetzen. Wir müssen uns unserer DDR Vergangenheit nicht schämen, müssen Artefakte nicht dämmen. Viel Geld wird derzeit ins Bauen investiert. Ich bin WBG und SWG dankbar, dass es so ist, denn es erhöht die Lebensqualität. Es werden auch Fehler gemacht. Nicht alles ist wunderbar. Wohl aber vieles. Das sollten wir nicht vergessen. Ein Prozent der Bausumme… finanztechnisch läuft solches unter Niedrigzins. Am Bau angewandt aber, würde da etwas Großartiges sichtbar. Ich habe beschrieben, was. Und am Begegnungszentrum in Nordhausen müsste man nicht einmal einen Künstler engagieren, denn die Kunst ist schon da, liegt verhüllt unter einer Dämmschicht, deren Entfernung keinen größeren Aufwand in Anspruch nähme als jenen, den die Stadtväter einst ohne Not für deren Verhüllung zur Anwendung bringen mussten. Was fehlt, ist allein der Wille, das Bekenntnis, dass man es hier mit einer Verantwortung zu tun hat, deren Umsetzung den 1%Rahmen gewiss nicht überforderte. Selbst wenn das Begegnungszentrum an der Westwand ungedämmt bliebe, so käme das doch nur jenem Zustand gleich, den die SWG für die eigenen Mieter im Wohnblock nebenan für normgerecht und zumutbar befindet. Erinnern. Erhalten. Neu denken.
Normgerecht handeln heißt, gerecht richtig HANDELN
Karin Kisker
Erinnern wir uns: Der Krieg hat das über die Jahrhunderte gewachsene Bild unserer Stadt weitestgehend zerstört. Vieles erinnert noch an das Alte: Der Roland, das Rathaus, das Kunsthaus Meyenburg, Teile der alten Stadtmauer, Dom und Blasii, bürgerliche Villen aus der Gründerzeit, der Bahnhof…und vieles mehr. Die Trümmer sind längst geräumt. In 75 Friedensjahren ist Neues entstanden. Oft sind es Kunstwerke oder besondere Bauten, die der Kultur des öffentlichen Raumes ihr besonderes Gepräge verleihen. Wir sind ästhetisch begabte Wesen! Diesem Umstand hat die Bundespolitik Rechnung getragen, indem sie einen Leitfaden verfasste, der vorgibt, dass jeder Bauherr die Investition von 1% seiner projektgebundenen Baukosten in Form von Kunst am Bau als seine selbstverständliche Verpflichtung verstehen sollte.
Auch die DDR hielt sich an diese üblichen Spielregeln. Der Leitfaden gilt ausdrücklich sowohl für die Realisierung neuer als auch für den nachhaltigen Umgang mit schon bestehender Kunst am Bau. Aus diesem Grunde hatte sich Frau Kneffel an die Geschäftsführerin der SWG, Frau Klaan, gewandt, da Frau Kneffel der Auffassung ist, dass das rege Baugeschehen in Nord der richtige Zeitpunkt für eine Wiedergutmachung am Wandbild Werner Wagners sei.
Erhalten: Vieles, was den Krieg beschädigt überstanden hatte, ist in der Folge trotz hervorragender Denkmalschutzgesetze der DDR Zeit zum Opfer gefallen. Aber immer hat man, wo Neues entstand, auch in Kunst am Bau investiert. Wer aufmerksam durch unsere Straßen flaniert, wird das bemerken. Da sind zahlreiche figürliche Kunstwerke, Häuser im Stil der jeweiligen Zeit, Sgraffitti an Hauswänden, die Zeitkolorit und damit Geschichte dokumentieren.
Die Platte kennt jeder, damals noch Arbeiterwohnregale genannt. Und doch scheint die Platte besser als ihr Ruf, wie sonst ließe sich erklären, dass Renovierungsarbeiten für Wohnungsbaugesellschaften sich durchaus zu rentieren scheinen. Rege Bautätigkeit im gut nachgefragten Quartier Nord bestätigt das. Das Viertel ist weitestgehend im letzten Jahrzehnt der DDR konzipiert worden. Es ist stark frequentiert, was vor allem auch der Existenz des dortigen Krankenhauses geschuldet ist. Kunst gibt es da ebenfalls zu sehen, hauptsächlich figürliche. Und – es gibt vor allem auch das sehr schöne Wandbild, Den Kindern Nordhausens gewidmet. Viele Eltern, die in den Achzigern mit ihren Kindern in Nordhausen Nord ihre Wohnungen bezogen haben, werden sich erinnern. Neun Jahre begrüßte es an der Wand des heutigen Begegnungszentrums die Vorüberziehenden. Ein Dokument qualitativ gelungener DDR Kunst, weit ab von politischer Infiltration.
Geschaffen von Werner Wagner, geboren 1935, damals in Weimar ansässig, heute in Neuruppin lebend.
1991 schritt man von Seiten der Stadt offensichtlich zur kulturellen Bewahrungstat, indem man das Werk verhüllte. Vielleicht ein Vorgriff nach Christo-Art? Oder wollte man es vorm sauren Regen schützen? Hatte man eventuell Angst vor Vandalismus? Der Rinderwahnsinn machte damals die Runde. (Ironie!) Eine Mundschutz - Dämmung vielleicht, in vorauseilendem Gehorsam, die neuen alten Geister zu besänftigen? Man erkennt, alles ungeklärt Rätselhafte birgt Raum für Verschwörungstheorien. Das Naheliegende, eine Wärmedämmung etwa? Diese hätte man doch wohl gewiss im Bewusstsein des erhaltenswerten Kunstwerkes von innen vorgenommen. Man stelle sich doch nur mal vor, in Mailand wäre jemand auf die absurde Idee verfallen, Leonardos Abendmahl a. G. der durchfeuchteten Wand mit einer Dämmung zu verhüllen. Unvorstellbar. Das hat etwas mit dem respektvollen Umgang mit Kunst zu tun und natürlich auch mit der Würdigung menschlichen Schöpfertums.
Zum Glück aber besteht ja eine Dokumentationspflicht, so dass das momentan kulturell zuständige Stadtbeamtentum die Intention seiner Vorgänger, die damals ressourcenaufwendige Verhüllungsaktion betreffend, den Nordhäuser Bürgern, heute sinnfällig offenbaren kann.
Nach langem Schweigen erhielt Frau Kneffel dann, in gutem Amtsdeutsch verfasst, eine kurze Antwort. Das derzeit technisch nicht notwendige Abnehmen der Dämmschicht hätte in jedem Fall eine kostenintensivere bautechnische Maßnahme an der Wand auf der Innenseite des Gebäudes zur Folge, um den technischen Normen Rechnung zu tragen. … Wir bitten um Verständnis, dass wir uns zu einer ressourcenschonenden Umsetzung entschieden haben und die Fassade nur reinigen werden. Diese Aussage finde ich auch aus einem anderen Grund ausgesprochen lehrreich. Hinter der Wand des Begegnungszentrums gibt es nämlich keine Wohnungen, die winters täglich auf Temperatur gehalten werden müssen wie im nebenstehenden Wohnblock der SWG. Dieser erhält keine Dämmung, da dafür keinerlei Grund bestünde. Das hat Frau Klaan auf Nachfrage einer Bewohnerin der Stolberger Straße 133 dieser persönlich anlässlich einer Anwohnerversammlung geantwortet. Jetzt frage ich mich natürlich, ich wohne ebenfalls in der nebenstehenden 133, ob der SWG nur die eigenen Ressourcen am Herzen liegen – weil - im großen Miethaus nebenan sind ja die Mieter für die Nebenkosten zuständig. Gelten denn die angeführten heutigen technischen Normen für diese nicht?
Die beim Verkauf bereits vorhandene Schutzdämmung am Begegnungszentrum soll also ressourcenschonend sein und wird von der SWG als eine Maßnahme zur besonderen Bewahrung heute geltender technischer Normen geführt. Das tapfere Schneiderlein, alles auf einen Streich: ressourcenschonend, nachhaltig, bewahrend – technisch und ideell! Ideell betrachtet kann es von öffentlichem Interesse sein, … (Klaan) Für spätere Generationen quasi, den Kindern Nordhausens, damit die auch noch was Schönes entdecken können. Hoffentlich hält die Platte durch! Denn, wie Frau Klaan Frau Kneffel schriftlich weiter darstellte, könne das Gemälde auch für die nächsten Generationen erhalten bleiben. Natürlich unter der Voraussetzung, man habe technisch alles richtig verhüllt - damals.
Wir bitten um Verständnis… Nein, ich habe dafür kein Verständnis. Was du heute kannst besorgen…
Neu denken.: Die neue Zeit braucht das Tradierte. Wenn künstliche Intelligenz allein regierte, gäbe es nur zwei Zustände, Null und Eins, könnte man nur noch Quantitäten, niemals jedoch Qualitäten erfassen, so dass die Dinge ausschließlich gezählt werden müssten, selbst aber nichts mehr zu erzählen hätten. Das ist im Hinblick auf das Begriffsverständnis Ressource von Bedeutung.
Was ist eine Ressource und wie gehe ich mit ihr um? Eine Ressource ist ein Gut, das der Mensch zum Leben braucht und auf das er jederzeit zurückgreifen kann: Rohstoffe, Baustoffe, Arbeitskräfte, Geld, Nahrung, … All das ist zählbar, weil materiell begründbar. Wenn wir aber unsere Geschichte befragen, dann wollen wir von Geschichten hören, von dem, was den Menschen über das Maß der Befriedigung seiner materiellen Bedürfnisse hinaus erst zum Menschen hat werden lassen.
Kunst und Kultur ist Menschwerdung, ist eine der wichtigsten Ressourcen der Menschheit, weil sie DAS Alleinstellungsmerkmal ist, das sie vor allen anderen Wesen in hervorragendem Maße auszeichnet. Davon erzählt Wagners Wandbild und deswegen hat er es den Kleinen gewidmet, den Kindern. Die formale Ästhetik seiner qualitätsvollen künstlerischen Arbeit lässt ihre Zeit erkennen. Das ist aber mitnichten schlecht, vielmehr ist es gerade ein Qualitätsmerkmal von Kunst, denn sie muss in ihrer Zeit wirken, nur so entstehen jene Geschichten, die uns etwas über unsere Herkunft erzählen können. Und deswegen begehen wir jedes Jahr im September den Tag des offenen Denkmals.
Denk mal – ein ästhetischer Imperativ zur Standortbestimmung. Wie man ja auch nicht zuletzt durch den Gebrauch moderner Navigationstechnik weiß, ist diese für die Zielorientierung ein Muss. Insofern ist Kunst eine Ressource, die nicht geschont zu werden braucht. Ein respektvoller Umgang mit ihr reicht aus. Das bedeutet, dass jede Investition in gute zeitgenössische Kunst auch eine Investition in die Zukunft ist. Da aber Morgen die Zukunft von heute schon Vergangenheit ist, bedeutet das, dass wir heute gegenüber den schon bestehenden Kunstwerken des öffentlichen Raumes zu deren Erhalt verpflichtet sind. Solches bezeichnet man dann als respektvollen Umgang mit Kulturgütern, denn diese prägen Räume, verleihen ihnen Individualität und menschliche Wärme. Die Dämmung der Wand am Begegnungszentrum hatte vormals nach Lage aller Fakten offenbar keine Ressourcen schonende Intention.
Handeln: Ich appelliere an alle Nordhäuser, dass sie sich für die Enthüllung des Wandbildes Den Kindern Nordhausens gewidmet einsetzen. Wir müssen uns unserer DDR Vergangenheit nicht schämen, müssen Artefakte nicht dämmen. Viel Geld wird derzeit ins Bauen investiert. Ich bin WBG und SWG dankbar, dass es so ist, denn es erhöht die Lebensqualität. Es werden auch Fehler gemacht. Nicht alles ist wunderbar. Wohl aber vieles. Das sollten wir nicht vergessen. Ein Prozent der Bausumme… finanztechnisch läuft solches unter Niedrigzins. Am Bau angewandt aber, würde da etwas Großartiges sichtbar. Ich habe beschrieben, was. Und am Begegnungszentrum in Nordhausen müsste man nicht einmal einen Künstler engagieren, denn die Kunst ist schon da, liegt verhüllt unter einer Dämmschicht, deren Entfernung keinen größeren Aufwand in Anspruch nähme als jenen, den die Stadtväter einst ohne Not für deren Verhüllung zur Anwendung bringen mussten. Was fehlt, ist allein der Wille, das Bekenntnis, dass man es hier mit einer Verantwortung zu tun hat, deren Umsetzung den 1%Rahmen gewiss nicht überforderte. Selbst wenn das Begegnungszentrum an der Westwand ungedämmt bliebe, so käme das doch nur jenem Zustand gleich, den die SWG für die eigenen Mieter im Wohnblock nebenan für normgerecht und zumutbar befindet. Erinnern. Erhalten. Neu denken.
Normgerecht handeln heißt, gerecht richtig HANDELN
Karin Kisker
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
Autor: redDie im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.

