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Normenstreit und Schmuddelfilme

Freitag, 08. Juli 2005, 15:11 Uhr
Nordhausen (nnz). Die Nachfolgeformate für die gute alte DVD sind schon in Sicht, obwohl sie noch gar nicht so alt ist. Pikanterweise könnte die Pornoindustrie entscheiden, wie es technisch weitergeht.


Sehen sie sich ihre Filme noch auf VHS -Kassette an? Oder besitzen sie schon einen DVD - Player? Dann sind sie ja auf dem neuesten Stand - denken sie. Aber dem ist nicht so! Denn das Nachfolgesystem der DVD steht schon längst am Start. Genauer gesagt sind es zwei Systeme, die demnächst um die Gunst der Käufer in Deutschland buhlen werden. Sie heißen „Blu-ray“ und „HD-DVD“. Hinter dem ersten System steht ein Firmenkonsortium um Sony, Panasonic, Thomson und Sharp, hinter dem anderen die Firmen Toshiba, NEC und Sanyo.

Gemein ist beiden Systemen eine neue Lasertechnologie, die eine deutlich erhöhte Speicherkapazität der neuen Medien ermöglicht. Die Laser arbeiten mit geringerer Lichtwellenlänge.

Hauptgrund zur Entwicklung des neuen Standards ist die Einführung des hochauflösenden Fernsehens. Die sich vervielfachenden Datenmengen benötigen Speicherplatz, den eine herkömmliche DVD nicht liefern kann.
Gerade erst wurde von den Gremien der ARD beschlossen, die Spiele der Fußballweltmeisterschaft 2006 im hochauflösenden Format HDTV auszustrahlen. Das dürfte einen entscheidenden Schub für die neuen Speichermedien geben. Im Unterschied zur herkömmlichen DVD passen auf eine Blu-ray-Disc, je nach Ausführung, bis zu 54 Gigabyte (GB). Das entspricht 13 Stunden Spielzeit in herkömmlicher bzw. 2 Stunden in hochauflösender Qualität. Natürlich sind diese neuen Speichermedien nicht kompatibel zu herkömmlichen DVDs, das heißt, sie benötigen neue Geräte um in den Genuss der besseren Bildqualität zu kommen. Die Blu-ray-Disc steckt in einer dünnen Schutzhülle, da bei ihrer feinen Struktur ein Staubkorn schon erhebliche, nicht mehr zu korrigierende, Lesefehler verursachen würde. Ein Kopierschutz ist im neuen Standart bereits integriert. Noch in diesem Jahr will Philips ein „All in One“ -Laufwerk auf den Markt bringen, das sowohl CDs, DVDs und Blu-ray-Discs verarbeiten kann.

Die HD-DVD orientiert sich stärker als die Blu-ray-Disc am herkömmlichen DVD –Standart, denn sie ist abwärtskompatibel. Vorteil für den Verbraucher: er kann seine DVD Geräte weiter nutzen. Vorteil für die Industrie: man kann bestehende Produktionsanlagen weiter in Betrieb halten und die HD-DVD in sehr großen Stückzahlen sofort günstig auf den Markt bringen. Ihr Nachteil besteht gegenüber der Blu-ray-Disc in der nur etwa halb so großen Speicherkapazität von bis zu 30 GB. Toshiba will Ende des Jahres die ersten HD-DVD Player und Laufwerke für seine Notebooks auf den Markt bringen.

Welches Format wird sich durchsetzen? Wichtigste Voraussetzung zur Etablierung des neuen Standards ist die Einführung des hochauflösenden Fernsehens. Nun könnte man meinen, der Kunde entscheidet es im Laden. Die neuen Geräte werden zur Markteinführung um die 2000 Euro kosten. Aber da sind auch noch andere Faktoren: Eine entscheidende Rolle im Formatstreit dürften die großen Hollywoodfilmstudios spielen. Denn die möchten ihre teuren Produktionen gewinnbringend und kopiergeschützt auf DVD vermarkten. Aber auch hier gibt es eine Aufspaltung in zwei Lager: Universal, Paramount und Warner Bros. unterstützen die HD-DVD, Columbia, Disney und 20th Century Fox die Blu-ray-Disc.

Und schließlich gibt es ja auch noch die Videospieleproduzenten. Sie favorisieren das Blu-ray-System wegen der höheren Speicherkapazität. So will Sony seine neuen Playstations mit Blu-ray-Laufwerken ausstatten.

Das Zünglein an der Waage könnte, wie schon in den achtziger Jahren beim Normenstreit der Videosysteme, die Pornoindustrie sein. Immerhin produziert die Schmuddelbranche im Jahr mehr als 10.000 neue Filme, die in den Videotheken die Regale füllen. Und das ist ein durchaus ernst zu nehmender Faktor im Rennen um den neuen Standard.
Peter Jentsch
Autor: nnz

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