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Was wird aus dem Wandgemälde in Nord?

Den Kindern gewidmet

Sonntag, 23. August 2020, 07:01 Uhr
Da die SWG zur Zeit intensiv mit Umgestaltungsarbeiten um das achtstöckige Haus und des flachen Anbaus in Nordhausen Nord, Stolberger Straße 133/131 beschäftigt ist, fragt sich so mancher von den Nordhäusern, ob denn nun das 1991 durch Dämmung verschwundene Wandbild dabei mit freigelegt wird. Darunter auch Kunstkennerin Heidelore Kneffel…

Architekten bestätigen, dass das Abnehmen der Dämmschicht durchaus möglich ist. Am 3.5. und 11.5.2020 stellte ich in zwei Artikeln in der nnz-online das farbfreudige und formenreiche Wandgemälde von Werner Wagner aus Weimar vor.

Was wird aus dem alten Wandbild in Nordhausen Nord? (Foto: Heidelore Kneffel) Was wird aus dem alten Wandbild in Nordhausen Nord? (Foto: Heidelore Kneffel)

Ich hatte umfänglich geforscht und dadurch viele Details der Anbringung des Bildes und über dessen plötzliches Verschwinden dargelegt. Einen wirklichen Grund, dieses Kunstwerk zu verdecken, gab es nicht, schon gar keinen ideologischen, der ja sowieso gründlich zu hinterfragen ist. Mit viel Einfallsreichtum erzeugt der in der Kunstwelt nicht unbekannte Werner Wagner eine freudige Stimmung. Till Eulenspiegel mit herrlichem Kopfschmuck lässt einen schmunzelnden Drachen steigen, ein mit stolzem Zylinder gekrönter Leierkastenspieler bringt Musik zum Klingen, ein Mädchen springt über farbige Seile, so dass der Rock sich kühn aufbauscht.

Auf einem durch Stoff gebildeten künstlichen Stier, von beweglichen Burschen in Trab gehalten, sitzt auf einer Pauke ein geschmeidiger Harlekin. Daneben bewegen sich musizierende Clowns aus dem Zirkus, dahinter ein Gespann mit drei Pferden, über die ein Akrobat den Körper wirbelt. Ein farbenprächtiger Hahn kräht seine Wichtigkeit ins Geschehen. Am linken Bildrand sitzt ganz in sich versunken ein junges Paar. Auf diesen angenehmen Kunstgenuss sollen die Menschen in Nordhausen und auch die Gäste verzichten? Dieses Bild gehörte allen und nur wenige Personen haben damals das Verschwinden veranlasst, die Bevölkerung wurde nicht gefragt.

So sieht die Wand heute aus (Foto: Heidelore Kneffel) So sieht die Wand heute aus (Foto: Heidelore Kneffel)

Und außerdem!!! Wäre das nicht ein Ereignis zu ergründen, wie sich das Gemälde in den ca. 30 Jahren der Unsichtbarkeit gehalten hat? Denn Werner Wagner hatte sich extra sehr witterungsbeständige Farben aus der BRD besorgt. Sollte sich herausstellen, dass nicht alles wohlbehalten ist, so gibt es Künstler, die sich gern dem Gemälde widmen würden. Denn gerade auch sie gehören zu denen, die unter Corona gebeutelt wurden. Die Resonanz unter der Bevölkerung auf meine Artikel im Mai zeigte mir, dass das von mir Geschriebene ihr Interesse weckte. Ich habe den ersten Text sowohl dem Oberbürger, Herrn Buchmann, per Mail zugeschickt als auch der Geschäftsführerin der SWG, Frau Klaan, per Brief, den ich in der Geseniusstraße persönlich in den Briefkasten steckte. Der OB ließ durch sein Sekretariat schnell antworten, dass er meinen Artikel an das Dezernat 2 weitergeleitet habe. Dieses untersteht der Bürgermeisterin Frau Krauth. Von dort und von der SWG erhielt ich bis heute keine Bestätigung des Einganges der Schriftstücke. Auch von den Stadtverordneten, so mein Demokratieverständnis, wäre eine Meinungsäußerung gefragt gewesen, sie sollten doch medieninformiert sein.

Anfangs habe ich das Schweigen den verschärften Coronabestimmungen zugeschrieben, aber auch seit dem die Kontaktsperre aufgehoben wurde, erfolgte keine Reaktion. Ich hätte mir allerdings auch gewünscht, dass die Personen, die das Wandgemälde wieder an Ort und Stelle leuchten sehen wollen, wie sie mir mündlich versicherten, dies nicht nur mir gegenüber geäußert hätten. Bat ich darum, doch öffentlich zu werden, wurde abgewunken: „Das bringt doch bei uns sowieso nichts!“ Auch von dem Personenkreis in unseren Breiten, der sich mit Kunst und Kultur privat oder beruflich beschäftigt, wäre mir eine Meinungsäußerung genehm gewesen.

Nun also, was wird mit dem Kunstwerk, das sein Schöpfer ja nicht von ungefähr den Kindern gewidmet hat?!
Heidelore Kneffel
Autor: red

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