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Arbeitsplätze gefährdet

Montag, 04. Juli 2005, 08:20 Uhr
Nordhausen (nnz). Die nnz hatte in den zurückliegenden Wochen bereits mehrfach über die Thüringer Familienoffensive berichtet, auch über ihre Auswirkungen auf die „Kindergartenlandschaft“ in Thüringen. Welche Folgen die Offensive für den größten Träger von Kindergärten – das Nordhäuser Jugendsozialwerk – hat, dieser Frage ging die nnz nach.


Für insgesamt 1.120 Kindertagesstätteplätze hat das Jugendsozialwerk Nordhausen die Verantwortung in der Rolandstadt. Für die Betreuung der Kinder im Alter von zwei bis sechs Jahren sind 170 Mitarbeiterinnen zuständig. Die Familien-Offensive zielt nun auf die Kinder im Alter zwischen zwei und drei Jahren, doch Auswirkungen wird es auf die gesamte Kita-Landschaft geben.

Das Jugendsozialwerk erhält aktuell vom Land Thüringen etwas mehr als 1,8 Millionen Euro, nach der Neuregelung sollen es nur noch 1,155 Millionen Euro sein. Das ist der Betrag für 963 Plätze, die für Kinder von drei bis sechs Jahren gezahlt wird. Neu ist auch, dass das Geld an die Stadt Nordhausen gezahlt werden soll, die dann alles an den Träger weiterreicht. Nicht berücksichtigt – daher die Differenz – werden die 157 Kinder, die eben genau das Alter zwischen zwei und drei Jahren haben. Rein rechnerisch sind das 691.000 Euro weniger. Die Differenz reduziert sich letztlich auf knapp 500.000 Euro. Das ist dann schlicht und ergreifend der Betrag, den entweder die Stadt Nordhausen oder die Eltern aufzubringen hätten.

Wenn die Eltern der 157 Kinder (2 – 3 Jahre) die 100 Euro, die sie monatlich vom Land erhalten, für den Kindergartenplatz ausgeben, dann sind die Auswirkungen eher „harmlos“ für den Träger, Dicke kommt es aber, wenn das Geld vielleicht in eine Tagesmutter oder gar nicht für die Kinder „investiert“ wird. Die 157 Plätze für die Kinder im Alter zwischen zwei und drei Jahren, die muß das Jugendsozialwerk trotzdem vorhalten, es besteht schließlich ein gesetzlicher Anspruch darauf.

Sollten alle 157 Plätze nicht mehr in Anspruch genommen werden, dann stehen die Arbeitsplätze für 24 Mitarbeiterinnen auf der Kippe. Es erhöhen sich aber auch automatisch die Zuschüsse für den Jugendhilfeträger, in diesem Fall für den Landkreis Nordhausen, das ist die Folgerung eventuell erhöhter Elternbeiträge, welche die Stadt erheben müsste.

Die Thüringer Familienoffensive ist vielleicht gut gemeint, es soll jedenfalls kein Geld seitens des Landes eingespart werden. Es wird nur anders verteilt. Politische Kritiker sehen hier den Schachzug einer konservativen Regierung, um die Erziehung der Kinder aus der Gemeinschaft heraus, in die Familie zu lenken. Frei nach dem Motto: Das Geld wird es schon richten. In diesem Falle der Geldfluss. Das Fazit des Jugendsozialwerkes ist da nicht nur fast ähnlich, es geht noch weiter: Sinkt die Inanspruchnahme der Kitas, sind die Bemühungen im Bereich der frühkindlichen Bildung grundsätzlich in Frage gestellt, sagt Direktor Andreas Weigel zur nnz.
Autor: nnz

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