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Bizarre Lohndebatte

Donnerstag, 30. Juni 2005, 14:58 Uhr
Nordhausen (nnz). Nach zehn Jahren Lohnzurückhaltung hält sich weiterhin hartnäckig das Vorurteil Deutschland hätte ein Arbeitskostenproblem, kritisiert der DGB-Regionsvorsitzende Ulrich Hannemann und macht die Absurdität dieses Vergleicht aus Sicht des DGB deutlich.


So sprudeln nach Ansicht der Gewerkschaft inzwischen die Unternehmensgewinne – die Dax-30-Unternehmen konnten ihre Gewinne im vergangenen Jahr um 70 Prozent steigern -, die Finanzierungssituation der deutschen Unternehmen ist so gut wie nie zuvor, die Steuerquote ist die niedrigste in Westeuropa und die Außenhandelsüberschüsse erklimmen eine Höchstmarke nach der anderen. Deutschland hat tatsächlich ein Problem mit der Lohnentwicklung. Der schwache Lohnanstieg in den letzten 10 Jahren hat die Absatzkrise verschärft. Vier Jahre Konsumflaute seien das Ergebnis dieses Trends. Unter den führenden Industrieländern sind seit 1995 nur noch in Japan die Löhne geringer gestiegen als in Deutschland. Nur in Italien und Spanien hatten die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer real noch weniger in der Tasche als in Deutschland.

In den USA hingegen stiegen die Arbeitnehmerentgelte seit 1995 um jährlich 2 Prozent, die unzureichende Lohnentwicklung wäre das Ergebnis hoher Arbeitslosigkeit und eines immer stärker deregulierten Arbeitsmarktes. Fünf Millionen Arbeitslose, die staatliche Förderung des Niedriglohnsektors (Mini-, Midi-, Ein-Euro-Jobs) und die Kürzung der Lohnersatzleistungen schwächen die gewerkschaftliche Handlungsfähigkeit. „Die tatsächlichen Löhne liegen heute ein Drittel unter den Tariflöhnen“, so der DGB-Vorsitzende Hannemann.
Autor: nnz

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