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JS-Special: Virtueller Einkaufsmarkt?

Mittwoch, 17. Oktober 2001, 09:36 Uhr
Nordhausen (nnz). Rudolf Mund, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse (KSK) Nordhausen, äußerte sich in einem Pressegespräch zum Auftakt der 2.electronic banking Messe in der vergangenen Woche in seinem Hause ausgesprochen optimistisch zur Zukunft dieser Art Geschäftskommunikation. Beim virtuellen Einkauf (Online-Shopping) musste er allerdings Abstriche machen: die Konsumenten gewöhnen sich scheinbar nur sehr zögernd an diese Art des Einkaufs.


Jüngstes Beispiel ist „Einkauf 24“, der Supermarkt im Internet des Hamburger Handelskonzern Spar. Vor knapp zwei Jahren mit viel Hoffnung und Vorschusslorbeeren eingerichtet, wurde er am vergangenen Freitag wieder geschlossen. Dass „Einkauf 24“ sterben musste liegt bezeichnender weise daran, dass Spar sparen muss und der organisatorische Aufwand dieser Art Geschäftsabwicklung in keinem Verhältnis zu den erzielten Umsätzen stand. Und sich daran auch mittelfristig kaum etwas ändern wird. Die Schließung aber ist symptomatisch, denn schon eine Reihe anderer Anbieter ist wieder von der Bildfläche verschwunden, wie etwa der Internet-Supermarkt der rheinischen Markant Südwest AG. „Es hakt noch und derzeit herrscht eher Skepsis vor“, heißt es in einer Presseerklärung des Bundesverbandes des Lebensmittel-Einzelhandels (BVL). Der Verband verweist auf eine Marktstudie, derzufolge bislang allenfalls 0,1 Prozent der Lebensmittelumsätze im Internet gemacht werden.

Nun ist es ja im herkömmlichen Lebensmittelhandel längst ständige Übung, neben dem eigentlichen Food-Sortimenten ­ also den Waren des täglichen Bedarfs ­ sonstige, an sich branchenfremde Waren anzubieten. Tschibo oder auch Aldi sind Beispiele dafür. Die allein aber schon die Unterschiedlichkeit der Präsentation sehr deutlich zum Ausdruck bringen. Der BVL hätte sich nämlich das Geld für eine Marktstudie sparen können, hätten sich deren Vertreter nur mal die kleine Mühe gemacht, am Mittwoch zu Geschäftsbeginn das Geschehen an einem Aldi-Markt zu beobachten: je nach Angebotsliste wartet mitunter eine ganze Schlange Interessenten vor der Ladentür, um sich nach deren Öffnung auf die Angebotstische zu stürzen: Packungen werden aufgerissen, der Inhalt begutachtet und achtlos zur Seite gelegt, falls er nicht gefällt. Der oder die Nächste orientiert sich dann nicht etwa an der herumliegenden Ware, er/sie reißt eine neue Packung auf. Irgendwer wird’s schon wieder ordnen. Oder gar kaufen? Einkauf nach Art ganzer Konsumentenschichten.

Wie sollte dann Einkauf im Internet Zukunft haben? Marcus Girnau vom BVL räumt ein, dass viele potentielle Kunden im Netz das sinnliche Erlebnis des „schauen, schmecken, fühlen“ vermissen. In der Tat könnte es so sein. Das hat auch eine Menge mit Niveau und Format zu tun. Und trifft möglicherweise auf Tschibo, in jedem Fall aber dem klassischen Fachhandel zu. Vorgänge aber wie bei Aldi verdient möglicherweise die Bezeichnung „unmittelbares Erlebnis“, mehr aber auch nicht. Und solange das der Anbieter zulässt, wird zumindest diese Kundenschicht sicher nicht „online-shoppen“.
Autor: nnz

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