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Montag, 27. Juni 2005, 13:25 Uhr
Nordhausen (nnz). Es wird in den kommenden Monaten eine neue Stadt in Thüringen entstehen. Gotha, Waltershausen und Ohrdruf wollen fusionieren. Das sollte auch im Landkreis Nordhausen eine Diskussion über die Reform der Gebiete beleben. Wird es aber nicht, wie die nnz erfuhr...


Doch erst noch einmal zurück nach Westthüringen: Dort würde ein Städtegebilde entstehen, das in Thüringen rund 70.000 Einwohner in politische Waagschale werfen würde. Alle drei Orte sind am Speckgürtel der A 4 bestens aufgestellt, man sollte sich mal zum Beispiel die Industrie- und Gewerbegebiete des kleinsten Fusionisten – Ohrdruf – ansehen und staunen. Ein solch kommunales Schwergewicht würde auch die Struktur in Thüringen neu wichten. Befand sich Nordhausen in etwa immer auf gleicher Augenhöhe mit Gotha (NDH: 44.000 Einwohner; GTH: 48.000 Einwohner), so enteilt die Residenzstadt der Rolandstadt dann auf Nimmer-Wiedersehen.

Das ist die politische Dimension der Fusion, nicht zu verachten ist die finanzielle. Nach ersten Schätzungen würde der Städteverbund in Westthüringen rund 3,9 Millionen Euro mehr an Landeszuweisungen erhalten, als die drei Kommunen bislang einzeln. Und das jährlich. Verteilt nach einem intelligenten Schlüssel, wäre der Segen für alle drei spürbar. Bei dieser Rechnung sind die in Aussicht gestellten Beigaben des Landes nicht mit eingerechnet.

Warum klappt das nicht mit Nordhausen? Weil es in der Stadtverwaltung immer Zögerer gab und gibt, die eine Neuordnung des Landkreises zu zaghaft angehen. Zu tief sitzen verständlicherweise noch die Wunden aus den 90er Jahren, als man mit der Kreisfreiheit kokettierte. Und wenn der Große auf den Kleinen losgeht, dann hat das immer den Anruch des Aufsaugens.

Doch die kleinen bewegen sich nicht. Da gibt es zwar ein abwassertechnisches Aufbäumen in Stempeda und Rodishain, doch das ist nicht einmal der Tropfen auf den bekannten und noch immer heißen Stein. Die Stadt Nordhausen muß fusionieren, um letztlich als größer gewordenes Gebilde über 50.000 Einwohner zu kommen.

Also, den Zusammenschluß mit der Verwaltungsgemeinschaft (VG) in der Goldenen Aue oder der VG im Südharz? Da wird die Nordhäuser Rechnung allerdings ohne die Kleinen gemacht. „Wir werden uns nur unter Druck in Richtung einer Einheitsgemeinde bewegen, eine Fusion mit Nordhausen kommt überhaupt nicht in Frage“, reagiert der Südharzer VG-Chef Bernd Meyer auf die nnz-Frage. „In unserer Verwaltungsgemeinschaft sind alle Gemeinden gut bedient. Nordhausen soll sich seine fehlenden Einwohner sonst wo herholen, nicht aber aus dem Südharz“, so Meyer. Er findet es unanständig, wenn man als große Stadt hamstern gehe, nur um des eigenen Vorteils willen. Bernd Meyer sieht die Verwaltungsgemeinschaft als Gebilde nicht mal bei einer Größe von 7.000 bis 8.000 Einwohner gefährdet. Insofern kann er – zwangsweise – auch die zwei abtrünnigen Gemeinden ziehen lassen.

Nur, die finanziellen Vorteile hätten auch die „aufgesaugten“ Gemeinden und deren Bürger. Fast vier Millionen Euro - wie im Falle Gotha – würden doch auch dieser Region nicht schlecht tun. Um die Arbeitsplätze müssten sich weder die Verwaltungsmitarbeiter im Südharz noch in der Aue Sorgen machen. Und mit Verlaub: Bei einer Größe über 50.000 Einwohner ist vielleicht sogar noch ein dritter hauptamtlicher Dezernent drin, oder?
Autor: nnz

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