nnz-online

Fliegende Fetzen im Tabakspeicher (2)

Montag, 20. Juni 2005, 22:48 Uhr
Nordhausen (nnz). Manchmal geht es doch, man diskutiert und findet tatsächlich eine Lösung mit der alle zufrieden sein können. Welchen Kompromiß die Beteiligten in Sachen Gewerbemuseum fanden, verrät Ihnen die nnz.


Anfang Juni ging’s heiß her im Tabakspeicher. Eine alles andere als emotionslose Debatte erregte die Gemüter. Der Geschichts- und Altertumsverein aber auch zahlreiche Bürger konnten nichts mit der neuen Gestaltung des Museums anfangen. Auch über die Medien erfolgte die Auseinandersetzung.

Heute Abend traf man sich erneut im beanstandeten Objekt und beschloß konkret, was in dem Museum alles geändert werden muß, damit es für die Bürger und die Spender der Exponate wieder ein angenehmer Ort wird. Oberbürgermeisterin Barbara Rinke freute sich über die zahlreichen Anwesenden und darüber mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Allerdings bedauerte sie auch, daß die Kritik am Kulturkonzept nicht bereits im Rahmen des öffentlichen Stadtgesprächs geäußert worden war.

Die Kulturkonzeption wurde 2003 bekannt gemacht, wofür sich damals nur wenige Bürger interessierten. In der Konzeption ist klar definiert, daß das Meyenburgmuseum zum Kunsthaus werden soll. Außerdem steht drin, daß der Tabakspeicher erhalten bleibt, aber ein eigenes stadthistorisches Museum entstehen soll, und zwar in der Flohburg. Von der kompletten Umsetzung ist die Stadt aus finanziellen Gründen noch entfernt. Für die Flohburg habe man konkrete Visionen, verriet die Bürgermeisterin. Ein Anbau, sowie die Sanierung der bestehenden Substanz sind vorgesehen. Vielleicht gibt es im nächsten Jahr Geld aus der Städtebauförderung dazu. Die Töpfe sind voll, weil viele Kommunen so pleite sind, daß sie den Eigenanteil nicht aufbringen können. Wenn die Stadt Fördergelder anfragt, dann braucht sie aber ein komplettes Konzept für das stadthistorische Museum. Wenn dieses geschaffen würde, hätten besonders die Archäologen ihre Freude daran, denn dieser Teilbereich könnte umziehen.

Auch ohne Umzug oder Neubau bekommen die Altertumsfreunde mehr Raum. Die Diskussion um den Sonderausstellungsraum gewannen Hans-Jürgen Grönke und die Archäologen für sich. Die ganze Sammlung wird neu gestaltet und mit Landkarten von Nordhausen zum jeweils passenden Zeitabschnitt versehen. So hatte es sich Kulturamtsleiterin Dr. Cornelia Klose eigentlich von Anfang an vorgestellt. Endlich können wieder alle Exponate gezeigt werden, die bisher in Kisten versteckt wurden. Dazu gibt es mehr Licht und ansprechende Erklärungen zu jedem Objekt.

Geklärt wurde die Frage des Museums zum Anfassen. Hans-Dieter Werther und seine Mitstreiter halten wenig davon, die teils wertvollen Objekte Kindern zum Spielen zu überlassen. Jetzt ist klar, daß die Kinderaktionen vor allem auf das Erdgeschoß begrenzt werden und wie bisher unter Aufsicht stattfinden. Es wird Möglichkeiten geben zu backen, Wäsche zu waschen oder zu basteln, alles mit historischem Handwerkszeug. Schon in der Vergangenheit kamen solche Angebote gut an.

Raum für Raum ging Dr. Cornelia Klose das Museum mit den verschiedenen Interessengruppen durch. Schnell wurde man sich einig, auch über die Kautabaktöpfe. In dem Bereich finden Änderungen statt, so daß die Herstellung des Kautabaks besser nachvollziehbar wird. Die Töpfe werden angemessen präsentiert. Dazu sagte Sammler Volker Kohl seine Hilfe zu. Den Bereich der Spirituosenherstellung übernimmt Hans-Dieter Werther gemeinsam mit Jochen Einenckel. Auch für die anderen Themen wie Post und Schneiderei fanden sich sofort freiwillige Helfer. Einige Arbeit kommt noch auf alle Beteiligten zu. Texte werden demnächst erstellt und machen das Museum wieder informativ. Auch in der Scheune ist noch nicht alles, wie es sein soll. Besonders wichtig ist, daß wertvolle Exponate gesichert werden. Der Raum wird trotzdem weiter für Feste und Veranstaltungen offengehalten, möglicherweise auch für Sonderschauen. Nach so viel Kompromißbereitschaft trennten sich die Beteiligten diesmal ohne Aggression und Schuldzuweisungen.
Autor: wf

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 nnz-online.de