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Aus dem Corona-Spaziergang wurde keine Demonstration

Veranstalter löst Demo wieder auf

Sonnabend, 23. Mai 2020, 19:00 Uhr
Erneut knapp 100 Menschen haben sich am Nachmittag auf dem Nordhäuser Bebelplatz getroffen. Mit dem Unterschied zur letzten Woche, dass aus dem Spaziergang eine Demonstration werden sollte. Doch daraus wurde nichts

Zahlenmäßig stark präsent: die Thüringer Polizei (Foto: oas)

Wie in 95 anderen deutschen Städten versammelten sich heute in Nordhausen Menschen, die mit den anhaltenden Einschränkungen ihrer Bürgerrechte durch die Eindämmungsmaßnahmen der verschiedenen deutschen Regierungen nicht einverstanden sind. Es waren nicht ganz so viele wie am vergangenen Samstag gekommen, was auch daran gelegen haben könnte, dass Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow heute ankündigte, Thüringen werde die Corona-Maßnahmen in Kürze aufheben. Er wird in verschiedenen Tageszeitungen mit den Worten zitiert: „Ab 6. Juni möchte ich den allgemeinen Lockdown aufheben und durch ein Maßnahmenpaket ersetzen, bei dem die lokalen Ermächtigungen im Vordergrund stehen.“

Ob diese Verschiebung der Verantwortung auf die regionale Ebene dann schon dass Ende der landesweiten Proteste herbeiführen wird, bleibt abzuwarten und spielte heute Nachmittag keine Rolle. Sichtbar gekennzeichnet als „Veranstalter“, „Organisation“ und „Ordner“ hatten sich die Initiatoren entschlossen, keinen Spaziergang, sondern eine Demonstration durchzuführen. Und diese ordnungsgemäß anzumelden. Das birgt den Vorteil, dass die Teilnehmer im Gegensatz zum Spaziergang Schilder und Transparente mit ihren Wünschen oder Forderungen zeigen dürfen, hat aber auch die Nachteil, dass die genehmigende Behörde den Anmeldern Auflagen erteilen kann.

Davon machte das Landratsamt Gebrauch und überprüfte deren Einhaltung in Person der zweiten Beigeordneten Hannelore Haase äußerst prominent. Nachdruck verliehen den Wünschen des Amtes eine größere Anzahl an Polizisten, die nicht in ihrer Sonntagsnachmittags-Paradeuniform gekommen waren. Allein rund um den Bebelplatz konnten zudem 15 unterschiedlich große Polizeiwagen gezählt werden. Auf dem Weg bis zum Rathaus dürften, wie schon beim Spaziergang in der Vorwoche, noch einige mehr in den Seitenstraßen gestanden haben.

Demonstranten beraten die Situation (Foto: oas)

Gegen 16 Uhr verkündeten die Veranstalter dann, wie der Demonstrationszug abzulaufen habe. Alle Teilnehmer sollten einen Mund-Nasen-Schutz aufziehen und sich paarweise hintereinander aufstellen, damit die Abstandsregelungen eingehalten würden. Die ironische Frage aus der Menge, ob man sich dann auch an den Händen halten solle wie im Kindergarten, blieb unbeantwortet.

Es dauerte knappe 15 Minuten, bis die Demonstration ganz offiziell von den als Veranstalter Fungierenden abgesagt wurde, nachdem die meisten Teilnehmer keine sichtbare Bereitschaft an den Tag legten, sich den kontaktbeschränkenden Auflagen zu beugen. Die in der Verantwortung stehenden Privatpersonen wollten nicht für etwaige Verstöße einzelner Teilnehmer zur Rechenschaft gezogen werden und beendeten das Treffen.

Ob sie für nächsten Samstag eine Demonstration anmelden oder wieder die unkomplizierte Form des Spaziergangs wählen würden, ließen sie anschließend offen. Der Protest wird aber weiter gehen und der Termin um 15.30 Uhr am gleichen Treffpunkt bleibt auf jeden Fall bestehen.
Olaf Schulze


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