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Über einhundert Nordhäuser besuchen „Eilveranstaltung“

Keine Angst vorm Virus!?

Sonnabend, 16. Mai 2020, 17:15 Uhr
Pünktlich zur Anstosszeit der Fußball-Bundesliga vor leeren Rängen traf sich eine zahlenmäßig ansehnliche Gruppe Nordhäuser auf dem August-Bebel-Platz zu einem Spaziergang. Begleitet von reichlich Polizei

Keine Angst vorm Virus (Foto: oas)

Wie in vielen anderen deutschen Städten auch nutzen heute über einhundert Nordhäuserinnen und Nordhäuser ihr vom Grundgesetz verbrieftes Versammlungsrecht, um gegen die Einschränkungen während der Corona-Krise zu protestieren und ihre Furchtlosigkeit zur Schau zu stellen. Es waren Menschen aller Altersgruppen, Frauen, Kinder und Männer, die sich heute Nachmittag kurz nach halb vier zu einem kleinen Demonstrationszug formierten, der über die Töpferstraße zum Rathaus führen sollte und von dort wieder zurück zum Bebelplatz.

Weil es doch nicht der avisierte „Spaziergang“ wurde, sondern eine kurzfristig genehmigte Eilveranstaltung, bestand die Herausforderung darin, vorher aus der Menge noch Ordner zu finden, die den Zug absichern helfen sollten. Dafür fanden sich genügend Freiwillige. Bei schönstem Sonnenschein und angeführt von Polizisten zu Fuß und einer Gruppe Biker auf ihren Maschinen machten sich die Teilnehmer entspannt und friedlich auf den Weg durch die Innenstadt.

An jeder Straßenecke stand ein Einsatzfahrzeug der Polizei, die sich während der ganzen Veranstaltung mit ihren mund- und nasenbeschützten Beamten äußerst dezent im Hintergrund hielt. Die Demonstranten verzichteten auf solcherlei Schutz. Sie bemühten sich stattdessen den vorgegebenen Mindestabstand einzuhalten. Am Rathaus angelangt stellte sich die bunte Menge zu einem Gruppenbild auf und zog anschließend ebenso diszipliniert wieder zurück zum Ausgangspunkt ihres Treffens.

Keine politischen Parolen wurden verkündet, keine Zeichen irgendwelcher Organisationen gezeigt. Vereint hat die Menschen aus den verschiedensten Spektren der Gesellschaft heute ursächlich ihr Wille, sich keine weiteren Einschränkungen der Grundrechte gefallen zu lassen. Vor dem Virus hatten diese Leute vergleichsweise weniger Angst als vor den Maßnahmen zu seiner Eindämmung.

Ob dieser inzwischen wiederholte Spaziergang, der heute laut Aussagen von Amtspersonen eine „Eilversammlung“ war, am nächsten Samstag eine Fortsetzung findet, wird wohl auch von der weiteren Entwicklung des Lockdowns in Deutschland und Thüringen abhängen.
Olaf Schulze


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