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nnz-Forum: Arbeitspapier vorgestellt

Freitag, 12. Oktober 2001, 13:57 Uhr
Nordhausen (nnz). Wir als Bürgerinitiative „Rettung der Goldenen Aue“ sehen die sich jetzt anbahnende Diskussion um eine Neuorientierung der Wirtschaftsförderung in unserem Landkreis als sehr positives Zeichen.


Nicht, das wir das bisher fehlende Engagement nicht kritiklos hinnahmen, aber hier zeigt sich, das konstruktive Kritik Früchte trägt. Bevor man allerdings schon wieder eine Gesellschaft gründet, Posten und Zuständigkeiten vergeben werden und Fördergelder bereitstellt, muß vorab unabdingbar eine breite Diskussion darüber ausgetragen werden, wohin sich unser Landkreis entwickeln will und welches Image wir erlangen wollen. Ohne diese Zielentwicklung und ohne das Erlangen eines „Zugkräftigen“ Image das von allen Gemeinden und Städten des Kreises, von allen Organisationen und Vereinen und nicht zuletzt von den hier lebenden Menschen getragen wird, ist eine zukünftige Wirtschaftsförderung, auch unter dem Gesichtspunkt des Marketings und der Investorenaquisitation zum Scheitern verurteilt. Unser Landkreis hat nicht die Zeit, diese Mittel als Versuch einzusetzen, sondern muß, um der hier arbeitenden und lebenden Menschen Willen, nachhaltige Erfolge vorweisen.

Doch diese Zielentwicklung kann und darf nicht von einer „ServiceGmbH“ oder der Einrichtung eines Büros im Landratsamt entwickelt werden. Sie könnte nur die Aufgabe der Umsetzung übernehmen. Da ist allerdings erst der zweite Schritt. Dies ist eine deutlich politische Entscheidung aller im Kreis vertretenden Parteien und Organisationen. Hier sind alle aufgefordert, nicht nur vom Landrat eine Strategie zu fordern, sondern sich selbst Gedanken zu machen, welche Zielsetzung und dem damit verbundenen „Image“ das geeignetste ist. Die Ostsee kann mit dem Meer als „natürliches Zugpferd“ sein Image für Tourismus als Zielgedanken der wirtschaftlichen Entwicklung ansehen. Im Raum Wolfsburg/Braunschweig hat sich die „Fahrzeugproduktion“ als Zielgedanken der Wirtschaftsentwicklung heraus kristallisiert . Jena ist der Bereich der BioTechnik. Hameln die Region des „Solarzeitalters“.

Wir haben die Frage gestellt: Mit welcher Zielsetzung und Image kann der Landkreis Bundes/Europaweit Beachtung erlangen, sich von anderen abheben, damit werben und sich für seriöse Investoren als Standort präsentieren? Nur das Bereitstellen einer Fläche nahe einer Autobahn reicht heute bei weitem nicht mehr aus!

Wir haben uns für den Weg des ökologischen Landkreisen entschieden, der ja auch schon vor Jahren von einigen Politikern als machbarer Weg angesehen wurde. Dazu haben wir vor längerem ein Diskussionspapier, siehe Diskussionspapier entworfen, das von uns weiterentwickelt wird, dass die ganze Bandbreite der Möglichkeiten darstellen soll. Wenn alle (Gemeinden, Städte, Organisationen und Vereine) dieses gemeinschaftliche Ziel bei ihren Aktivitäten vor Augen haben, kann sich die Tourismusförderung, genauso wie die Stadt und Ortsentwicklung oder beispielsweise zukünftige Müllentsorgungskonzepte, Energieversorgung und Abwasserreinigung, Bauleitplanungen genauso wie Gewerbe und Industriegebietsausweisungen daran ebenso orientieren wie die Wirtschaftsförderung bei ihren Marketingaktivitäten und nicht planlos, sonder zielgenau sich gerade z.B. bei Messen und Ausstellungen präsentieren, die für eben Unternehmen dieser Zielgruppe durchgeführt werden. Dies ist unsere Zielvorstellung, andere haben eventuell Alternativen, aber es ist Zeit, dass hier in einer Gemeinschaftsaktion aller, nur das Wohl der gesamten Region Ziel sein kann, und nicht nur die Entwicklung einer Stadt oder eines Gebietes in egoistischer Weise betrieben wird. Das parteilpolitische Gezänk, die ständigen Meinungsverschiedenheiten zwischen Stadt und Landkreis Nordhausen und das bis zum heutigen Tage fehlende Gesamtkonzept unserer Politiker trägt auch zu dieser brisanten Situation bei.

Aber abgesehen von dem großen Ziel der bisherigen Wirtschaftsförderer hier einen „Großinvestor“ anzuziehen, darf unsere mittelständische Wirtschaft nicht aus den Augen verloren werden. Sie ist und bleibt die eigentliche wirtschaftliche Stärke einer Region. Unternehmer die hier Arbeitsplätze vorhalten, die in dieser Region großgeworden sind, haben eine andere soziale Bindung zu ihrem Unternehmen und den Arbeitern und Angestellten. Konzerne entscheiden ausschließlich nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten und sind mehr ihren Aktionären verpflichtet, als dem sozialen Gewissen ­ siehe aktuell Reemtsma. Vor allem die Förderung dieses Mittelstandes, sei es mit Bürgerschaften in schwierigen Zeiten, sei es mit Aufträgen der öffentlichen Hand oder anderen Hilfestellungen ist langfristig der Garant für die positive Entwicklung einer Region. Den Mittelstand in die Zielentwicklung unseres Landkreises einzubinden ist daher seitens der öffentlichen Wirtschaftsförderung und der politischen Kräfte unerlässlich. Den Mittelstand bzw. deren Vereinigungen nur vor die Karre zu spannen, um eine zum Scheitern verurteilte Planung durchzusetzen, ist fraglich und wird auch dem langfristigen Anspruch dieser Unternehmer nicht gerecht werden. Letztendlich scheitern oder profitieren eben diese Unternehmer auch an dem Image der Region in der sie ihren Geschäften nachgehen.

Wir als Bürgerinitiative sind bereit hier unseren Beitrag zu leisten und können nur immer wieder auffordern, zu aller erst ein Entwicklungskonzept für unseren Landkreis zu erarbeiten, bevor man durch puren Aktionismus mehr Schaden als Nutzen für unsere Region anrichtet. Bürgerinitiative „Rettung der Goldenen Aue“
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
Autor: nnz

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