nnz-online

Probleme mit den Kandidaten

Montag, 13. Juni 2005, 09:52 Uhr
Nordhausen (nnz). Wen der deutsche Bundeskanzler mit seiner Idee der vorgezogenen Neuwahlen überraschen wollte, das erschließt sich der regionalen Politik nicht so ganz. Am größten war die Überraschung vermutlich bei der Kanzlerpartei im Landkreis Nordhausen. Die gibt auf...


... und zwar die Suche nach einem geeigneten Kandidaten oder einer Kandidatin. Im Landkreis Nordhausen ist derzeit niemand soweit, um sich dem Wahlkampf in Nordthüringen zu stellen. Dafür gibt es aus der Region Mühlhausen und aus dem Eichsfeld zwei mutige Männer, die dem Wahlkreis-Inhaber Manfred Grund (CDU) Paroli bieten wollen. Ein vermutlich aussichtsloses Unterfangen, aber als (Noch)-Volkspartei sollte der Wahlkampf aufgenommen werden, denken sich die Sozis und wollen ihren Kandidaten in Leinefelde wählen. Am 23. Juni.

Im Landkreis Nordhausen wollte man eine junge Frau in das Rennen gegen Manfred Grund schicken – wohl aber war das erst für das kommende Jahr vorgesehen. Und so machte des Kanzlers Überlegung diesem Ansinnen einen dicken Strich durch die Rechnung, denn die Strategie bei den Sozialdemokraten ist schlicht und ergreifend folgende: In nur drei Monaten eine junge Frau „aufzubauen“, deren Namen nicht einmal alle Genossen im Landkreis Nordhausen kennen, das ist schier unmöglich. Also wird man im Landkreis auf Sparflamme wahlkämpfen. Ob das der Basis gerecht wird oder nicht, sei dahin gestellt, es ist und bleibt ein Armutszeugnis, zumal dem Wahlvolk im Jahr 2002 auch kein eigener Kandidat präsentiert werden konnte. Letztlich ist das wohl auch ein Teil des Spiegelbilds vom inneren Zustand der SPD.

Womöglich hat Dagmar Becker auch an die Sinnlosigkeit des personifizierten Kandidaten-Wahlkampfes gedacht. Die Direktkandidatur – auch in diesem veränderten Wahlkreis - ist wohl nur dann machbar, wenn Manfred Grund seinen Austritt aus CDU und Kirche gleichermaßen erklären würde. Auch ein Einzug in den Deutschen Bundestag über die Landesliste ist für einen sozialdemokratischen Mann aus Nordthüringen schier unmöglich. Die SPD müsste mehr als 34 Prozent aller Stimmen im Freistaat erhalten, damit der fünfte Listenplatz den Einzug nach Berlin garantieren würde. So weit oben steht nun mal Nordthüringen bei den Sozis nicht. Schon gar nicht bei Männern. Bei Frauen vielleicht, doch für die SPD-Frau aus dem Landkreis Nordhausen kommen die Neuwahlen eben ein Jahr zu früh. Pech gehabt!
Autor: nnz

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 nnz-online.de