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nnz nachgehakt

Abbrennen oder nicht?

Donnerstag, 07. Mai 2020, 07:30 Uhr
In Osterode wurde gestern das Ostefeuer abgebrannt, heute ist Neustadt dran. Ein Leser der nnz wundert sich warum das gerade jetzt geschieht - die Natur erwacht, die Vögel brüten - aus Sicht des Naturschutzes spricht vieles gegen das Vorgehen. Wir haben nachgehakt…

abgebranntes Osterfeuer in Osterorde (Foto: privat) abgebranntes Osterfeuer in Osterorde (Foto: privat)

In Neustadt zeigte sich Bürgermeister Dirk Erfurt überrascht. Sein Ortsbrandmeister hatte ihn gestern über die Order aus der Verwaltung der Gemeinde Harztor informiert. Wenn der Haufen nicht vorher umgesetzt wurde, scheine der Zeitpunkt aus Sicht des Naturschutzes „ungünstig“, meinte Erfurt.

In Niedersachswerfen kann sich Bürgermeister Stephan Klante auf Absprachen berufen, die zwischen den Bürgermeistern des Kreises und dem Landratsamt getroffen wurden. „Das passiert im gesamten Landkreis schon seit zwei Wochen. Wir sind sogar etwas später dran als manch andere Gemeinde weil wir erst einmal ein wenig Regen abwarten wollten um die Waldbrandgefahr möglichst gering zu halten“, erklärte Klante gegenüber der nnz.

Aus dem Landratsamt sind weitere Details zu erfahren. Einige Bürgermeister hätten die Sorge geäußert, dass die Osterfeuer die Tendenz hätten von alleine „zu wachsen“, je länger die Haufen liegen bleiben. Sprich: manche Zeitgenossen nutzen die Gelegenheit ihre eigenen Grünabfälle und vielleicht auch manches, was nicht unbedingt in ein Feuer gehört, hier zu entsorgen. Je größer der Haufen und je trockener das Wetter, desto schwieriger werde ein geordnetes Abbrennen, teilt das Landratsamt mit. Um die Gefahr die vom Funkenflug ausgeht möglichst gering zu halten, habe man mit den Gemeinden abgesprochen die Osterfeuer jetzt zu beseitigen. Mit Blick auf die Corona-Krise wurden die Bürgermeister zudem dazu angehalten, die Maßnahmen möglichst tagsüber ohne „Publikum“ durchzuführen, damit aus der Aktion keine öffentlichen Veranstaltungen wird. 10 bis 15 Feuer seien in den letzten beiden Wochen bereits beseitigt worden, wobei die Haufen, wie bei allen Traditionsfeuern üblich, ein bis zwei Tage zuvor umgeschichtet werden müssen.

Wie die Beseitigung zu geschehen hat, wurde den Gemeinden überlassen: entweder umschichten und kontrolliert abbrennen oder Stück für Stück abtragen.

Aus Sicht des Naturschutzes ist die simpelste Variante, das Abbrennen, auch die schlechteste: die Feuer jetzt anzuzünden sei „ökologisch bedenklich und insgesamt kontraproduktiv“, meint Bodo Schwarzberg, Vorsitzender des BUND-Kreisverbandes. Unter Abwägung möglicher Schäden sei das mechanische Abtragen die sinnvollste Variante gewesen. „Noch besser wäre es die Osterfeuer bis zum kommenden Jahr ruhen zu lassen, da würden echte ökologische Nischen entstehen. Aber leider ist nicht damit zu rechnen das die Haufen auch so lange stehen bleiben würden.“

Denn auch das ist leider Fakt: die großen Holzhaufen haben in der Vergangenheit des Öfteren einige Mitmenschen zum illegalen Zündeln verleitet. Was passieren könnte, wenn die Holzberge während einer größeren Trockenphase Feuer fangen würden, mag sich jeder selbst ausmalen. Und trocken scheint es auch in diesem Jahr zu werden.
Angelo Glashagel
Autor: red

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