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nnz-Bücherkiste: Unverzichtbar

Sonntag, 12. Juni 2005, 16:13 Uhr
Nordhausen (nnz). Für kurze Zeit überrascht war die politische wie journalistische Welt, als der Kanzler Neuwahlen im Herbst verkündete. Doch lange hielt die Sprachlosigkeit nicht an - Experten und Politiker geben auf allen Kanälen schon einen Vorgeschmack dessen, was uns in den "heißen" Wahlkampfwochen noch bevorstehen wird. Als unverzichtbares Handbuch für jeden, der mitreden will, empfehlen wir ein Buch...


Und das ist Gustave Flauberts Wörterbuch der gemeinen Phrasen, für das der Autor in nimmermüder Akribie jahrzehntelang Gemeinplätze, Platituden, Klischees und Vorurteile gesammelt hat. Auch wenn Flaubert dabei sein eigenes Jahrhundert im Visier hatte, lässt sich, wie Sie sehen, vieles mühelos auch heute noch verwenden:

Sprechen Sie über den entscheidenden Wählerstimmenanteil der Arbeiter (Immer anständig, wenn er gerade mal keine Unruhen anzettelt) aber vergessen sie nicht den Bauernstand (Was wären wir ohne ihn?). Besinnen Sie sich auf die Grundlagen der Gesellschaft (Eigentum, Familie, Religion, Respekt vor den Autoritäten) und halten Sie die Sparsamkeit (folgt immer auf "Ordnung", Quelle des Reichtums) hoch.

Zwar werden Neuerungen (immer gefährlich) gelobt, aber zum Glück haben die meisten ein kurzes Gedächtnis (Sich über den Schwund des eigenen beklagen - und sogar damit prahlen, gar keines zu haben, aber brüllen wie ein Löwe, wenn man Ihnen bedeutet, die Urteilsfähigkeit sei Ihnen abhanden gekommen.) Grundsätzlich reicht es auch aus, jeden der Unfähigkeit (immer "notorisch") zu bezichtigen. Es sind sowieso alles Dummköpfe (Alle, die nicht so denken wie unsereiner – wie Sie.) Erschienen ist dieses Sammelsurium im Berliner Eichborn-Verlag
Autor: nnz

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