Angemerkt:
Nun ist es wieder zu sehen!
Sonntag, 03. Mai 2020, 18:51 Uhr
Gleich zu Beginn will nnz-Autorin Heidelore Kneffel der Leserschaft ein Wandgemälde zeigen, auf das sich dieser Ruf der Titelzeile beziehen könnte, wenn, ja wenn … Das farbenfrohe Wandbild befand sich – nein, eigentlich befindet es sich noch an der Westwand der Stolberger Straße 131 in Nordhausen-Nord, genauer gesagt, an dem flachen Bau des Klubgebäudes, das 1982 eingeweiht wurde...
Wandbild (Foto: Archiv Kneffel)
In ihm wirkte bis 1990 die Volkssolidarität, dann das Seniorenbegegnungszentrum, jetzt trägt diese Einrichtung den Namen Nordhaus. Wie es zu DDR-Zeiten üblich war, erhielten öffentliche Gebäude ihre Kunst am Bau, entweder außen, oft als Wandbild gestaltet, oder auch Bilder, die im Inneren des jeweiligen Gebäudes angebracht wurden, wie z. B. in der ehemaligen Stadtterrasse.
Das 5,69 m x 13,50 m große Gemälde Den Kindern der Welt gewidmet schuf der Weimarer Künstler Werner Wagner, Jahrgang 1936, im Auftrag der Stadt Nordhausen, den sie ihm 1981 erteilte. Am Vorabend des 34. Jahrestages der Gründung der DDR wurde es der Bevölkerung übergeben.
Wieso mir dieses leuchtende Gemälde, das mit seinen zahlreichen Figuren Heiterkeit und Frohsinn ausstrahlt, im Gedächtnis blieb, auch nachdem man es 1991 eingedämmt hatte, möchte ich hier anfügen.
Bis 1990 habe ich als Lehrerin für Deutsche Sprache und Kunsterziehung an der abgerissenen Friedrich-Engels-Schule/später Frauenbergschule am Marienweg gearbeitet. Im Jahr 1987 war ich mit meinen Schülerinnen und Schülern der Klasse 7b in Nordhausen auf den Spuren der Denkmallandschaft – angefangen von der Stadtmauer bis hin zu den Gedenktafeln an manchen Häusern. In dieser Zeit erlebten wir die Setzung der Turmhaube auf den Petriturm und die Einweihung des jüdischen Gedenksteines mit. Die Heranwachsenden erkundeten auch die Wandbilder an mehreren Gebäuden, so auch das eingangs erwähnte. Wenn es irgend möglich war, haben sich die Jugendlichen mit Künstlern über Briefe in Verbindung gesetzt, um Einzelheiten über das Kunstwerk zu erfahren. Von Werner Wagner aus Weimar, dem Schöpfer des besagten großen Gemäldes, erhielten sie eine handschriftliche Antwort.
Den Auftrag, so schrieb er am 13.IV.87, ursprünglich dem Club der Volkssolidarität thematisch gebunden, änderte ich zum Thema 'Den Kindern der Welt gewidmet.' Denn er hatte im Stadtarchiv intensiv geforscht und stieß dabei auf die Aprilbombardierungen von 1945. So wurde es ein Bild in memoriam an die damals ums Leben gekommenen Kinder und gleichzeitig für die Jungen und Mädchen, die jetzt in Frieden leben können. Das Gemälde war mit seiner Thematik für das gesamte Wohngebiet gedacht. Uns hat das Gemalte zugesagt, da es in klaren großen Figuren zeigt, was das Leben Schönes bereithält. Selbst auf der Kopie sieht man, wie ausdrucksstark die Figuren einzeln oder in Gruppen agieren. Die Silikatfarben besorgte sich Wagner aus der BRD, denn für das Bemalen von Außenfassaden gab es in der DDR keine, die so haltbar waren, wie er es wünschte. Der Maler und Grafiker schrieb uns auch: Das Wandbild habe ich vom ersten Entwurf an bis zum letzten Strich an der Wand selbst durchgeführt. Letzteres dauerte drei Monate.
Im Jahr 1991 verschwand das imposante Wandbild dieses geachteten Künstlers, es wurde weggedämmt. Der Schöpfer des Kunstwerkes wurde von der Stadt darüber nicht benachrichtigt, was angezeigt gewesen wäre. Zu verstehen ist diese Bilderstürmerei in keiner Weise, denn Möglichkeiten des Dämmens gibt es ja nicht nur eine, und der Inhalt des Bildes konnte wohl passender für Nordhausen nicht sein. Klaus Wahlbuhl, der Verantwortliche für Kultur in der Stadt, den ich damals leider erst zu spät ansprechen konnte, versicherte, dass das Wandbild unter der Dämmung erhalten bleiben würde, da er veranlasst habe, dass Lüftungslöcher angebracht werden. So geschah es auch, wie an der Wand zu sehen ist.
Aber nun, bei der zukünftigen Umgestaltung im benannten Stadtteil, der schon länger im Gespräch ist, wäre ja die Möglichkeit, dem auf den Grund zu gehen. Vor ca. drei Jahren habe ich mir als Mitglied des Denkmalbeirates, der niemals aufgelöst wurde, einen Termin in der SWG bei Inge Klaan erbeten, brachte ihr Fotos und einen erläuternden Text mit und hoffte sie zu überzeugen, das große Wandgemälde den Nordhäusern und den Besuchern wieder zurück zu geben. Wenn auch vielleicht das ganze Gemälde nicht mehr zu retten sei, so vielleicht doch Teile. Bis jetzt erhielt ich kein Signal dazu.
Inzwischen gibt es eine umfängliche Initiative zur Erforschung und zum Erhalt dieser Kunst am Bau im Osten. In Erfurt wurde im Dezember 2019 z. B. ein imposantes Wandbild wieder an einer Hauswand angebracht. Fotografen dokumentieren in der Zwischenzeit diese Kunstwerke und Bücher werden gedruckt.
In der Akademie der Künste in Berlin traf man sich am 24. Januar 2020!!! zu einer ausgebuchten ganztägigen Zusammenkunft: Im Rahmen des Jubiläumsjahres zu 70 Jahren Kunst am Bau in Deutschland … fand als Auftaktveranstaltung das ganztägige Symposium Kunst am Bau in der DDR – gesellschaftlicher Auftrag, politische Funktion, stadtgestalterische Aufgabe statt. Veranstalter waren das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat und das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung.
Erörtert wurde die baukulturelle Bedeutung der Kunst am Bau in der DDR sowie die gesamtstaatliche Verantwortung für die Erforschung und den Erhalt des kunsthistorisch sowie kulturgeschichtlich bedeutenden Bestandes an Kunstwerken. Dazu sollte man sich auch an den verantwortlichen Stellen in Nordhausen bekennen. In einem zweiten Beitrag werde ich den Künstler vorstellen, über dessen Leben und Wirken es so manches zu erzählen gibt.
Heidelore Kneffel
Autor: nnz
Wandbild (Foto: Archiv Kneffel)
In ihm wirkte bis 1990 die Volkssolidarität, dann das Seniorenbegegnungszentrum, jetzt trägt diese Einrichtung den Namen Nordhaus. Wie es zu DDR-Zeiten üblich war, erhielten öffentliche Gebäude ihre Kunst am Bau, entweder außen, oft als Wandbild gestaltet, oder auch Bilder, die im Inneren des jeweiligen Gebäudes angebracht wurden, wie z. B. in der ehemaligen Stadtterrasse.
Das 5,69 m x 13,50 m große Gemälde Den Kindern der Welt gewidmet schuf der Weimarer Künstler Werner Wagner, Jahrgang 1936, im Auftrag der Stadt Nordhausen, den sie ihm 1981 erteilte. Am Vorabend des 34. Jahrestages der Gründung der DDR wurde es der Bevölkerung übergeben.
Wieso mir dieses leuchtende Gemälde, das mit seinen zahlreichen Figuren Heiterkeit und Frohsinn ausstrahlt, im Gedächtnis blieb, auch nachdem man es 1991 eingedämmt hatte, möchte ich hier anfügen.
Bis 1990 habe ich als Lehrerin für Deutsche Sprache und Kunsterziehung an der abgerissenen Friedrich-Engels-Schule/später Frauenbergschule am Marienweg gearbeitet. Im Jahr 1987 war ich mit meinen Schülerinnen und Schülern der Klasse 7b in Nordhausen auf den Spuren der Denkmallandschaft – angefangen von der Stadtmauer bis hin zu den Gedenktafeln an manchen Häusern. In dieser Zeit erlebten wir die Setzung der Turmhaube auf den Petriturm und die Einweihung des jüdischen Gedenksteines mit. Die Heranwachsenden erkundeten auch die Wandbilder an mehreren Gebäuden, so auch das eingangs erwähnte. Wenn es irgend möglich war, haben sich die Jugendlichen mit Künstlern über Briefe in Verbindung gesetzt, um Einzelheiten über das Kunstwerk zu erfahren. Von Werner Wagner aus Weimar, dem Schöpfer des besagten großen Gemäldes, erhielten sie eine handschriftliche Antwort.
Den Auftrag, so schrieb er am 13.IV.87, ursprünglich dem Club der Volkssolidarität thematisch gebunden, änderte ich zum Thema 'Den Kindern der Welt gewidmet.' Denn er hatte im Stadtarchiv intensiv geforscht und stieß dabei auf die Aprilbombardierungen von 1945. So wurde es ein Bild in memoriam an die damals ums Leben gekommenen Kinder und gleichzeitig für die Jungen und Mädchen, die jetzt in Frieden leben können. Das Gemälde war mit seiner Thematik für das gesamte Wohngebiet gedacht. Uns hat das Gemalte zugesagt, da es in klaren großen Figuren zeigt, was das Leben Schönes bereithält. Selbst auf der Kopie sieht man, wie ausdrucksstark die Figuren einzeln oder in Gruppen agieren. Die Silikatfarben besorgte sich Wagner aus der BRD, denn für das Bemalen von Außenfassaden gab es in der DDR keine, die so haltbar waren, wie er es wünschte. Der Maler und Grafiker schrieb uns auch: Das Wandbild habe ich vom ersten Entwurf an bis zum letzten Strich an der Wand selbst durchgeführt. Letzteres dauerte drei Monate.
Im Jahr 1991 verschwand das imposante Wandbild dieses geachteten Künstlers, es wurde weggedämmt. Der Schöpfer des Kunstwerkes wurde von der Stadt darüber nicht benachrichtigt, was angezeigt gewesen wäre. Zu verstehen ist diese Bilderstürmerei in keiner Weise, denn Möglichkeiten des Dämmens gibt es ja nicht nur eine, und der Inhalt des Bildes konnte wohl passender für Nordhausen nicht sein. Klaus Wahlbuhl, der Verantwortliche für Kultur in der Stadt, den ich damals leider erst zu spät ansprechen konnte, versicherte, dass das Wandbild unter der Dämmung erhalten bleiben würde, da er veranlasst habe, dass Lüftungslöcher angebracht werden. So geschah es auch, wie an der Wand zu sehen ist.
Aber nun, bei der zukünftigen Umgestaltung im benannten Stadtteil, der schon länger im Gespräch ist, wäre ja die Möglichkeit, dem auf den Grund zu gehen. Vor ca. drei Jahren habe ich mir als Mitglied des Denkmalbeirates, der niemals aufgelöst wurde, einen Termin in der SWG bei Inge Klaan erbeten, brachte ihr Fotos und einen erläuternden Text mit und hoffte sie zu überzeugen, das große Wandgemälde den Nordhäusern und den Besuchern wieder zurück zu geben. Wenn auch vielleicht das ganze Gemälde nicht mehr zu retten sei, so vielleicht doch Teile. Bis jetzt erhielt ich kein Signal dazu.
Inzwischen gibt es eine umfängliche Initiative zur Erforschung und zum Erhalt dieser Kunst am Bau im Osten. In Erfurt wurde im Dezember 2019 z. B. ein imposantes Wandbild wieder an einer Hauswand angebracht. Fotografen dokumentieren in der Zwischenzeit diese Kunstwerke und Bücher werden gedruckt.
In der Akademie der Künste in Berlin traf man sich am 24. Januar 2020!!! zu einer ausgebuchten ganztägigen Zusammenkunft: Im Rahmen des Jubiläumsjahres zu 70 Jahren Kunst am Bau in Deutschland … fand als Auftaktveranstaltung das ganztägige Symposium Kunst am Bau in der DDR – gesellschaftlicher Auftrag, politische Funktion, stadtgestalterische Aufgabe statt. Veranstalter waren das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat und das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung.
Erörtert wurde die baukulturelle Bedeutung der Kunst am Bau in der DDR sowie die gesamtstaatliche Verantwortung für die Erforschung und den Erhalt des kunsthistorisch sowie kulturgeschichtlich bedeutenden Bestandes an Kunstwerken. Dazu sollte man sich auch an den verantwortlichen Stellen in Nordhausen bekennen. In einem zweiten Beitrag werde ich den Künstler vorstellen, über dessen Leben und Wirken es so manches zu erzählen gibt.
Heidelore Kneffel
