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Der Motor stottert

Freitag, 10. Juni 2005, 12:54 Uhr
Nordhausen (nnz). Nach vorsichtigem Optimismus zu Jahresanfang wächst die Angst in den Unternehmen im Landkreis Nordhausen vor einer neuerlichen Konjunkturflaute. Die Skeptiker gewinnen wieder die Oberhand. Trends, Aussagen und Zahlen natürlich in Ihrer nnz.


Nur noch 13 Prozent der Firmenchefs zeigen sich mit ihrer gegenwärtigen Geschäftslage zufrieden. Der Konjunkturklimaindex, der sowohl die aktuelle Situation als auch die Erwartungen und Pläne für die nächsten Monate berücksichtigt, erreicht 96 von 200 möglichen Prozentpunkten und fällt damit um 3 Punkte zur vorhergehenden Analyse. „Vor allem die Erwartungen in den konsumnahen Bereichen konnten nicht erfüllt werden und drücken auf die Gesamtstimmung“, wertet Leiter des Regionalen Service-Centrums der IHK, Udo Rockmann, die Ergebnisse. Einzelhandel, Gastgewerbe und Bereiche der Dienstleistungen würden weiter unter der Konsumzurückhaltung der Verbraucher leiden. Hauptsächlich im Handel sei nach der Euphorie zum Jahreswechsel Ernüchterung eingekehrt. 83 Prozent der Einzelhändler beurteilen die derzeitige Geschäftsentwicklung „befriedigend“, 17 Prozent mit „schlechter“.

Steigende Energiepreise und finanzielle Einschnitte bei der sozialen Sicherung haben die Entlastungen der privaten Haushalte durch die letzte Stufe der Einkommenssteuerreform wieder aufgezehrt. Hohe Arbeitslosigkeit und fehlende Perspektiven hinterlassen darüber hinaus psychologische Spuren bei den Bürgern.

Auch der Industriemotor läuft etwas langsamer, prägt jedoch das Stimmungsbild nach wie vor positiv. Nur 18 Prozent der befragten Manager verweisen auf eine gute Geschäftssituation; noch im Januar waren es 35 Prozent. Bei 73 Prozent wird die gegenwärtige Geschäftslage als „befriedigend“ bewertet; im Januar waren das 46 Prozent. Demzufolge ist die schlechte Einschätzung zurückgegangen.

Dagegen bläst die Bauwirtschaft weiter Trübsal. Nur 11 Prozent der Bauunternehmer stufen ihre Geschäftslage mit „befriedigend“ ein, 89 Prozent urteilen mit „schlecht“. Entspannung sei in naher Zukunft weder vom privaten Wohnungsbau noch durch öffentliche Aufträge zu erwarten. Kommunale Haushalte enthielten momentan kaum Spielraum für notwendige Infrastrukturausgaben. Insofern betrachten 78 % den Auftragsbestand als zu klein.

Die Situation auf dem Arbeitsmarkt bleibt nach Ansicht der Kammer ernst. Solange sich die Konjunktur im Schneckentempo bewegt, kann die Beschäftigung nicht zum Sprint ansetzen. So würden die Unternehmen im laufenden Geschäftsjahr ihren Personalbestand überwiegend auf Bestandsniveau belassen. 6 Prozent der befragten Unternehmen planen Einstellungen, vor einem Jahr war das nur bei 1 Prozent der Fall. 24 Prozent gehen von fallenden Beschäftigtenzahlen aus; hier waren es vor einem Jahr noch 36 Prozent.
Autor: nnz

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