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1. Mai in Nordhausen

Im Regen versunken

Freitag, 01. Mai 2020, 18:30 Uhr
Parteien und die unter dem Dach des DGB versammelten Gewerkschaften hatten in diesem Jahr auf die Kundgebungen verzichtet. Neben der MLPD wollten Menschen ebenfalls nicht virtuell protestierend auf Missstände aufmerksam machen. Ein Teil der Demo fiel jedoch sprichwörtlich ins Wasser...

Demo auf dem August-Bebel-Platz (Foto: nnz) Demo auf dem August-Bebel-Platz (Foto: nnz)
Da muss man als Beobachter schon Respekt zollen: Etwas mehr als 20 Menschen hatten sich auf dem August-Bebel-Platz eingefunden, um unter anderem auf die selbst in normalen Zeiten kritikwürdige Situation in der Pflege aufmerksam zu machen.

Jetzt, da die gesamte Gesellschaft durch ein klitzekleines Virus in Geiselhaft genommen wird, sei dieser Zustand mehr als katastrophal, er sei der Menschen, die pflegen und gepflegt werden, unwürdig, sagten mehrere Redner.

Zuvor waren die Demonstranten nicht etwa mit der sonst üblichen Techno-Kampfmusik begrüßt worden, sondern eher etwas volkstümlich. Da funktionierte die mitgebrachte Audio-Technik noch, doch dann wurde es schwieriger. Da den Anmeldern der Demo die Benutzung eines Mikrofons verboten wurde, musste über ein Smartphone die Technik bemüht werden. Und das schuf Verständigungsprobleme. Die waren jedoch ein fast Nichts zu dem, was der Wettergott an diesem Nachmittag zum Kampf- und Feiertag beizutragen hatte. Erst ganz sanft, dann jedoch goss es wie "aus Kannen" auf den Platz und die Menschen hernieder. Der Regen war derart intensiv, dass es selbst erfahrene Demo-Begleiter aus Verwaltung und Polizei in die über fünf bereitgestellten Einsatzfahrzeuge trieb.

Viele der Demonstranten aber blieben auf den ihnen zugewiesenen Punkten (Mindestabstand) stehen, harrten aus, klatschten Beifall, wurden nicht ausfallend, blieben friedlich - Respekt.

Im Regen versunken (Foto: nnz) Im Regen versunken (Foto: nnz)
Diese Demo soll jedoch ein juristisches Nachspiel haben, denn einige der Auflagen der Versammlungsbehörde seien nicht hinnehmbar gewesen, so zum Beispiel, dass kein Umzug zu zwei weiteren Kundgebungsplätzen erlaubt wurde. Ob am Rathaus und am Bahnhof wirklich weiter demonstriert wurde, konnte sich dem Berichterstatter nicht erschließen, der flüchtete vor dem Regen.

Zurück bleibt ein 1.-Mai-Erlebnis der besonderen Art, denn eine derartige Kundgebung hatte der in seinen über 30 Dienstjahren noch nicht erlebt.
Peter-Stefan Greiner
Autor: red

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