nnz-online

Corona und die Großküche

Mittwoch, 22. April 2020, 16:59 Uhr
Das Corona-Virus setzt viele Lebens- und Arbeitsbereiche unter Druck. Den Großküchen, die sonst Schulen und Kindergärten versorgen, bricht der Umsatz weg. Immerhin: die Nachfrage nach "Essen auf Rädern" steigt ein wenig. Wie eine Nordhäuser Küche den Herausforderungen begegnet, dem ist Cornelia Wilhelm nachgegangen...

„Die Kantine in der Straße der Genossenschaften gibt im normalen Geschäftsbetrieb 200-230 Essen pro Tag aus, außer Haus sind es im Normalbetrieb im Schnitt 200 250 Essen pro Tag“, rechnet Jörg Wolf. Der Fachbereichsleiter ist im Horizontt Verein verantwortlich für die Großküchen und Kantinen.

Mit der neuen Situation durch Corona ist die Abnahme in der Kantine gesunken und hat sich auf zirka 100 Essen pro Tag reduziert. Die mobile Auslieferung der Mahlzeiten -also "Essen auf Rädern"- ist mit 300 Portionen pro Tag leicht angestiegen. Begründet sieht Wolf den gestiegenen Bedarf außer Haus insbesondere in der Belieferung älterer Personen, die auf Hilfe angewiesen sind. Aber auch Firmen und Menschen, die mit Kindern zu Hause sind und aus unterschiedlichen Gründen nicht selbst kochen können, nähmen das Angebot der mobilen Lieferung derzeit gut an.

Im "Kochhaus" hat man gerade schwer zu kämpfen (Foto: Cornelia Wilhelm) Im "Kochhaus" hat man gerade schwer zu kämpfen (Foto: Cornelia Wilhelm)

Notversorgung in Schule und Kita bleibt
Im eigentlichen Hauptgeschäft, der Versorgung von Kindergärten und Schulen, bleibt nur die Notversorgung. Das sei positiv, auch, wenn von einem Verlustausgleich nicht die Rede sein könne, erklärt Wolf: "Uns sind 80 Prozent des Gesamtumsatzes weggebrochen. Die laufenden Kosten müssen jedoch weiter gedeckt werden. Im Moment ein absolutes Minusgeschäft“.

Keine Fördermittel vom Staat
Derzeit sehe der milliardenschwere Rettungsschirm der Bundesregierung keine Förderung für freie Träger und gemeinnützige Vereine mit wirtschaftlichem Geschäftsbetrieb vor, bedauert Wolf. „Das wurde bisher nicht berücksichtigt.“ Die baldige Schaffung neuer Förderrichtlinien und die Aufnahme unter einen Rettungsschirm, der auch diese Bereiche mit einbezieht, lässt dennoch hoffen. Wann dieser allerdings zum Tragen käme, weiß derzeit noch niemand zu sagen.

Personal in Kurzarbeit
„Für uns ist es im Moment wirtschaftlich und personell natürlich der "Supergau". Unser Personal arbeitet genau wie in jedem anderen Betrieb in einem sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis“, erklärt Wolf. Zwischenzeitlich musste der Bereich der Großküchen 60 Prozent seiner Mitarbeiter auf Kurzarbeit umstellen. Ein Betriebsteil (Die Menümanufaktur) wurde vollständig geschlossen. Das Kochhaus könne die vertraglichen Verpflichtungen gegenüber seinen Kunden momentan noch vollständig abdecken. Im Fokus der Weiterführung des Geschäftsbetriebes stünden aber nun erst einmal auch die aktuellen Entscheidungen bezüglich der Wiederöffnung aller Schularten und Kindertageseinrichtungen. Das sei das wichtigste Geschäft.

Eine warme Mahlzeit gibt es weiterhin
Eine warme Mahlzeit kann nach wie vor unter Einhaltung der notwendigen Hygieneregeln im Kochhaus abgeholt werden. „Wir stellen nach wie vor drei Warmmenüs und ein Kaltmenü bereit, die jeweils von Montag bis Freitag im Zeitraum von 10-13 Uhr abgeholt werden können. Auch Bestellungen im Internet sind weiterhin möglich. Zudem können Bestellungen über die Telefonnummer der Menümanufaktur oder per Mail erfolgen“, sagt Wolf.

Und der Küchenchef blickt optimistisch voraus: „Es wird auch eine Zeit nach der Krise geben und wir möchten jetzt unseren Kunden und Partnern zeigen, dass wir auch in der Not für sie ein verlässlicher Versorger sind.“
Cornelia Wilhelm
Autor: red

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2021 nnz-online.de