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Fliegende Fetzen im Museum

Donnerstag, 02. Juni 2005, 19:19 Uhr
Nordhausen (nnz). Heute ging’s hoch her im Tabakspeicher. Da wurde kräftig diskutiert. Warum die Wogen so sehr hoch kochten, erfahren Sie mit einem Klick.


Das Museum Tabakspeicher ist ein Museum für Handwerk und Gewerbe und überdies eines zum Mitmachen. Warum am Eingangsschild dann noch auf die Archäologie verwiesen wird, liegt daran, daß es andernorts keinen Platz für diese Exponate gibt. Die mangelhafte Darstellung der ältesten geschichtlichen Exponate war jedoch nur ein Kritikpunkt der Mitglieder des Fördervereins.

Sie sahen das ganze Museum zerhackt und unpersönlich. Darüber äußerten sich einzelne Mitglieder teils drastisch und emotional, so daß Kulturamtsleiterin Dr. Cornelia Klose immer wieder mit dem Kopf schüttelte und von einer unsachlichen Diskussion sprach.

Fliegende Fetzen im Museum (Foto: nnz) Fliegende Fetzen im Museum (Foto: nnz) Die Wogen kochten hoch, als über das Museumskonzept und das Kulturkonzept, sowie über die Umgestaltung des Tabakspeichers durch den Künstler Jürgen Rennebach gesprochen wurde. Der Förderverein und der Geschichtsverein sahen sich nicht genug eingebunden. Vor allem stieß es ihnen übel auf, daß das Konzept von einer Agentur aus Hannover erarbeitet wurde, wo es in der Stadt selbst genug kompetente Kräfte gäbe. Ebenso fragwürdig war für Hans-Dieter Werther die Tatsache, daß sich ein Künstler des Museums angenommen hatte.

Jürgen Rennebach gab teilweise zu, nicht über ausreichende historische Kompetenz zu verfügen. Er meinte aber, daß die Museumsmitarbeiterinnen diese hätten haben müssen. Eigentlich schob jede "Partei" die Verantwortung auf andere ab.

Jürgen Rennebach erläuterte im Anschluß an Dr. Cornelia Kloses Ausführungen zum Werdegang der Museumskonzeption die Umgestaltung des Rundganges. Der Autor versuchte dem Rundgang einen Anschluß zu folgen und sich selbst ein Bild zu machen. Dabei wurde bemerkt, daß die Ausschilderung unzureichend ist und der Rundgang nur anhand der mitgeschriebenen Anleitung zu finden war.

Zu den Exponaten fehlen weitgehend die Erläuterungen. Vieles befindet sich in unlogischer Reihenfolge. Schon im Bereich der Motorenproduktion im Erdgeschoß fällt dieses auf. Nach den Baujahren ist dort nichts sortiert. Die von der Decke herabhängenden und im Boden verankerten Schilder sind zudem kritische Stolperfallen.

Die Sonderausstellung enttäuscht, da Erklärungen fehlen. Nur einige wenige Zeitungen aus Herbert Gerhardts reichhaltigem Archiv sind zu sehen. Auf einem Tisch liegen neuzeitliche Printmedien und Scheren. Wenn dieses und ein paar Scherben die Mitmachangebote sind, dann ist das für ein interaktives Museum dürftig. Das hatte man sich nach den vollmundigen Ankündigungen besser vorgestellt. Dafür gibt es jetzt ein Cafe und einen freundlicheren Tresen am Eingang. Zu Kindern ist der jedoch unfreundlich, da viel zu hoch. Dabei sind es doch vor allem die Jüngsten, die hier zu Bastelaktionen eingeladen und mit der Geschichte der Stadt vertraut gemacht werden sollen.

„Das Haus ist gesichtslos geworden“, sagen viele Mitglieder des Fördervereines. Viele bekannte Exponate, gespendet von den Bürgern der Stadt, konnten sie nicht wiederfinden. Aber das sei es doch, was die Menschen sehen wollten, Zeugnisse ihrer eigenen Geschichte und keine Beliebigkeiten, die es in jedem Museum zu sehen gibt.

Kulturamtsleiterin Dr. Klose lenkte schließlich ein. Sie gab zu, daß es nicht gut war, ein Museum ohne eine inhaltliche Konzeption gemacht zu haben. Das soll jetzt nachgeholt werden und zwar in Zusammenarbeit mit Vereinen und fachkundigen Bürgern. Nach dem Rolandsfest sollen verschiedene Treffen zu den einzelnen Themenbereichen stattfinden. Dieser Vorschlag fand auch bei den Vereinen Zustimmung.
Autor: wf

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