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Einzelhandel unter Druck

Wir sollten mehr Respekt zeigen

Donnerstag, 26. März 2020, 09:30 Uhr
Die Apotheke, der Drogeriemarkt und die Kaufhalle haben noch geöffnet, alles andere ist zu - in der Nordhäuser Marktpassage versucht man trotz aller Härten pragmatisch mit der Situation umzugehen und hofft auf ein wenig mehr Verständnis von Seiten der Kundschaft…

Leere Straßen vor der Nordhäuser Marktpassage (Foto: Angelo Glashagel)
Die Corona-Krise trifft vor allem den Einzelhandel hart, viele Geschäfte mussten ihre Tore kurzfristig schließen, offen ist nur noch, was unbedingt notwendig ist. Unternehmerisch sei die Situation für niemanden befriedigend, sagt Torsten Pietzsch, der Centermanager der Marktpassage. Dennoch sei die Entscheidung richtig gewesen. „Wir sollten für jeden Dankbar sein, der jetzt noch im Einzelhandel tätig ist und ein wenig Respekt zeigen. Man muss nicht auf die Verkäuferin an der Kasse schimpfen. Die kann nichts dafür das dass Toilettenpapier alle ist oder das jeder Kunde, auch bei einem kleinen Einkauf, einen Wagen mit in den Laden nehmen muss“.

Auf dem Boden eingezogene Abstandsstreifen, Plexiglas vor den Kassen und die Wagenpflicht - in den Läden, die noch geöffnet sind, hat man diverse Maßnahmen getroffen um Kunden um Mitarbeiter soweit es geht vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus zu bewahren. Die Einkaufswagen-Regelung dienen vor allem zwei Zwecken, erläutert Pietzsch. Zum einen könne so an der Kasse sichergestellt werden das der nötige Abstand eingehalten wird, zum anderen kann man den Kundenfluss im Laden regulieren. „Wenn sie nur 40 oder 50 Wagen vorhalten, wissen sie genau wieviele Kunden sich maximal im Laden befinden können. Das heißt dann aber auch das jeder einen Wagen nehmen muss. Auch wenn man als zu zweit als Paar unterwegs ist, und nur eine kleine Besorgung machen will“.

Das Einkaufsverhalten habe sich in den letzten Tagen etwas normalisiert, extreme Stoßzeiten wie man sie vor Feiertagen oder dem Wochenende kenne, gebe es im Moment nicht. „Die Leute kaufen weniger, dafür aber bewusster und der Konsum verteilt sich“, so die Einschätzung des Centermanagers.

Die Notwendigkeit bestimmter Regeln hätten inzwischen viele erkannt, gerade die Maßgabe Abstand zu halten werde, anders als noch vor einer Woche, von den meisten Kunden beachtet. Die generelle Versorgung mit Gütern sieht der Centermanager nicht gefährdet. „Es wird keine Not geben. Toilettenpapier ist tatsächlich das einzige Produkt, bei dem ein leichter Lieferrückstand entstanden ist. Wobei es natürlich sein kann das man vielleicht auf andere Produkte ausweichen muss.“ Wenn es also mal nicht die Nudeln gibt, die man für gewöhnlich auf der Liste hat: keine Sorge, es gibt noch genug andere Sorten.

Sorgen bereitet den Einzelhändlern hingegen die Zukunft. Es werde soziale Härten geben und die müssten abgefedert werden, meint Pietzsch. Wie die Lage am Ende der Krise aussehen werde, sei im Moment aber sachlich nicht einzuschätzen. „Ich bin froh das Hilfsprogramme auf den Weg gebracht wurden und das für deutsche Verhältnisse sogar relativ zügig. Einen Schaden wird es trotzdem geben und der muss so abgefedert werden, das wir irgendwann wieder in den normalen Alltag zurückkehren können“.

„Wir nehmen die Situation wie sie ist und machen das Beste daraus. Das gilt denke ich auch für die Verkäufer und Verkäuferinnen. Die Gesundheit steht jetzt an erster Stelle. Deswegen noch einmal: es wäre schön wenn wir einen respektvolleren Umgang pflegen könnten und unserem Zorn nicht an der Kasse Luft machen.“
Angelo Glashagel
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