nnz-online

Lustige Weiber in Hoyerswerda?

Mittwoch, 01. Juni 2005, 08:15 Uhr
Nordhausen (nnz). Lustspiele müssen nicht immer lustig sein und komische Opern nicht immer komisch. Wie erging es nun aber den „Lustigen Weibern von Windsor“ am Theater Nordhausen?

Lustige Weiber in Hoyerswerda? (Foto: nnz) Lustige Weiber in Hoyerswerda? (Foto: nnz)

Es gab einen Mann in England, der musste sich seinen Lebensunterhalt mit dem Schreiben von Theaterstücken verdienen. Und obwohl das vierhundert Jahre zurückliegt, war es damals schon so schwer, wie es heute unmöglich ist. Jener William Shakespeare schrieb ein todernstes Königsdrama, in dem er unter anderem einen quietschfidelen, den Weibern und dem Alkohol zusprechenden Sir John Falstaff auftreten ließ. Diesen Ritter von der lustigen Gestalt verwendete der Stückeschreiber später noch einmal, als ein Lustspiel von ihm gefragt war. Er stellte Falstaff in den Mittelpunkt einer Geschichte um eheliche Treue und Eifersucht. Mit ordentlichen Intrigen und Ränken; mit Verkleidungen und einer Liebesgeschichte, bei der sich am Ende die richtigen kriegen. Der Stoff war so banal wie erfolgreich (wahrscheinlich wurde er durch seine Banalität so erfolgreich).

Das gefiel dem Komponisten Otto Nicolai, der sich mit den Problemen leichter mediterraner Opern und deren Unverträglichkeit mit deutscher Ernsthaftigkeit plagte. Er machte aus den „Lustigen Weibern von Windsor“ eine komische Oper und hatte damit kurz vor seinem Tode den größten Erfolg seines Lebens. Für den vitalen dicken Falstaff schrieb er natürlich einen Bass singenden Herrn vor.

Im Theater Nordhausen gibt es in dieser Spielzeit einen Bass, dem diese Rolle genau auf den (in Wirklichkeit nicht so dicken) Leib geschrieben ist. Der Mann heißt Robert McLoud und bringt neben seiner großartigen Stimme noch eine gehörige Portion schauspielerisches Talent ein, so dass es ein Frevel wäre, die komische Oper „Die lustigen Weiber von Windsor“ nicht in den Spielplan aufzunehmen. Noch dazu, wenn das Ensemble über so ausgezeichnete Sängerinnen wie Sabine Blanchard und Anja Daniela Wagner verfügt, die mit viel Spielfreude den Hauptdarsteller fordern und auch mal in einen Wäschekorb schubsen. Als deren Ehemänner agieren ebenso sicher wie gewitzt die Herren Thomas Kohl und Bernd Gebhardt, so dass einem Erfolg der Inszenierung nichts mehr im Wege steht.

Offenbar war das allen Beteiligten klar, denn der Zuschauer kann die Motivation und Begeisterung des ganzen Ensembles bis hin zu den Damen und Herren des Chores und Extra-Balletts deutlich ausmachen (auch wenn sie oft im Halbdunkel stehen müssen). Nicht zu vergessen Brigitte Roths Darstellung der Jungfer Anna Reich, um die gleich drei Freier buhlen. Sie entscheidet sich letztlich für einen, wobei sie ihre Auswahl nicht nach den gesanglichen Fähigkeiten der Kandidaten zu treffen scheint.

Das Buhlen der drei Verehrer ist eine gelungene, weil witzig gespielte Sentenz der Inszenierung. Wenn man Rob Pitcher noch als grübelnd leidenden Jesus in Erinnerung hat, so kommt er jetzt als typisch shakespearsche Witzfigur Junker Spärlich daher und der Betrachter staunt über die Wandelbarkeit des Menschendarstellers. Pascal Hufschmid gibt einen köstlich karikierten Dr. Cajus und am schwersten hat es Matthias Heubusch als Heldentenor Fenton. Dafür bekommt er aber auch die Jungfer am Ende. Und das ganze Ensemble viel Applaus bei den beiden Premieren. Auch das Loh-Orchester unter Leitung von Joseph R. Olefirowicz. Sehr zu recht, wie ich finde.

Warum die Inszenierung nun aber an einem heißen Sommertag im Hoyerswerda der Siebziger Jahre angesiedelt wurde, hat sich mir nicht erschlossen. Und so gebe ich nach zwei Tagen angestrengten Grübelns enttäuscht auf.

Also: Hoyerswerda war es definitiv und ich tippe auf den 23. Juli 1975. Aber warum?
Olaf Schulze
Autor: osch

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 nnz-online.de