nnz-online

Die letzte Chance

Donnerstag, 26. Mai 2005, 08:08 Uhr
Nordhausen (nnz). Etwa 250 Interessierte nahmen am Dienstag abend an einer Filmvorführung in der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora teil. Dr. Karsten Uhl, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Gedenkstätte, kommentierte Aufnahmen, welche die US-Armee im April 1945 in Nordhausen gefilmt hatte. Es nun nur noch eine Chance, dieses Zeitdokument zu sehen...


Da viele Personen nicht mehr in den restlos gefüllten Kinosaal des neuen Museumsgebäudes eingelassen werden konnten, bietet die Gedenkstätte in der folgenden Woche am Dienstag um 19.00 Uhr eine vorerst letzte Vorführung dieser Filme an. Alle Interessierten sind eingeladen, an der Vorführung und der anschließenden Diskussion teilzunehmen. Der Eintritt zu der etwa einstündigen Veranstaltung ist frei.

Die Filme zeigen das Lager Dora und das KZ-Außenlager Boelcke-Kaserne direkt nach der Befreiung sowie das Vorrücken der amerikanischen Truppen in die Stadt Nordhausen und den Versuch der US-Soldaten, Plünderungen in der Stadt zu unterbinden. Am 31. Mai um 19.00 Uhr wird der Leiter der Gedenkstätte Dr. Jens-Christian Wagner die Filme kommentieren und für Fragen zur Verfügung stehen.

Als am 11. April 1945 amerikanische Soldaten in Nordhausen einrückten, machten sie am südlichen Stadtrand eine grausige Entdeckung: In den Trümmern einer durch britische Luftangriffe zerstörten Luftwaffen-Kaserne fanden sie die Leichen von über 1000 ausgemergelten KZ-Häftlingen und Zwangsarbeitern, zwischen denen einige Hundert Sterbende lagen, für die jedoch jede Hilfe zu spät kam. In den folgenden Wochen gingen die Fotos und Filmaufnahmen von den auf dem Hof der Boelcke-Kaserne aufgereihten Toten um die Welt und prägten vielerorts das Bild vom nationalsozialistischen Lagerterror.

Die Aufnahmen, die im Lager Dora nach der Befreiung des Konzentrationslagers am 11. April gefilmt wurden, sind der breiten Öffentlichkeit dagegen kaum bekannt. Die Filme zeigen einige der wenigen Hundert im Lager verbliebenen befreiten Häftlinge. Die meisten ihrer Leidensgenossen wurden Anfang April auf sogenannte Todesmärsche geschickt.
Autor: nnz

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 nnz-online.de